Ein wunderbares Gefühl

Depressiv ist ein Gefühl wie verliebt, dankbar oder heiter

DER VERSTAND ERZEUGT EIN GEFÜHL. EIN GEFÜHL MACHT UNSER LEBEN DEPRESSIV

Der Verstand treibt unser ganzes Leben an. Und in den Wahnsinn. Diesen Kreislauf zu durchbrechen geht über unser Gefühl.

Erfahre in diesem Artikel, dass depressiv zu sein auch etwas Gutes hat.

Was soll das für ein Gefühl sein?

Im letzten Blog-Artikel schrieb ich, dass Burnout keine Krankheit ist. Depression, dieses zermürbende Gefühl, gilt hingegen, vom medizinischen Standpunkt aus betrachtet, als ernst zu nehmende Erkrankung. Deshalb der Hinweis: Geh zum Arzt, wenn du dich mit psychischen Problem herumschlägst!

Es gibt zahlreiche Ursachen für Depressionen. Genetische oder neurobiologische Ursachen, Infektionen, Drogen, Medikamente, Hormone und selbst die Jahreszeit kann eine Rolle spielen. Nur ein Arzt kann den Auslöser für Depressionen feststellen.

In Bezug auf den Schweregrad wird zwischen leichten, mittelschweren und schweren Depressionen unterschieden. Bei mir wurden zuerst mittelschwere und Monate später schwere Depressionen diagnostiziert.

Was mir die Ärzte zu Depressionen erklärten, empfand ich als ein extrem starkes, negatives Gefühl. Und wie beim Begriff Burnout fand ich auch hier keinen Zugang zum Begriff Krankheit.

Es war mir egal, was die Ärzte sagten. Ich fühlte mich nicht krank und verweigerte die Einnahme jeglicher Medikamente. Das war eine rein persönliche Entscheidung und ich rate dringend davon ab.

Sturheit war meine Strategie. Wahnsinn

Es war mir unmöglich, ein Gefühl als Krankheit zu akzeptieren. Natürlich war es belastend und es tat weh, aber ein durch eine Krankheit oder einer Verletzung verursachter Schmerz ist ganz etwas anderes.

An manchen Tagen war ich kaum lebensfähig. Kaffee zubereiten ging noch, essen war bereits eine Qual, vor die Tür zu gehen undenkbar. Selbst der Weg zur Toilette fühlte sich wie eine Erstbesteigung des Mount Everest an. Duschen war tagelang unmöglich, telefonieren oder arbeiten kein Thema.

Ich befand mich im Krieg, meine Gegner waren die miesesten Gefühle, die ich zu ertragen kaum imstande war. Die Depressionen waren mir in jeder Hinsicht überlegen. Es war ein ungleicher Kampf.

Es fühlte sich an, als rücke die gesamte US-Armee auf Liechtenstein vor. Gegen tausende Atomraketen und ebenso vielen Kampfflugzeugen, sowie einer Million Soldaten hielt ich gefühlsmäßig mit einem stumpfen Holzmesser und einer wahnwitzigen Sturheit dagegen. Meine Situation schien aussichtslos.

Lach doch, wenn du traurig bist

In diversen Therapiesitzungen wurde mir empfohlen, ich solle schöne Dinge tun. Einen Spaziergang machen, mich mit Freunden treffen, schwimmen gehen, gesundes Essen kochen oder ein gutes Buch lesen. Das hörte sich vernünftig an und ich nahm mir vor, einiges davon umzusetzen.

Also versuchte ich es mit joggen, kochte und las ein Buch, traf mich mit meiner Familie und meinen Freunden. Das Ergebnis war, dass ich mich zu allem überwinden musste und todunglücklich war.

Ich aß mit Tränen in den Augen, meinen Freunden hörte ich geistig abwesend zu. Eine Seite in einem Buch musste ich mehrmals lesen, weil ich mich nicht konzentrieren konnte.

Es war unmöglich mich zu freuen, etwas zu genießen oder über Lustiges zu lachen. Mein Leben war nicht lustig, es war ein nebliger, kalter Sumpf, der mich in seinen Schlamm zog und den letzten Funken Lebensenergie aus mir saugte.

Ein Gefühl macht depressiv, wenn du es nicht kontrollierst
Denken verwirrt meine Gedanken

Der Verstand ist der Freier. Das Gefühl die Hure

Langsam begann ich zu verstehen. Je mehr ich versuchte, über meine Depressionen nachzudenken, desto schlimmer wurde das Leiden. Mein Verstand drehte sich im Kreis, Kopfschmerzen waren mein ständiger Begleiter.

Denken half mir nicht weiter. Erst durch denken verlor ich mich im Laufe der Jahre in diesem Sumpf und versank tiefer darin. Ich kapierte den Zusammenhang zwischen meinem Verstand und dem durch ihn ausgelösten negativen Gefühl und den Depressionen.

Der Verstand nimmt sich was er braucht, oder haben will. Er treibt die Gedanken, das Gefühl und somit unser ganzes Leben vor sich her. Er nimmt keine Rücksicht auf das Gefühl und dessen Auswirkungen auf den Körper. Ein innerer Kampf, den der Verstand gewinnt, solange das Gefühl nicht seinen Fängen entkommt.

Vom Guten und vom schlechten Gefühl

Zugegeben, das klingt abgefahren: „Das Gefühl soll den Fängen des Verstandes entkommen“. Aber ich kann es nicht anders beschreiben. Ich will versuchen, es an einem Beispiel greifbarer zu machen.

Du liegst an einem herrlichen Sommertag mit einem kühlen Drink an einem ebenso kühlen Pool. Deine Freunde sind anwesend, allen geht es gut und haben Spaß. Du genießt den Moment in vollen Zügen.

Zwei Tage später regnet es. Du hast verschlafen, kommst zu spät zur Arbeit. Dein Partner hat dir gesimst, dass er dich nicht mehr erträgt und dein linker, vorderer Autoreifen zerplatzt wie dein Traum von einem sorgenfreien Leben.

Das eine ist gut, das andere ist schlecht. Das Gute wollen wir, das Schlechte wollen wir auch, aber vermeiden. Nach einem positiven Gefühl gieren wir, sind regelrecht süchtig danach. Wir wissen, wo dieses Gefühl seinen Ursprung hat. Liebenswürdige Menschen, einzigartige Erlebnisse, schöne Erinnerungen.

Verschwinde, du teuflisches Gefühl

Das bedeutet nicht, negative Ereignisse nicht als solche wahrzunehmen oder nicht zu akzeptieren, dass etwas Schlechtes passiert ist. Sich eine negative Erfahrung schönzureden ist ebenfalls absurd. Es bedeutet für mich, meinem Verstand nicht zu erlauben, mehr aus der Situation zu machen, als die Fakten belegen.

Eigenartig ist, dass sich unser ganzes Leben um Gefühle dreht, wir überlassen es aber dem Gehirn, diese Gefühle zu kontrollieren. Als hätte es alle Informationen des Universums in sich gespeichert und alle Eventualitäten berücksichtigt.

Der Verstand zwingt uns, vieles, wenn nicht alles zu geben, um angenehme Emotionen zu fühlen. Im Grunde leben wir für massenhafte Erfahrungen von wunderbaren Gefühlsregungen. Ein negatives Gefühl hingegen scheuen wir, wie der Teufel einen Bund Knoblauch.

Welch vertane Chance

Ein schönes Gefühl neigt dazu, über die eine oder andere Fehlentwicklung in unserem Leben hinwegzusehen. Ein negatives Gefühl gibt hingegen wertvolle Hinweise darauf, wo wir im Leben gerade stehen. Schaffst du es, beides, die guten und die schlechten Emotionen, zu vereinen, kann der Verstand die Fliege machen.

Der Verstand liefert permanent die Fakten für die Situation in der ich mich gerade befinde. Er regelt, dass ich nicht gegen einen Baum laufe und kennt den Pin-Code meiner Bankomatkarte. Das ist der Job meines Verstandes.

Die wichtigen Entscheidungen trifft mein Gefühl, wir nennen es Bauchgefühl. Höre ich nicht auf mein Gefühl, übernimmt mein Verstand die Kontrolle und spielt sein verdammtes Spiel mit mir.

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Gefühle sind gefährlich

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