Der innere Schweinehund und der Selbstwert

Der innere Schweinehund. Eine Ausrede meiner Willensschwäche?

Der innere Schweinehund verfolgt mich bereits mein ganzes Leben lang. Mein schlechtes Gewissen, wenn ich mal wieder eine Ausrede finde um etwas nicht zu tun, quält mich. Seitdem mir bewusst ist, dass es um meinen Selbstwert und erst danach um Willensschwäche geht, wird es besser.


Tierquälerei mangels Selbstwert

In dem sie zusammengeworfen und als Ausrede missbraucht werden, wird Schweinen und Hunden gleichermaßen Unrecht zugefügt. Und das deshalb, weil wir Zweibeiner es uns nicht wert sind, unseren Arsch in die Höhe zu bekommen.

Dieser kolossalen Ungerechtigkeit trete ich mit folgendem Dialog entgegen.

Der innere Schweinehund. Eine Willensschwäche?

Gleich. Noch eine Minute. Das nahm ich mir zwar vor zehn Minuten bereits vor und zwanzig Minuten zuvor ebenfalls, aber jetzt wirklich. Gleich.

Fünfzehn Minuten später.

Ich bin ein Versager. Dieser verdammte innere Schweinehund. Als erwachsener Mann kann es nicht schwierig sein, aufzustehen, meine Willensschwäche zu überwinden, mich in die Sportsachen zu schmeißen und diese paar Kilometer zu laufen.

Danach ein gesundes Frühstück und schon hab ich mein schlechtes Gewissen beruhigt und mir Gutes getan. Ich weiß es, ist immer so. Hinterher fühle ich mich wie neu geboren. So schwer kann das nicht sein. Dieser verdammte innere Schweinehund. Was ist los mit dir?

„Meinst du mich?“

Verdammt, was war das?

„Was war was?“

Schon wieder diese Stimme, wo kommt die her?

„Beruhige dich, du musst nicht zittern und tun als ob dir der Leibhaftige erschienen wäre. Ich bin’s, dein Gewissen, also du selbst.“

Fuck, so echt fühlte sich ein Selbstgespräch noch nie an.

„Das liegt daran, dass wir endlich deinen Selbstwert und unser Verhältnis zueinander klären müssen. Ich, zu mir.“

Was gibt es da zu klären? Du bist der innere Schweinehund, ein faules Schwein und ein ruheloser Hund, und hältst mich davon ab, das für mich Richtige zu tun.

„Cool. Ein faules Schwein und ein ruheloser Hund. Eine abartige Mischung. Scheint eine schlimme Krankheit zu sein. So ein Psychodings, bei dem du ein bizarres Tier das in dir wohnt, als Ausrede benutzt und die Schuld dafür gibst, dass du deinen Arsch nicht in die Höhe bekommst.“

Sitz! Platz!

„Nein, jetzt ohne Scheiß, so kommen wir nicht weiter. Ich bin kein Schwein, und auch kein Hund. Das ist eine Erfindung der Menschen, damit sie etwas die Schuld geben und die Verantwortung abgeben können. Ein Grund zum jammern.

Oh, dieser verdammte innere Schweinehund, der hält mich davon ab, mein Zeug zu erledigen, mimimi. Komm schon, das ist kindisch.“

Du meinst das sei kindisch? So eine Scheiße! Ich will nicht ständig funktionieren, nicht immer das Richtige tun, nicht vernünftig sein und nicht dauernd bewusst mit mir umgehen müssen.

Ich möchte einfach mal tun was ich will, Spaß haben und nicht an morgen denken müssen und … Verdammt, du hast recht. Das ist das Verhalten eines Kindes.

„Gut, hätten wir das geklärt. Nächster Punkt auf der Tagesordnung. Was machen wir mit den Dingen, die du dir schon lange oder immer wieder vornimmst und nicht erledigst, eine Ausrede erfindest oder auf die lange Bank schiebst?

Macht dir das Spaß oder ist das eine Revolution gegen dich selbst? Eine Art Che Guevara mit Kaugummizigarette und lustiger Baseballmütze?“

Spaß? Bist du betrunken? Es ist die Hölle. Als würde Satan mit seinem Dreizack hinter mir stehen und ihn in mir versenken wollen. Ohne Gleitgel. Und was mache ich? Ich stehe da und die einzige Bewegung, zu der ich Vollidiot im Stande bin, ist, mich auch noch zu bücken.

„Aha, so schlimm also. Dann werde ich dir mal einiges über mich erzählen. Ich, dein Gewissen, oder der innere Schweinehund wie du ihn nennst, hab Schizophrenie. Nein nein, keine Panik, das ist gut.

Einerseits kümmert sich das Schwein darum, dass du mal Ruhe gibst, die Füße ausstreckst, zu dir kommst und das Leben dort genießt wo es passiert: Im Jetzt.

Dazu kommt, dass ich dich beschütze. Ich gebe dir täglich tausende Hinweise darauf, was du tun oder lassen sollst. Aber du verdammter Mistkerl hörst nicht zu! Du vertraust mir nicht, du vertraust deiner Intuition nicht.“

Und was ist mit dem Hund?

„Tja, das mit dem verlausten Köter ist kompliziert. Wie Hunde so sind, wollen sie ständig einem Ball oder einem Stock nachlaufen, überall herumschnuppern, damit sie nichts versäumen. Ihr Zwang, alles zu fressen was ihnen vor die Nase kommt, rührt von ihrer Maßlosigkeit her. Sie kriegen nie genug.“

Okay, jetzt verstehe ich, was der innere Schweinehund mit Schizophrenie zu tun hat. Der eine bremst, der andere gibt Gas.

„Klar, die Signale des entspannten Schweines und des rastlosen Hundes könnten widersprüchlicher nicht sein. Und das macht dich fertig.

Dann kommt ihr Menschen auf so einen Blödsinn, ihr müsstet mich überwinden, jammert rum, weil ihr euren Arsch nicht hochkriegt, erfindet eine Ausrede nach der anderen und gebt mir, dem Schweinehund die Schuld.“

Na gut, Mister Oberschlau. Wie kommen wir aus der Nummer raus, was soll ich deiner Meinung nach tun?

Frage ich gerade echt meinen inneren Schweinehund, was ich tun soll? Alter, das nimmt ein schlimmes Ende mit dir …

„Du brauchst nicht leise denken während du ein Selbstgespräch führst. Ich kann dich hören, du FKK-Strand-Bauchlieger.“

FKK-Strand-Bauchlieger?

„Ja, du Beckenrandschwimmer, Sauna-unten-Sitzer oder Klobrille-nach-unten-Klapper. Was immer du am Liebsten hast. Verstehst du, das Leben ist nicht kompliziert. Du machst es kompliziert.

Mit deinem Ich will das jetzt nicht, mimimi, ich muss das jetzt, mimimi, das kann ich morgen auch noch machen, mimimi, oder der Klassiker ich kann das nicht, mimimi. Immer diese Suche nach Sicherheit, Klarheit und korrektem Verhalten.

Du bist eine eigenständige, wertvolle Persönlichkeit. Sei mutig, folge deiner Intuition. Was soll schon passieren, wenn du am FKK-Strand am Rücken liegst?“

Naja, ich hätte ein schlechtes Gewissen, würde mich schämen und mein Selbstwert würde in den Keller gehen. Trotzdem würde ich gerne über meinem Schatten springen, mich, also dich, überwinden.

„Den inneren Schweinehund musst du nicht überwinden. Trenne das Schwein und den Hund und lass mal dem einem die Oberhand und mal dem anderen. Vertraue mir, ähm dir. Wenn du hin und hergerissen bist, ist wohl das Ziel, das du erreichen möchtest, nicht das Richtige.

Willst du abnehmen, dann frage dich, warum du das willst. Oder mehr Sport machen, frage dich, warum. Willst du es für dich tun oder erwartet das jemand anderer von dir?

Hast du eine Aufgabe, die du seit einiger Zeit vor dir herschiebst, zu dessen Erledigung du dich nicht aufraffen kannst, stell dir die Frage, ob dich diese Aufgabe wirklich weiterbringt oder ob du sie erledigen musst, weil sich das gehört.“

Naja, so einfach ist das nicht. Das Leben bringt nun mal unangenehme Dinge mit sich.

„Wer sagt das? Der Papst, die Talkshow-Tante, Dieter Bohlen, Papa Schlumpf oder der überbezahlte Nachrichtensprecher deines favorisierten Fernsehsenders? Alter, du bist e-r-w-a-c-h-s-e-n, verdammt.“

Diese Willensschwäche nervt mich.

„Klar tut sie das, aber dafür kannst du nichts.

Pass auf: Ich bin deine Intuition, dein Gewissen, okay? Dein Schutzengel, wenn du so willst. Was immer du tust, es kann dir nichts passieren, solange du auf mich hörst.

Darüber hinaus sorge ich dafür, dass du ohne einer Ausrede in die Gänge kommst, Entscheidungen triffst und danach handelst. Das steigert deinen Selbstwert, was deine Willensschwäche eliminiert.

Überwinde mich nicht, hör auf mich. Auf das Schwein und auf den Hund. Aber nicht gleichzeitig.

Wir führen dich durch den Dschungel, den dir teilweise deine Erziehung, dein privates und berufliches Umfeld und die Gesellschaft mit ihren verfickten Konventionen als finster und unüberwindbar vermittelt hat. Das stimmt nicht. Hörst du Das ist Bullshit!“

Ja klar, wenn ich mache was ich will, erklären mich die Leute für durchgeknallt und geben mir zum Abschied einen festen Arschtritt.

„Komm mir nicht mit dem was denken denn da die anderen, sonst schicke ich meinem Nachbarn, dem Ego, eine WhatsApp, damit er sich mit dir über Eitelkeit unterhält.“

Du meinst also, der innere Schweinehund ist mein Verbündeter? Die Widersprüche zwischen meinen Vorhaben und meinen Handlungen oder Nicht-Handlungen liegen darin, dass ich nicht weiß, was ich wirklich will?

Und dass dieses hin und hergerissen sein aufgrund meiner Erziehung, des Drucks aus meinem Umfeld und der Gesellschaft existiert, wodurch ich ständig ein schlechtes Gewissen habe? Dass ich mich nicht wie eine erwachsene, eigenständige Persönlichkeit verhalte, die sich ihrem Selbstwert bewusst ist?“

„Wären zumindest mal ein paar sinnvolle Überlegungen. Nicht?“




Was alles möglich ist, wenn du dich vor allem auf deine Intuition verlassen musst, zeigt Andy Holzer. Ohne Augenlicht klettert er auf die höchsten Berge unseres Planteten: Balanceakt. Blind auf die Gipfel der Welt *


Titel des nächsten Artikels:

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Diagnose: Ego

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