Deine glückliche Beziehung hat Burnout

Deine einst glückliche Beziehung ist im Begriff zu scheitern? Der Vergleich mit dem Verlauf von Burnout ist gravierend. Lerne davon!


Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Ähnliche Frage: Was kommt zuerst, die gescheiterte Beziehung oder das Burnout? Und was hat Burnout mit dem negativen Verlauf zu tun, der eine glückliche Beziehung zu einem Desaster machte?

Lass uns diesen Fragen auf den Grund gehen. Bist du offen für einen etwas anderen Zugang zum Thema Beziehungen, wirst du einige wertvolle Erkenntnisse mitnehmen.


 

Wohin verschwand deine glückliche Beziehung?

Ich liebe dich. Wann hörtest du diese drei Worte das letzte Mal von deinem Partner und hattest dabei Schmetterlinge im Bauch, glaubtest ihnen?

Du wolltest lediglich eine glückliche Beziehung. Ist das zu viel verlangt? Hat nicht jeder Mensch ein Recht darauf? Insbesondere du?

Es ist zum Verzweifeln. Alles begann wunderbar. Du hattest das Gefühl angekommen zu sein, alles schien auf einmal möglich, grenzenloses Glück ließ dich die ganze Welt umarmen. Und dann passierte es …

 

Ja, was ist eigentlich passiert?

Und, wann war dieser Zeitpunkt als sich das Blatt begann zu wenden und aus den Schmetterlingen im Bauch, schwere, krampfhafte Klumpen wurden? Schleichend stellte sich ein Gefühl des Zweifels ein. Zuerst waren es Kleinigkeiten, dann mehrere Kleinigkeiten in immer kürzeren Abständen und schließlich begann sich die Abwärtsspirale schneller zu drehen. Und plötzlich: Stillstand.

Gefangen zwischen den anfänglichen liebevollen Gefühlen, der Hoffnung und der nicht länger zu ignorierenden Tatsache, dass die einst glückliche Beziehung nur noch eine Schatten ihrer selbst ist, verzweifelst du an dem Gedanken, wie es nun weitergehen soll.

Das ist Burnout in seiner reinsten Form, pur! Werfen wir einen genaueren Blick darauf:

 

Zuerst verlierst du die Verbindung zu dir selbst, dann jene zu deinem Partner

 

Glückliche Beziehung vs. Burnout

Einverstanden, der Vergleich hinkt bei erster Betrachtung. Allerdings eröffnet sich hier für dich ein Blickwinkel, der auf einen möglichen Ausweg hinausläuft. Einen Ausweg, der dich erkennen lässt, warum die glückliche Beziehung eine Gescheiterte wird und was du dagegen tun kannst, erkennst du erst einmal das Muster dahinter.

 

Schauen wir uns zuerst die typischen Symptome von Burnout an:

  • Gedrückte, depressive Stimmung
  • Interessensverlust und Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle und Gefühle von Minderwertigkeit
  • negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Schlafstörungen und verminderter Appetit

Können wir uns darauf einigen, dass mehrere dieser Symptome ebenfalls bei einem negativen Verlauf einer Beziehung zutreffen? Gehen wir einen Schritt weiter und stellen wir die einst glückliche Beziehung, also deren Entwicklung, jener eines Burnouts gegenüber:

 

Glückliche Beziehung

Burnout

Du gibst dich der Verliebtheit hin Du gehst voll in deinen Aktivitäten auf
Du kannst nicht genug von deinem Partner bekommen Deine Energie scheint unendlich. Es geht immer noch mehr
Unstimmigkeiten schiebst du zur Seite. Das Glück überwiegt Offensichtliche Probleme würden dich nur aufhalten
Erste Zweifel stellen sich ein, du willst sie aber nicht wahrhaben Erste Anzeichen ignorierst du konsequent
Konflikte häufen sich. Dein Partner ist der Schuldige Du wirst reizbar und suchst die Schuld im Außen
Negative Gefühle sind öfter vorhanden und werden intensiver Dein Leben fühlt sich mühsam an und es wird immer schlimmer
Reden ist kaum möglich. Wenn doch, verteidigst du deinen Standpunkt vehement Du ziehst dich immer mehr zurück und wehrst dich, wenn du dich angegriffen fühlst
Dein Leiden überträgt sich auf sämtliche Lebensbereiche Alles scheint den Bach runter zu gehen
Das Scheitern deiner Beziehung rückt näher Der bevorstehende Kollaps macht dir Angst

 

Leidest du an einem Burnout, ist dieser Vergleich wohl plausibel für dich. Haderst du hingegen mit dem unglücklichen Verlauf deiner Beziehung, möchtest du dich vermutlich nicht mit Burnout herumschlagen. Doch, genau das solltest du tun. Ich sag’ dir warum.

 

Von Burnout lernen? Wie krass ist das denn

Jemand, der an einem Burnout leidet kommt nicht darum herum, sich besser früher als später damit auseinanderzusetzen, welche Fehler er machte. Natürlich gibt es tausend Sachen, die von außen auf dich niederprasseln.

Allerdings, was nützt dir die Erkenntnis, dass jemand Anderer, oder eine bestimmte Situation, nicht deinen Erwartungen entspricht? Verstehe das bitte nicht als Vorwurf, du warst es, der sich für diesen Menschen, für diese Situation entschied. Somit ist es logisch, dass du für die Klärung zu 100% verantwortlich bist.

Ähm, warum solltest du zu 100% verantwortlich sein, wenn du lediglich 50% der Beziehung bist? Und genau an dieser Stelle kannst du von Burnout lernen!

 

Ein kurzer Exkurs in eine glückliche Beziehung auf Burnout

Für jemanden der in eine Sinnkrise geriet, wird die Beziehung auf einmal zu einer Baustelle von Vielen. Sie fühlt sich ebenso falsch an wie der öde Job, das stumpfsinnige Fernsehprogramm oder die schwachsinnigen Schulterklopfer mit ihren oberflächlichen Sprüchen. Warum sich darum kümmern, geht ohnehin alles den Bach runter.

Und dann sitzt du da und wartest wie eine Hyäne darauf, dass dein Gegenüber, mit dem du dich mal seelenverwandt fühltest, einen Fehler macht. Der nicht zugeklappte Klodeckel wird plötzlich zum ersehnten Auslöser, durch den du endlich in den Krieg eintreten kannst. Kommt dir das bekannt vor?

 

Verlierer, überall Verlierer

Schließlich brauchen wir für alles und jeden einen Schuldigen. Wer bietet sich dazu besser an als jener Mensch, der ständig um dich herum tänzelt. Mit einem Angriff aus dem Nichts hat dein Partner verloren, noch ehe dieser bis null zählen kann.

Verloren hat nicht dein Partner. Der wurde wie eine Sardine von einem riesigen Walmaul verschlungen. Ebenso nicht die Beziehung. Diese stellt für den Angreifer ohnehin kein lohnenswertes Ziel mehr dar.

Nein, verloren hat der Angreifer. Dieser rutscht wieder ein Stück weiter in den Abgrund. Und obwohl die Gefühle vor Schmerzen schreien, ist dieser Zustand immer noch besser, als gar nichts zu spüren.

Diese Szenen wiederholen sich in immer kürzeren Abständen, werden heftiger und hinterlassen tiefe Furchen, wo einst Zärtlichkeit empfunden wurde. Du kennst dieses Szenario? Es geht noch weiter.

 

Die glückliche Beziehung wird zur Achterbahnfahrt

Das Gegenteil, also der Rückzug, ist nicht weniger belastend für eine Beziehung. Ein abwesender, in sich gekehrter Geist hat einen Sex-Appeal wie Unterwäsche nach einem durchzechten Wochenende.

Jemandem der gerade damit beschäftigt ist, den Job, sein bisheriges Leben oder eben die Beziehung infrage zu stellen, kannst du nicht unmittelbar helfen. Die Frage „Was ist los mit dir?“ macht alles noch schlimmer.

Ebenso der Versuch, dem Leidenden etwas Gutes tun zu wollen. Und besonders die Androhung von Konsequenzen, wenn der Spuk nicht bald ein Ende nimmt. Dort, wo sich der Typ mit dem Burnout gerade befindet, gibt es nichts Gutes. Und das Ende ist für ihn ohnehin jener undefinierbare Bereich, auf den alles hinsteuert.

Drohungen, Motivation und löchernde Fragen sind das Kerosin für diesen Trip. Einem Trip, der sich wie eine Achterbahnfahrt anfühlt, bei der du mehrmals kotzen musstest. Wie reagierst du auf Drohungen, Motivation und löchernde Fragen? Erkennst du die Zusammenhänge? Nicht? Dann schauen wir weiter …

 

Erkenne dein Muster oder bleibe für immer alleine

Menschen in einem Burnout und Menschen in unglücklichen Beziehungen verbindet Folgendes:

  • Schuldzuweisungen
  • Angriff
  • Rückzug
  • Sich nicht verantwortlich fühlen
  • Leiden

Sturheit, aufgrund der – durch den negativen Verlauf der Beziehung – entstandenen emotionalen Verletzungen, kommt noch hinzu. Das alles führt in eine Richtung: In den Abgrund. Bei dem Einen ist es die Depression, beim Anderen die endgültig gescheiterte Beziehung und die Erkenntnis, dass es „wieder nicht funktionierte“.

Diese Bitterkeit muss nicht sein. Lass uns endlich dorthin kommen, wo sich ein möglicher Ausweg aus diesem immer gleichen Muster ergibt.

 

Eine glückliche Beziehung, ein passendes Leben ohne Burnout

Wieder möchte ich Burnout und Beziehungen gegenüberstellen. Schauen wir uns, was jemand tun sollte, um seinem Burnout zu entkommen und was jemand tun sollte, um eine glückliche Beziehung zu führen:

 

Raus aus dem Burnout

Rein in eine glückliche Beziehung

Absolute Verantwortung für sein Handeln und seine Entscheidungen übernehmen Absolute Verantwortung für sein Handeln und seine Entscheidungen übernehmen
Annehmen, dass man im Leben irgendwann, irgendwo falsch abbog Annehmen, dass man in der Beziehung irgendwann, irgendwo falsch abbog
Akzeptieren, dass man erste Anzeichen zur Seite schob Akzeptieren, dass man erste Anzeichen zur Seite schob
Akzeptieren, dass niemand Anderes für dein Glück oder Unglück zuständig ist Akzeptieren, dass niemand Anderes für dein Glück oder Unglück zuständig ist
Akzeptieren, dass deine Erwartungen, DEINE Erwartungen sind Akzeptieren, dass deine Erwartungen, DEINE Erwartungen sind
Die Karten auf den Tisch legen und über seine Gedanken und Gefühle sprechen Die Karten auf den Tisch legen und über seine Gedanken und Gefühle sprechen
Für sich selbst klarstellen, was man möchte und was man nicht mehr möchte Für sich selbst klarstellen, was man möchte und was man nicht mehr möchte
Belastende, unstimmige Rahmenbedingungen abstellen (Job, Beziehung, Wohnort etc.) Belastende, unstimmige Rahmenbedingungen abstellen (wenn nötig: Beziehung beenden)
Absolute Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber den wichtigen Menschen in seinem Leben Absolute Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber den wichtigen Menschen in seinem Leben

 

Eine glückliche Beziehung ist kein Vertragsverhältnis

Nehmen wir an, du erkennst die Ursachen für den negativen Verlauf deiner Beziehung. Ob es nun daran lag, erste Anzeichen nicht wahrzunehmen, nicht offen und ehrlich über deine Gedanken und Gefühle zu sprechen, an der Tatsache, dass deine Erwartungen dahin gingen, dass dein Partner für dein Glück verantwortlich ist.

Aus welchem Grund auch immer: Bist du tatsächlich überrascht, dass die vergangenen Entwicklungen plötzlich Auswirkungen auf deine bisher glückliche Beziehung haben? Einer Beziehung, die sich mittlerweile wie eine Blasenentzündung oder wie eine völlig misslungene Wurzelbehandlung anfühlt? 

Kann es daran liegen, dass die einstige seelenverwandte Verbindung zu einem als selbstverständlich wahrgenommenen Vertragsverhältnis zweier, auf persönlicher Gewinnmaximierung gepolter, Geschäftspartner wurde?

 

Respektiere dich selbst, dann wirst du respektiert

Ich bin wahrlich kein Experte in Beziehungsfragen. Ebenso könntest du einen Schneemann um seine Expertise bezüglich Sonnenbrand bitten. Sinnlos.

Allerdings glaube ich felsenfest daran, dass Folgendes vorhanden sein muss, damit eine Beziehung eine glückliche Beziehung ist und bleibt:

  • Treue
  • Vertrauen
  • Loyalität
  • Respekt
  • Ehrlichkeit
  • Offenherzigkeit

Alle diese Punkte beschreiben dein Verhalten gegenüber deinen Partner und das Verhalten deines Partners dir gegenüber. Im Besonderen jedoch das Verhalten dir selbst gegenüber. Vertraust du nicht auf dein Bauchgefühl, bist du nicht ehrlich zu dir und traust dich nicht, Offensichtliches an die Oberfläche zu holen um dich darum zu kümmern, wirst du kein glückliches Leben, keine glückliche Beziehung führen, im schlimmsten Fall in ein Burnout abrutschen.

 

In guten wie in schlechten Tagen

 

Zum Schluss möchte ich dir noch meine persönlichen Erkenntnisse in Bezug auf Beziehungen in Verbindung mit Burnout mitgeben

Je nachdem, in welchem Zustand du dich befindest, ergeben sich unterschiedliche Ansätze, die alle auf das Gleiche hinauslaufen.

 

– Du leidest an einem Burnout oder spürst phasenweise ähnliche Symptome:

Im Burnout bist du ohnehin auf einem guten Weg, alles zu verlieren, was dir bisher wichtig und richtig erschien. Also kannst du gleich, wie beim Poker, All In gehen, alles auf eine Karte setzen und die Hosen runter lassen. Du verlierst lediglich, was du nicht brauchst.

Stattdessen entsteht Platz für die Wahrheit, für das Wahrhaftige. Öffnest du dich deinem Partner, verlierst du ihn unter Umständen. Dann war er nicht der Richtige. Oder du gewinnst einen Menschen für’s Leben. Keinen Seelenverwandten, das ist der gleiche Bullshit wie der Ritter auf dem weißen Pferd. Nein, einen Menschen, der an deiner Seite bleibt, wenn’s mal schwierig ist.

Nimm zur Kenntnis, dass dir dein Partner das spiegelt, was in dir schlummert und dich daran hindert, glücklich zu werden. Beginne bei dir selbst zu suchen.

 

– Du denkst, du hast die Arschkarte gezogen, weil nun ein Häufchen Elend mit einem Burnout oder einem sonstigen Problem neben dir kauert:

Sei dir darüber im Klaren, dass nun jene Phase gekommen ist, von der du wusstest, dass sie kommen wird: Die sogenannten „schlechten Tage“. Jetzt kannst du zeigen, ob du ein Schönwettertyp bist oder das Zeug zum patschnassen Regenschirmhalter hast. Natürlich nicht ewig. So lange, wie du dir selbst zugestehen würdest, um eine Krise überwinden zu können.

Nimm zur Kenntnis, dass dir dein Partner das spiegelt, was in dir schlummert und dich daran hindert, glücklich zu werden. Beginne bei dir selbst zu suchen.

 

– Burnout ist für dich ein Fremdwort wie Liebesfilm oder Felgenreiniger, dennoch bringst du das mit Beziehungen nicht auf die Reihe:

Nimm zur Kenntnis, dass dir dein Partner das spiegelt, was in dir schlummert und dich daran hindert, glücklich zu werden. Beginne bei dir selbst zu suchen.

 

Liebe ich mich nicht, liebe ich dich auch nicht. Ätsch!

Burnout entsteht, wenn du eine falsche Abzweigung im Leben genommen hast, den Irrweg nicht wahrnehmen wolltest und tatest, als sei alles in bester Ordnung. Bei gescheiterten Beziehungen ist das nicht anders. Erkenne diesen Irrweg und stell’ dich ihm in dem Bewusstsein, dass du alleine für dein eigenes Glück verantwortlich bist.

Bedeutet das, dass du Manches aus deinem bisherigen Leben streichen musst, ist das eben so. Einen Job kündigen, eine Beziehung beenden oder an einen anderen Ort gehen – das alles sind Entscheidungen, die du für dich selbst treffen musst.

Beginnst du allerdings nicht damit, der sprichwörtliche Schmied deines eigenes Glücks zu sein, wirst du von einer Enttäuschung zur Nächsten, von einem Leid zum Nächsten gelangen.

 



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  • Die Kunst Lebendiger Beziehungen.
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Titel des nächsten Artikels:

Gastartikel von Oliver: Was ist denn mit dem los?!


Eifersucht sucht Liebe und findet Burnout

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Folge mir, ich würde mich freuen:

4 Gedanken zu „Deine glückliche Beziehung hat Burnout&8220;

  1. Ein kleiner Brief an Herrn Burnout, der meinen Partner gerade im Griff hat.

    Sehr verehrter Herr Burnout, danke für diese großartige Stille, die Sie in meinen Partner stecken. Danke für diese unerklärliche unfassbar verletzende Art, die Sie in ihm wecken. Danke für all meine Zweifel und Sorgen und besonders meine Traurigkeit, die ich gerade ertrage. Danke für diese Distanz, diese Ungewissheit und Danke für alles, was Sie gerade ohne mich entscheiden! Sie brauchen schließlich niemand anderen. Vielleicht überlege ich es mir, ob ich auch mal mit Ihnen kooperiere, es muss toll sein. Sie machen was Sie wollen und Sie sind das Maß aller Dinge. Sie bringen eine liebevolle Partnerschaft an den Abgrund. Aber ich sage Danke. Es ist doch toll andere Perspektiven kennenzulernen. Vielleicht sieht man am Abgrund mehr. Ich melde mich wieder, wenn ich Sie mal brauchen sollte. Bis dahin. Danke für alles!

    1. Hallo liebe Frau, ich bin’s, der Herr Burnout, der Ihren Partner gerade im Griff hat.

      Gleich vorweg: Es tut mir ehrlich leid, dass Sie das mitmachen und Ihren Partner in einer Verfassung erleben müssen, die Sie sich nicht annähernd vorstellen hätten können. Mir ist völlig bewusst, dass Sie sein Verhalten – oder besser, sein „Nicht-Verhalten“ – zur Verzweiflung bringt, mit ihm, aber auch für sich selbst leiden.

      Ihr Partner und ich, wir müssen ein paar „Sachen“ klären die wir schon lange vor uns herschieben. Wir wussten insgeheim, dass wir uns „dem“ eines Tages stellen werden müssen, wollten es lange Zeit nicht zulassen, jetzt ist es soweit. „Sachen“, sie sich nicht erklären lassen wie die Relativitätstheorie oder der Urknall – es ist wesentlich komplizierter.

      Leider hat Ihr Partner keine Bedienungsanleitung für’s Leben mitbekommen in der er nachschlagen kann, wenn auf einmal nichts mehr geht. Er hat einiges in seinem bisherigen Leben ausprobiert, ist Kompromisse eingegangen, hat über viele Zeichen, die ihm sein Gefühl gab hinweggesehen, gekämpft und darauf gehofft, dass sich „das Alles“ schon irgendwie einspielen wird.

      Doch so funktioniert das Leben nun einmal nicht. Manche Menschen haben Glück und finden schon früh in das für sie passende Leben. Andere finden es nie, verfügen allerdings nicht über die notwendige Sensibilität um die Auswirkungen zu spüren. Ihr Partner ist vermutlich ein sensibler Mensch, aber er ist auch ein Mann. Ein Mann, der lange kämpfte, der seine sensible Seite nicht zuließ oder nicht zulassen konnte. Ich, sein Burnout, musste eingreifen, damit er endlich zu seinem wahren Selbst findet.

      Das wird noch etwas dauern. Diese jahrzehntelangen Kämpfe haben Spuren hinterlassen, viele emotionale Knoten festgezurrt und eine Menge Energie verbraucht. Damit die Wunden heilen können, sich die Knoten lösen und neue, gute Energie entsteht, braucht es etwas Zeit.

      Ich verstehe Ihren Schmerz und fühle mit Ihnen. Sie wünschen sich Ihren früheren Mann wieder zurück, aber das wird nicht passieren. Was wie eine furchteinflößende Nachricht klingt, ist allerdings das genaue Gegenteil. Ist Ihr Mann erstmal durch diesen unausweichlichen Abgrund gegangen, wird er eine neue, eine bessere, aber vor allem eine ECHTE Version von sich sein.

      An mir, dem Burnout, finden die Menschen immer nur stets im Nachhinein etwas Gutes. Dann sagen sie z.B. „Durch mein Burnout konnte ich endlich das Falsche aus meinem Leben werfen, zu meinem wahren Selbst finden und kann endlich das Leben führen, das absolut zu mir passt!“

      Das wird Ihnen, liebe Frau, jetzt, unmittelbar keine große Hilfe sein. Aber bitte bedenken Sie: Wünschen Sie diesem Menschen den Sie lieben, dass er ein Leben führen kann, in dem er sich absolut wohl fühlt? Und was wird das für Sie und Ihre Beziehung bedeuten, wenn es eines Tages soweit ist?

      Ich weiß, es ist so unfassbar schwierig und es ist beinahe unmenschlich das von Ihnen zu erwarten. Aber, haben Sie Geduld, bleiben Sie stark, vertrauen Sie darauf, dass alles gut ausgehen wird!

      Ich wünsche Ihnen dazu alles erdenklich Gute!

      Burnout

      PS: Vielen Dank, dass Sie sich öffneten und Ihren Gedanken hier einen Raum gaben! Dafür haben Sie meinen ganzen Respekt!

  2. Jetzt ist es passiert, der Burnout hat sich getrennt. Am Telefon. Was für ein Mist. Anderthalb Monate kaum bis schlechten Kontakt und dann das. Warum ist dieser Burnout nicht in der Lage gewesen einfach nur etwas seiner wenigen Zeit für mich zu opfern. Ich hätte ihm gezeigt, das ich einfach nur da bin. Doch nicht ein vernünftiges Telefonat, kein persönlicher Kontakt. Alle Hoffnung ist nun am Ende. Ich muss ihn wohl gehen lassen. Alleine versteht er hoffentlich irgendwann, dass das alles großer Mist war. Vielleicht bin ich ja auch Schuld an der Misere. Mein ziemlich gutes und augenscheinlich unbeschwertes Leben. Das hat ihm vielleicht gezeigt, dass ihm etwas fehlt. Bin zutiefst enttäuscht. Es fehlt etwas. Auch wenn es irrsinnig klingt, aber es waren perfekte wenige Monate Beziehung davor. Unbeschwert. Es gab keinen Bruch bis dahin. Ein erwachsener Mann, eine erwachsene Frau, die zusammen sein wollten.

    1. Hallo liebe Frau!

      So ein Mist! Das tut mir leid. Burnout ist echt ein Arschloch. Also nicht dein Ex-Freund, sein Burnout. Unfassbar, was Burnout schon alles abgebrannt hat.

      Rede dir bitte nicht ein, du seist daran schuld. Hier geht es nicht um Schuld oder Unschuld. Hier geht es um einen Menschen, der Vollgas auf seinem „Highway to Hell“ unterwegs ist. Er sieht nicht, was es an Schönem so gibt, er sieht keine Menschen, die es gut mit ihm meinen. Dazu ist er viel zu schnell unterwegs …

      Jeder mit einem Burnout musste durch diese Phase.

      Sei traurig, heul dir die Augen aus, sei wütend und enttäuscht! Wenn du damit durch bist, stell dich fest und selbstbewusst auf deine Hinterbeine, richte dir das Krönchen und lebe!

      Ich wünsche dir von Herzen alles Gute. Würde mich freuen wieder von dir zu lesen, wie es dir geht und so!

      Liebe Grüße
      Roland

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