An Gott glauben? Nein, ich übernehme Verantwortung

An Gott glauben steht im Widerspruch, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen


Der Glaube versetzt Berge. An Gott glauben bringt dich in den Himmel. Ähm, nö, ergibt beides – bei näherer Betrachtung – wenig Sinn. Unser Schicksal liegt in unserer eigenen Verantwortung, sonst nirgends. Ich bin Gott, ich versetze Berge.

Selbstverständlich respektiere ich alle Menschen und deren Glauben an einen Gott, oder mehrerer Götter. Ich respektiere auch Menschen, die einmal im Jahr ihren Rasen mähen, industriell hergestellte Lebensmittel oder Sachen essen, die auf der Erde rumliegen. Ja, ich respektiere sogar Justin Bieber-Fans!


Was ist das für ein Gott?

Dieser weißbärtige, grimmig blickende alte Mann, der Adam und Eva nach seinem Ebenbild erschuf. Wie er das bei Eva zustande brachte, ist an sich schon ein mysteriöses Rätsel. Adam wurde an die 800 Jahre alt und zeugte zahlreiche Söhne und Töchter. Mit wem vollzog er den Geschlechtsverkehr um diese erstaunliche Leistung zu erbringen? Mit Eva, oder gar mit mehreren seiner Töchter?

Diesem Gedanken folgend, mussten Adams Söhne Sex mit deren Schwestern haben, oder mit ihrer Mutter. Somit sind wir, die Menschheit, das Ergebnis einer gewaltigen inzestuösen Perversion. Inzest wird in der Bibel darüber hinaus, wie auch Homosexualität und Sodomie, verurteilt.

Ein theologiestudierter Geistlicher wird diese sexuellen Ausschweifungen nicht nur plausibel darstellen können, sondern Gottes Allmacht und Güte zusätzlich untermauern.

Gott ist das miserabelste Konzept aller Zeiten

Rechnen wir schnell mal überschlagmäßig die Anzahl jener Menschen zusammen, die aufgrund eines religiösen Hintergrundes ihr Leben lassen mussten, kommen wir auf mehrere hundert Millionen.

Die Römer, die ihren Göttern dienten, die mittelalterlichen Kreuzzüge samt Hexenverbrennungen, die systematische Vernichtung von Juden im 2. Weltkrieg, bis hin zu den ethnischen Säuberungen am Balkan in den 90er Jahren und den allgegenwärtigen terroristischen Anschlägen, um nur einige aufzuzählen. Sie alle wurden aufgrund eines Glaubens an Gott ermordet und mit eben diesem Glauben gerechtfertigt.

Jesus, den ich als historische Person anerkenne und dessen Taten ich bewundere, wurde angeblich von Gott auf die Erde geschickt um ihn dann – seinen 33-jährigen Sohn, der durch eine unbefleckte Empfängnis entstand – als Opfer ans Kreuz nageln zu lassen, um uns Menschen zu retten.

Eine spektakuläre Aktion die natürlich Eindruck hinterlässt. Wie Atombomben auf Japan, entführte Flugzeuge in das World Trade Center oder die Mondlandung.

An Gott glauben als Ticket in den Himmel

Und dann ist da noch die Sache mit dem strafenden Gott und der Erbsünde. Neugeborene Babys tragen bereits die Schuld der gesamten Menschheit in sich. Noch ehe sie zum ersten Atemzug ansetzen, sind sie bereits zu einem Leben mit permanent schlechtem Gewissen verurteilt.

Wissend, dass sie Fehler machen werden, können sie sich mit beten, beichten und büßen von ihren Sünden freikaufen, um danach wie bisher weiterzuleben und neuerlich beten, beichten, büßen …

Folgst du diesen göttlichen Gesetzen, erwartet dich der Himmel. Wenn nicht gnade dir Gott, denn er schickt dich in die Hölle, du bekommst eine schwere Krankheit oder eine sonstige Strafe auferlegt, die in jedem Fall ewige Verdammnis bedeutet.

Mein Schicksal, meine Verantwortung

Alles bisher Erwähnte ist mehr als Grund genug, dass ich nicht an Gott glaube, aber es ist noch nicht einmal das Entscheidende. Glaube ich an Gott, lebe ich in der Erwartung, dass „er“ dafür sorgt, ob es mir gut oder schlecht gehen wird.

Ich brauche lediglich seinen Geboten folgen, zu ihm zu beten, ihm also meine Wünsche mitteilen und ihn um Vergebung bitten, wenn ich doch mal jemanden tötete, log oder das Weib meines Nächsten begehrte.

Wieder einmal bin ich ungern der Überbringer schlechter Nachrichten. Aber diesen Erwartungen folgend, sind wir bereits so gut wie ausgestorben.

Mein Schicksal folgt Naturgesetzen

Nein, so einfach will ich es mir nicht machen. Bezüglich meines Verhaltens gegenüber anderen Menschen, halte ich es mit der Aufklärung. Sie schuf im 18. Jahrhundert unter anderem Moralvorstellungen, die aufgrund der bisherigen Menschheitsgeschichte und der Anerkennung von Naturgesetzen entstanden.

Rationales Denken, Mitgefühl, Toleranz und Gemeinwohl waren einige der neuen Grundsätze, die den Menschen die Möglichkeit zu einem freien, selbstbestimmten Leben geben sollten, aber auch die Verantwortung über ihr Schicksal.

Glaube ist auch nur eine Ideologie

An Gott zu glauben ist eine Rechtfertigung, eine Ausrede für mein Handeln. Selbst ein Priester, der einem kleinen Jungen die Unschuld nimmt, kann seine abscheuliche Tat immer noch damit rechtfertigen, diesem Kind Buße gelehrt zu haben, um ihn damit Gott näher zu bringen.

Trenne ich mich von dieser Ideologie, von jeder Ideologie, und nichts Anderes ist der Glaube an einen Gott oder das Anhängen einer politischen Richtung, übernehme ich die Verantwortung für mein Handeln, für den Verlauf meines Lebens.

In diesem Augenblick ist Schluss damit, von jemand anderen zu erwarten, dass er für jene Rahmenbedingungen sorgt, in denen ich meine Erfüllung finde.

Gott ist Macht die ängstlich macht

Ein Präsident Trump, eine Bundeskanzlerin Merkel, ein Bundeskanzler Kurz oder welche/r PolitikerIn auch immer, oder eben Gott, scheren sich einen Teufel darum, ob es dir und mir als Individuum gut geht, ob du und ich ein erfülltes Leben führen können.

Es geht um Macht, die von einigen Wenigen verwaltet wird und die zuallererst einigen Wenigen dient. Diese Macht hält dich und mich klein, macht uns gefügig, ängstlich und vermittelt uns, dass, wenn wir uns nicht an deren Gesetze halten, wir mit Konsequenzen zu rechnen haben.

An Gott glauben ist der Glaube an mich selbst

Ich glaube an die Natur und ihre Gesetze. Trifft Wasser auf ein Samenkorn in der Erde und scheint die Sonne darauf, wächst nach einiger Zeit eine Pflanze. Fertig, mehr ist da nicht. Funktioniert, immer.

Welche Pflanze möchte ich wachsen lassen? Welches Samenkorn muss ich säen? Was muss ich dazu beitragen, dass die Pflanze zu wachsen beginnt?

Habe ich diese Fragen für mich beantwortet und sorgfältig umgesetzt, ist es keine Frage des Glaubens, ob das von mir erwartete Ergebnis gelingt. Dann ist es lediglich eine Frage der Geduld und des Vertrauens in mich selbst.

Ich bin Gott

Ich alleine trage die Verantwortung für diesen Prozess. Insofern wäre der Satz „Ich bin Gott“ zutreffender als „Ich glaube an Gott“. Allerdings ist das völlig unnötig und würde wiederum zu Allmachtsphantasien führen, die in dieser Welt bereits genug Schaden anrichteten.

Was ich damit meine ist, dass ich Taten setze und an diese, sowie an meine Fähigkeiten, glaube. Vertrauen in mein Handeln und an die Möglichkeiten habe, die ich selbst schaffe! Spiritualität ist dazu ein wichtiger Begleiter, nicht aber der blinde Glaube an einen weißbärtigen, alten Mann.

Um dieser Überzeugung, dass ich alleine die Verantwortung für mein Leben und mein Schicksal trage, Nachdruck zu verleihen, möchte ich diesen Artikel mit meiner Interpretation des „Vater Unser“ schließen:

Sinn des Lebens,
erkennen will ich deine Wahrheit,
meine wahre Natur komme,
mein Wille geschehe,
wie im Außen,
so auch im Innen.
Meine tägliche Energie nutze ich heute
und ich vergebe mir meine Fehler,
wie ich auch allen Anderen vergebe.
Ich führe mich nicht in Versuchung,
sondern erlöse mich vom Falschen.
Denn mein ist dieses Leben
und die Kraft und die Herrlichkeit,
Jetzt ist die Ewigkeit.
Amen



An Gott glauben ist mir aufgrund der beschriebenen Umstände nicht möglich. Lässt man allerdings den ganzen Unfug weg und lässt der Spiritualität freien Lauf, kommt eine faszinierende Geschichte heraus. Prädikat: Unbedingt lesen: Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott *


Titel des nächsten Artikels:

Gastartikel von Nicki: Wer will schon wissen was Glück ist?


Gibt es ein Leben vor dem Tod?

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Folge mir, ich würde mich freuen:

6 Gedanken zu „An Gott glauben? Nein, ich übernehme Verantwortung&8220;

  1. Ich stimme dir ebenfalls zu… Ich würde mich klein und hilflos fühlen, würde ich daran glauben, dass „Gott“ mir die Depression auferlegt hat und dementsprechend nur er mich davon wieder „befreien“ kann… Und ich denke, zu viele Menschen fühlen sich in unserer Gesellschaft klein und hilflos, als könne man nichts beeinflussen und bewirken. „Gott“ mag einem bei mancher Schwierigkeit subjektiv eine Hilfe sein… Aber ich ziehe es ebenfalls vor, selbst Verantwortung zu übernehmen.

  2. Morgenschön und Aloha!

    Ich hoffe, ich bin nicht zu früh dran mit Wieder-Melden?… 😉

    Danke für einen weiteren klugen und politically erfrischend incorrecten Text!

    Es ist so schön, inmitten all des weltlichen Grauens (und des eigenen Inneren, ein Schelm, wer da Zusammenhänge vermutete) doch hie und da vertraut und zuverlässig blinkende Leuchttürme in tosender Gischt ausmachen zu können – in Form von Themen und Worten, die sich nicht extra hübsch machen, Rouge auflegen, Schuhe putzen oder Zahnseide benutzen…

    Religion und Spiritualität, Du Lieber Gott!… 🙂 Wenn da nur der Mensch nicht wäre.

    Nicht Religion „an sich“, wohl aber der Mensch „an sich“ kann einen halbwegs reflektierten, friedvollen Artgenossen ob seines Umgangs mit dem Thema (siehe die von Dir dargelegte, düstere Historie dazu) in Depressionen und spirituellen Burnout treiben (wer klar denken kann, meint hier allzu oft, angesichts dieses Grauens den Verstand verlieren zu müssen!!!…) – im Mindestens wohl aber dazu beitragen, dass sie (die Religion) meist als…äh…nunja… „eher weniger probates“ Mittel auf dem Wege der Heilung erscheint.

    Evolutionär im Prinzip alterstechnisch noch nichtmal wirklich im Krabbelalter, weiss er (der Mensch) doch zuverlässig – da kann man echt nich meckern! – immer zielgerichtet wie ein Grottenolm im Dunkeln, wo es eine an sich gutgemeinte Sache (Glauben) für seine allerniedersten Zwecke, und das allumfassend und gründlicher als die Satdtreinigung in Singapur (per Religion bzw deren Interpretation) bis zur Unkenntlichkeit zweckzuentfremden, vergewaltigen und missbrauchen und auszuplündern gibt.

    Gottseidank (verzeih!) grätschst Du noch dazwischen mit dem so sinnigen wie wichtigen Einwand im Anschluss, „lässt man allerdings den ganzen Unfug weg,…“ – denn DAS (Spiritualität) ist die positive und wichtige Essenz, die bei dem ganzen menschlichen Hässlichkeiten wie Machtgier, Politik, Krieg, Folter, Kleinhalten, Selbstbereicherung, Missbrauch und Unmündigmachen ganzer Völker und Ethnien uVm leider zu UNrecht auf der Strecke bleibt, indem sie mit ihrer irgendwie ekligen Schwester Religion gleichgesetzt wird.

    Ich persönlich bin grundsätzlich aber dennoch auch immer wieder neugierig auf Leute, die in diesem Dschungel dennoch einen kleinen, unangepassten, um Verständigung bemühten Weg zu gehen versuchen, mich reizt, zu erfahren, was sie antreibt – letztens stiess ich da zufällig (weil nicht konkret danach gesucht) auf ein Interview, in dem eine recht lebenskluge (weil -geprüfte) Frau von IHREM steinigen, von Kritik, Wut, reflektierter Grundhaltung aber eben auch Sehnsucht geprägten Herantasten an dieses umkämpfte Thema erzählte – und nebenbei fiel ein Spruch, den ich so intelligent wie ansprechend fand:

    „Was, wenn Gottes Hände an Deinen Armen sind?“

    🙂

    Abschliessend noch:

    Fetten Respekt für Dein Maß an Toleranz – bei Justin Bieber bin ICH persönlich raus.

    Friedliche Grüße,

    Moe

    1. Ach Moe, lass‘ doch um Gottes Willen (hehe) den lieben Justin in Frieden ruhen. Letztlich ist er noch am ehesten der Beweis dafür, dass es tatsächlich so etwas wie einen strafenden Gott gibt …

      Hallo übrigens! Schön, dass du mal wieder ein gerüttelt Maß an Intelligenz in mein bescheidenes Wohnzimmer bringst. Irgendwie dachte ich mir schon, dass du dir dieses Thema nicht entgehen lassen wirst 😉

      Frage: Möchtest du einen Gastartikel für meinen Blog schreiben? Ja, ich frage rotzfrech frei heraus, weil ich das einfach möchte, ich wünsche mir das so sehr, dass ich mich schon dabei sehe, wie ich deinen Artikel veröffentliche und mir dabei die Gänsehaut über die Zähne läuft. Bitte Moe, tu einem rasend schnell älter werdenden Mann diesen gefallen. Wer weiß, wie lange ich noch habe … Okay, das war jetzt fies, weil perfide erpresserisch, aber ich muss dich ja irgendwie dazu bringen. Freie Themenwahl, keine Vorgaben, du bestimmst alles, ich vertraue dir blind und du bekommst einen Platz in der Hall Of Fame der Blogger (den gibt es zwar nicht, aber ein Platz ist für dich reserviert). Die einzige Antwort die ich von dir akzeptiere ist: „Alter, wieso hast du nicht schon früher danach gefragt!“ Bitte Moe, bitte …

      Best
      Roland

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