Burnout auf Drogen: Ein Mann sitzt in einem Feld und schlägt die Hände vor sich zusammen. Dabei verteilt er eine staubige Substanz

Burnout auf Drogen macht auch keinen Spaß

Medikamente sind Drogen nicht unähnlich

Bin ich verrückt? Und wenn ja, ist verrückt das neue normal? Wenn nicht, was soll der Bullshit mit diesem Burnout?


Seit einer Woche nehme ich wegen eines Burnout-Rückfalls ein Psychopharmakon. Medikamente jeder Art wirken bei mir wie LSD bei einem Kleinkind. Deshalb wählte ich eine leichte Dröhnung, quasi die Fruchtzwerge unter den Antidepressiva.

Früher, als ich richtig in den Depressionen hing, verweigerte ich die Einnahme von Psychopharmaka. Ich hatte panische Angst davor, meine Persönlichkeit zu verlieren. Rückblickend war diese Angst absurd. Als Depressiver hatte ich keine Persönlichkeit, ich war ein Haufen Elend, das unter Wasser nach Luft schnappte.

Hier wird gestreikt

Die letzten Wochen waren anders. Nicht Depressionen waren mein Problem, eine schmerzfreie Leere breitete sich in mir aus. Stell dir vor, du willst eine Treppe nach oben steigen. Du siehst die Treppe vor dir, weißt, was zu tun ist um das Hindernis zu überwinden und dann – nichts. Deine Beine bewegen sich nicht, du bleibst wo du bist.

Alles erschien sinnlos und mein Körper wechselte schlagartig in den Steikmodus. „Warum sich für etwas Sinnloses anstrengen?“ könnte ein Slogan auf einem Streikplakat gewesen sein.

Manchmal denke ich nur noch: Alter, was ist los mit dir? Es läuft gut, mein Burnout habe ich im Griff, alles entwickelt sich, manches sogar positiv und dann reißt es mir wieder den Boden unter Füßen weg. Liege hilflos und verängstigt wie ein nasser Hund in der Ecke. Was soll der Scheiß?

With or without you

Echt verrückt. War es vorher eine generelle Leere die mir zu schaffen machte, ist es jetzt, auf Droge*, die gefühlsmäßige Leere, die mir völlig egal ist. Es ist eine emotionale Gerade, keine Kurven, keine Hügel. Wie ein verdammter Justin Bieber Song, völlig eintönig, immer das Gleiche.    

Selbst wenn vor mir ein kleines, von einem SUV zerquetschtes Kätzchen seine letzten Atemzüge machen würde, meine Mundwinkel würden ein leichtes Lächeln andeuten.

Ich kann es mir aussuchen. Mit Fruchtzwerge bin ich ein emotionsloses Irgendwas und ohne Fruchtzwerge eine leeres Irgendwas. Soll mir jetzt niemand Selbstmitleid oder ähnliches vorwerfen, dazu bin ich gefühlsmäßig gar nicht imstande.

Wenigstens wirken die Nebenwirkungen

Ursprünglich wollte ich heute eine coole Geschichte über Wölfe erzählen, die vor einigen Jahren irgendwo ausgesetzt wurden und das örtliche Ökosystem veränderten. Das Ganze war als Metapher gedacht, wie wichtig richtige und mutige Entscheidungen sind und man darauf vertrauen soll, dass alles gut ausgehen wird und so.

Tja, daraus wurde nichts. Ich fand keinerlei emotionalen Zugang zu der Geschichte, zu keiner Geschichte, auch nicht zu dieser. Das hier schreibe ich einfach so runter, damit ich wenigstens irgendwas mit etwa fünfhundert Wörter, und in Verbindung mit Burnout, veröffentliche.

Mit auf Eis gelegten Gefühlen zu schreiben ist wie Sex ohne Liebe. Für diesen Bullshit bin ich nun wirklich zu alt. Das macht keinen Spaß, ich mag das nicht.

Die restlichen Nebenwirkungen halten sich in Grenzen. Schwindel, teils vernebelte optische Wahrnehmung, trockener Mund, gelegentliche Aussetzer des Verstandes und leicht verzögerte Reaktionszeiten. Sonst alles gut.

Der Arzt meint, ich gewöhne mich in absehbarer Zeit an die Medikamente. Keine Ahnung was das bedeutet. Gewöhne ich mich an die Nebenwirkungen oder werde ich es als normal empfinden, von Emotionen weitestgehend befreit zu sein, obwohl ich nichts empfinde?

Fortsetzung folgt …

Wie oft hast du das Gefühl, am wahren Leben vorbei zu leben? Gefangen zu sein in dem inneren Zwang, bestimmten Normen und Erwartungen entsprechen zu müssen die uns letztlich krank machen? Der blinden Masse hinterherzurennen, statt das eigene Leben zu einem wundervollen Abenteuer zu machen? Robert Betz liefert die Antworten: Willst du normal sein oder glücklich?: Aufbruch in ein neues Leben und Lieben*


Titel des nächsten Artikels:

Schatten der Vergangenheit


Was ich von meinem Burnout lernte

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4 Gedanken zu “Burnout auf Drogen macht auch keinen Spaß

  1. Du betrachtest deine emotionale Leere als negativ? !
    Muss man nicht jeden Mistkübel leeren, damit wieder Neues Platz findet?

  2. Hey.

    Danke für deine Ehrlichkeit bei diesem Beitrag. Bin derzeit in einer ähnlichen Situation und meine Drogen sind leider keine Antidepressiva sondern sind grün und lassen sich rauchen..
    Ich fühle mich ziemlich neben der Spur manchmal, aber immer noch besser als ohne zur Zeit..

    Wie geht es dir denn zur Zeit?

    Liebste Grüße, Lu

    1. Hey Lu,

      danke für deinen Kommentar!

      Naja, alles ist gut was einem hilft, würde ich sagen 😉 Das grüne Zeug tut mir leider nicht gut, deshalb bleibe ich vorerst bei den verdammten legalen Drogen und hoffe, sie bald wieder absetzen zu können.

      Derzeit geht es mir gut. Der Rückfall in die Depressionen hat mich daran erinnert, dass ich über einen längeren Zeitraum nicht auf mein Gefühl hörte. Immer das Gleiche, konzentriere ich mich zu sehr auf das Außen, schickt mich mein Inneres auf die Matte.

      Ich wünsche dir alles Gute und „Keine Macht den Drogen“! 😉

      Beste Grüße
      Roland

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