Dr. Wolfgang Hagemannn Psychotherapeut

Dr. Hagemann – smarter Psychotherapeut

ÜBER DIE WECHSELSEITIGE ABHÄNGIGKEIT VON KÖRPER, GEIST UND SEELE

Mein Name ist Dr. Wolfgang Hagemann, Psychotherapeut und Gründer der Röher Parkklinik in Eschweiler / Deutschland.

Im Folgenden wird meine Vorgehensweise bei einem voll ausgeprägten Burnout beschrieben. Da dies meist auf eine mehrjährige Entwicklung zurückgeht, ist eine intensive klinische Behandlung mit multimodalem Behandlungsansatz erforderlich. Ziel ist eine Haltungsänderung: der Betroffene soll weniger einseitig auf berufliche Belange fokussieren, sondern sich seiner emotionalen Ressourcen bewusst werden, sie stärken und zum Ausgangspunkt machen, wie er sich künftig in der Arbeitswelt engagiert.

Ein 57jähriger Patient beschreibt:

“35 Jahre bin ich selbstständig. Mein Beruf war immer mein Ein und Alles. Doch seit eineinhalb Jahren kann ich nicht mehr. Ich habe es lange nicht wahrhaben wollen, habe versucht, so zu tun, als sei nichts. So nach dem Motto: Ich doch nicht! Schwächeln ist was für andere. Stets habe ich einen Ausweg gefunden, wenn ich mal eine Formkrise hatte. Den Blick auf die Uhr habe ich nie gekannt. Nötigenfalls habe ich auch an Wochenenden wie selbstverständlich gearbeitet. Seit ca. einem 3/4 Jahr trinke ich abends Wein, um runterzukommen.

Morgens fühle ich mich unausgeruht und würde am liebsten im Bett liegen bleiben, was ich absolut nicht von mir kenne. Mir ist meine Freude am Beruf verloren gegangen, mir fehlen der Schwung, die Energie. Früher konnte ich mich über einen Geschäftsabschluss freuen, heute denke ich nur noch daran, dass nach dem Erfolg vor dem Erfolg bedeutet, und der verlangt wieder alle Kraft, um ihn zu erringen. Ich brauche heute viel länger, meine Arbeit zu erledigen, kann mich nicht mehr so gut konzentrieren. Im Umgang mit meinen Mitarbeitern werde ich ungehalten. Dabei hat man mir früher meine Ruhe und Gelassenheit stets zu Gute gehalten.“

Typischerweise schildert dieser Burnout-Patient in seinem Bericht, welche Auswirkungen ein Burnout (BO) auf sein Berufsleben hat. Und, dass er durch mehr Zeitaufwand versucht, gegen zu regulieren.

Hierdurch verstärkte sich seine innere Anspannung, die er zuletzt mit Alkohol zu dämpfen versuchte. Wir haben in eigenen Studien herausgefunden, dass eine Wochenarbeitszeit von mehr als 42 Stunden auf Dauer eine zunehmende Burnout-Gefährdung bedeutet. Der für die eigenen Visionen so bedeutsame Blick in die Zukunft ist versperrt, die Handlungssouveränität geht verloren und Entscheidungsambivalenzen werden kaum noch ausgehalten.

Dies kann schlimmstenfalls zu vorschnellen unüberlegten bzw. unausgereiften Entscheidungen führen, nur damit man seine Ruhe hat.

Burnout-Patienten steuern mit einer Zunahme von Arbeitszeit gegen, um ihre Leistungsschwäche nicht nach außen dringen zu lassen

Sie setzen ihre Symptome deutlich mehr in Bezug zum Arbeitskontext und ihrem Verlust von Leistungsfähigkeit. So kommen sie oftmals erst zur Behandlung, wenn ihr privates Umfeld für sie deutlich reagiert, dass es so nicht weitergehen man. Bzw. sich hier Konflikte nicht mehr vermeiden lassen darüber, weil man sich zunehmend aus Freundeskreis und Privatleben zurückgezogen hat. Die Affektstörung und der soziale Rückzug auch hier sich erkennbar zeigen. „Nur“ depressiv Erkrankte leiden mehr unter ihrer Antriebslosigkeit, ihrem Verlust von Motivation und Lebensfreude, Verzweiflung, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit, sind jedoch nicht so tief erschöpft.

Sie arbeiten eher weniger als für sie üblich, reduzieren ihre Arbeitszeit und ziehen sich zurück, leiden unter ihrer Vereinsamung,

Diagnostik

Ein Burnout wird nicht als eigenständige Diagnose in unserem Diagnostik-Manual aufgeführt. Wir subsumieren sie unter mittelgradiger Depression. Eine um wissenschaftlich bewährte Fragebögen erweiterte ausführliche Diagnostik erfasst die Symptome und die Psychodynamik, die die aktuellen Lebensumbrüche, belastende Beziehungserfahrungen, Überforderungssituationen und Konflikte der letzten ca. fünf Jahre im Spannungsfeld aus Beruf und Privat belastet haben. Auch körperliche Erkrankungen bzw. Einschränkungen sowie die verschiedenen Symptome werden erfasst.

Denn vielfach spielen körperliche Erkrankungen eine unliebsame Begleitmusik:

  • Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen wie Bluthochdruck, Angina pectoris mit Verschluss von Herzkranzgefäßen und anderen Schlagadern bis zum Herz- und Hirninfarkt
  • Erkrankungen der Lunge mit Kurzatmigkeit, verringerter Sauerstoffsättigung des Blutes
  • Störungen des Magen-Darmtraktes mit Übelkeit, Durchfall, Über- oder Untergewicht
  • Chronische Schmerzen des Muskel- und Skelettsystems, die oft weder auf Schmerzmittel noch auf Physiotherapie nachhaltig reagieren
  • Störungen des Schlafes, der Konzentration, Zahnschmerzen und Zähneknirschen
  • Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Einschränkungen der Konzentration

Sie führen die Patienten in zeitraubende ausführliche körperliche Untersuchungen und langwierige Behandlungen ohne dauerhafte Linderung. Diese müssen unbedingt in der Diagnostik erfasst und mit behandelt werden. Dies ist auch deswegen erforderlich, weil die Menschen im Burnout nicht mehr achtgeben auf sich, weil sie zu sehr fixiert sind auf die Arbeit, und daher auch ihre Selbstfürsorge vielfach vernachlässigen.

  • Störungen von Antrieb und Motivation sowie
  • Sozialer Rückzug, Verlust von Körpergefühl und Lebensfreude bis zu Suizidalität

gefährden den Menschen unter Umständen vital!

Mit dem von uns entwickelten Burnout-Screening-set (BOSS) erfassen wir die Auswirkungen auf Körper, Geist und Psyche (BOSS I) sowie auf das Selbst, seine Familie und den Freundeskreis sowie den Arbeitskontext (BOSS II) und die Ressourcen, mit denen der Mensch seine Resilienz stärken kann (BOSS III).

Die Befriedigung psychologischer Grundbedürfnisse

In großen Studien mit mehreren tausend Teilnehmern, im Wesentlichen aus den Berufsgruppen der Ärzte, Feuerwehrleute und Lehrer konnten wir typische Verteilungsmuster herausarbeiten, die für ein BO sprechen. Ebenfalls angewandt als Screening-Methode können wir mit ihnen den Erfolg der Therapie nachweisen.

Es bleibt deutlich erkennbar, dass angesichts eines meist mehrjährigen Verlaufs der Erkrankung, ehe eine angemessene Therapie erfolgt, die Behandlung nicht mit einer klinischen Intervention alleine geführt werden kann.

Das Erlernte sowie die damit verbundene Änderung in der persönlichen Haltung sollten unbedingt noch in einer ambulanten Therapie fortgesetzt werden, wenn der Betroffene schon wieder in sein Arbeitsumfeld eingestiegen ist. Denn dieses ändert sich nicht von alleine, sondern nur durch beharrliches Intervenieren und Umgestalten durch den Betroffenen. Hierzu benötigt er eine gestärkte Selbstachtsamkeit.

Ebenfalls in zwei weiteren großen Studien mit Ärzten und Feuerwehrleuten konnten wir nachweisen, dass BO-Gefährdete und -Erkrankte ihre Balance in der Befriedigung ihrer psychologischen Grundbedürfnisse erkennen lassen. Diese wurden von Klaus Grawe beschrieben und sind essentiell und nicht weiter reduzierbar oder durch andere ersetzbar. Es ist eine nahezu ausgeglichene Bedürfnisbefriedigung anzustreben, wie P. Becker in seinem Buch „Gesundheit durch Bedürfnisbefriedigung * wissenschaftlich belegt.

Befriedigung von Bindungs- und Beziehungsbedürfnissen

Am deutlichsten vernachlässigt werden von Burnout-Gefährdeten die Bedürfnisse nach Lust und Vermeiden von Unlust sowie nach Bindung und Beziehung. Hervor stechen insbesondere Kontrolle und Orientierung,

Selbstwertabsicherung und Selbstwerterhöhung liegen im normalen Bereich. Diese Dysbalance erfährt in der Therapie besondere Berücksichtigung, indem auf die Stärkung der Befriedigung von Bindungs- und Beziehungsbedürfnissen geachtet wird.

Das Fass beginnt überzulaufen

Der oben zitierte Patient konnte im Verlauf der Gespräche herausfinden, dass sein erhöhter Blutdruck sich herausstellte, als er eine Krise in der Auftragslage seines Unternehmens zu stemmen hatte. Er hatte gerade in eine neue Werkhalle investiert und neue Mitarbeiter eingestellt gehabt. In dieser Zeit stellte sich bei seinem Vater, der das Unternehmen gegründet hatte, eine Alzheimer-Erkrankung ein. Anfangs war diese ziemlich rapide verlaufen. Größere Anstrengungen waren erforderlich, seine Versorgung zuhause zu gewährleisten, bis er zuletzt ins Heim gekommen war.

Seine Mutter, die schon immer gekränkelt hatte, war erstaunlich gut damit zurecht zurecht gekommen, dass er nicht mehr zuhause lebte. Es galt jedoch, für sie ein neues Haus zu bauen, da das alte zu groß geworden war und insbesondere der Garten zu viel Arbeit machte. Gleichzeitig waren vom Patienten der Nachlass des Vater zu verwalten, alte Ordner auszusortieren, die Konten auszugleichen, sich mit der Schwester abzustimmen darüber, wie es weiter gehen kann mit der Mutter und vieles mehr.

Die familiäre Struktur verändert sich ...

Seine beiden Kinder sind in dieser Zeit erwachsen geworden und haben das Elternhaus schon verlassen. Der 25-jährige Sohn war lange Jahre Sorgenkind gewesen, hatte Probleme mit Alkohol und weichen Drogen bekommen, das Studium unterbrochen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Mittlerweile hat er jedoch eine Freundin, die ihm offensichtlich viel bedeutet und inneren Halt gibt, und er steht vor seinem Bachelorabschluss in BWL.

Die Tochter hat eine erstaunliche Hochschullaufbahn beschritten, in Amerika und Frankreich international Buisiness studiert und verspricht einen sehr gerade noch oben zeigenden Karriereverlauf. Nach ihrem Masterstudium möchte sie zusätzlich noch internationales Recht in England studieren.

Die Entwicklung der Kinder hatte ihn mit Stolz erfüllt. Doch dass mit ihrem Auszug sich die familiäre Struktur verändert hat, war ihm nich klar geworden. Hatte früher die Sorge um die Kinder das eheliche Gespräch dominiert, herrschte jetzt oftmals Stille in der Kommunikation. Für seine Frau hatte der Lebensinhalt mit den Kindern das Haus verlassen. Und diesen in der Versorgung ihrer Schwiegereltern neu zu finden behagt ihr nicht im Geringsten. Sie tat es jedoch ohne viel Worte, um ihrem Mann wie gewohnt den Rücken frei zu halten. Viel lieber hätte sie mehr Zeit mit ihm verbracht, wie sie im Paargespräch ausdrückte.

Wie ich die Behandlung führe

Mit unserem Vier-Säulenmodell unterscheiden wir das Selbst des Menschen mit Körper, Geist und Seele, seine emotionalen Ressourcen: Familie und Freunde, sowie die Arbeit als Bereich der Selbstaktualisierung und Absicherung von Autonomie.

Unsere Persönlichkeit ruht auf vier Säulen, die ihrerseits auf der Gesellschaft und Kultur gründen.

Mit unserer eigenen Person aktualisieren wir unsere körperlichen, seelischen und geistigen Möglichkeiten und Notwendigkeiten. Unsere körperliche Verletzlichkeit wird uns bei Krankheit und Handikaps besonders bewusst. Doch auch viele seiner Symptome haben ihren Ursprung im Seelischen bzw. wirken sich darauf deutlich aus.

Letztlich gibt es keine Unabhängigkeit von Körper, Geist und Seele voneinander

Sondern nur einen Unterschied in der Intensität der Wahrnehmung und Bedeutung, die diesem beigemessen wird bzw. zukommt. Die Familie und unser Freundeskreis bilden unsere emotionalen Ressourcen, die uns Rückhalt bedeuten, mit denen wir Zugehörigkeit und Zusammenhalt erleben, auf die wir uns verlassen können, mit denen wir unsere Bindungs- und Beziehungsbedürfnisse befriedigen.

In der Arbeitswelt sichern wir unseren Unterhalt und unsere Autonomie ab, stärken wir unseren Selbstwert und erhöhen ihn durch Erfolg, finden wir soziale Anerkennung. Selbstverständlich sind die Säulen nicht starr von einander abgegrenzt, sondern bilden lediglich eigene Schwerpunkte gegenüber die anderen Säulen.

Wesentlich für eine starke Persönlichkeit ist die Stabilität jeder einzelnen Säule. Jede bedarf der eigenen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.

Diese erfahren sie in der Therapie.

Im Burnout ging der intime Dialog verloren

Die Menschen haben verlernt, sich in ihren Bedürfnissen wahrzunehmen, sie in Worte zu fassen und mitzuteilen. Stattdessen ziehen sie sich zurück, funktionieren meist nur noch. Dadurch verlieren selbst verlässlichste Beziehungen an Einflussmöglichkeit, darauf hinzuwirken, dass der Betroffene sich selbst besser schützen sollte.

Nähe und damit Halt und Rückhalt werden in der Therapie wieder spürbar und erlebbar gemacht.

Dafür werden auch einzelne Paargespräche geführt, damit der Partner bzw. die Partnerin versteht, wie wir arbeiten und Anschluss findet, an den Veränderungsprozess, den der Patient bzw. die Patientin macht. Er bzw. sie sich sich einbezogen und in seiner/ ihrer Bedeutung wertgeschätzt erlebt.

Systemische Skulpturarbeit

Da das Bedürfnis nach Bindung und Beziehung im Wesentlichen in emotionalen Ressourcen ihre Aktivierung bzw. Stärkung erfahren, fokussieren wir auf diese besonders. In der systemischen Skulpturarbeit, einer von mir weiterentwickelte Methode der Familienausstellung, werden

  • Nähe
  • Verbindlichkeit
  • Verbundenheit und
  • Zuneigung

mit dem Ziel von gemeinsamer Lebensfreude erlebbar gemacht. Steht zu Beginn oftmals die Arbeit für den Patienten sehr im Fokus der Skulptur, ändert sich dies im Laufe der Aufstellung. Die Arbeit rückt mehr zur Seite, bleibt jedoch deutlich im Blickfeld. In größerer Nähe zwischen Mann und Frau sowie auch zu den Kindern und Freunden liegt oftmals die Lösung. Doch wie sich dies im Alltag realisieren lässt, dazu muss diese Erkenntnis intensiv im Einzelgespräch mit dem Therapeuten und auch in Paar- oder Familiengesprächen durchgearbeitet werden.

Ziel sind ein intakter intimen Dialog innerhalb der Familie und ein neues Ausloten von Nähe und Distanz zueinander.

Verbessertes Konfliktmanagement

Vermiedene Konfliktaustragungen, ob im Arbeitskontext oder in Abgrenzung zu überfordernden Ansprüchen aus der Familie und von den Freunden, bauen eine zunehmende innere Spannung auf und kosten sehr viel Kraft. Ziel ist es, Konflikte frühzeitiger zu erkennen und ihnen offen zu begegnen, bevor es zum großen Streit kommt. Frust ist wie alle andere Emotionen Energie.

Um gewünschte Harmonie wird aktiv miteinander gerungen statt sie als gegeben vorauszusetzen und sich u.U. vielfältigste Lösungsmöglichkeiten auszudenken jedoch nie anzusprechen.

Insbesondere in Fällen von Mobbing bzw. Bossing am Arbeitsplatz erarbeiten wir geeignete Strategien, die damit verbundenen Konflikte anzugehen. Sollte es zu einer Rückkehr an den Arbeitsplatz kommen, empfehlen wir eine stufenweisen Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell. Zwei Tage pro Woche z.B. beginnt der Patient zu arbeiten, und an drei Tagen werden die Begegnungs- und Beziehungserfahrungen am Arbeitsplatz im vertrauten Kontext der Klinik in Gesprächen miteinander durchgearbeitet und Veränderungsalternativen überlegt.

Seine Emotionen als Kraftquelle wieder entdecken

Die frühzeitige Wahrnehmung von Emotionen und Bedürfnissen wird in der Tanz- und Bewegungstherapie eingeübt. Seinen Körper wieder spüren lernen, Wege finden, sich in seinem Tempel der Seele wieder wohl zu fühlen, sind das Ziel. Achtsamkeit für die Signale des Körpers wird eingeübt, Entspannungsmethoden werden erlernt.

In der Kunsttherapie eröffnen sich neue Perspektiven für die Sicht auf das eigene Leben und dessen weiterer Gestaltung. Einer neuen Ästhetik für das künftige Leben gilt die Suche.
In der therapeutischen Gemeinschaft wird die soziale Kompetenz wieder belebt und gestärkt.

Die Ich-Bezogenheit in der Depression wird zur Wir-Erfahrung erweitert

Der Patient setzte sich in der Therapie damit auseinander, seinen Lebensfokus neu zu definieren. Er entwickelte weniger von den bislang so gesehenen Notwendigkeiten seines Unternehmens sein Leben. Hatte er zuvor vermieden, seine Familie in seine unternehmerischen Entscheidungen „mitzunehmen“, nahm er sich vor, künftig offener über seine Absichten zu sprechen. Es wurde für ihn bedeutsamer zu hinterfragen, welche Anforderungen aus der Familie von ihm zu erfüllen sind und welche Bedürfnisse er an diese hat. Dass nicht nur sein Unternehmen bestimmt, was er tut.

Er reflektierte bewusster, was seine Präsenz für die anderen in der Familie bedeutet. Ihm war spürbar geworden, wie wichtig für sein inneres Gleichgewicht seine emotionalen Ressourcen in der Familie und im Freundeskreis sind. Er ordnet in sein berufliches Zeitmanagement Anwesenheiten in der Familie mit ein. Lernte die Komplexität seines Lebens zu lieben. Er räumte sich Zeit ein, sich auch intensiv um seine Eltern zu kümmern und seinem Bedürfnis, bewusst Abschied von ihnen zu nehmen. Er erlebte noch einmal Nähe zu ihnen, wurde sich bewusst, wie wichtig sie für ihn sind bzw. waren.

Er suchte die Nähe seiner Frau

die er vernachlässigt hatte, hatte wieder ein Ohr für sie, für ihre Nöte und Sorgen bzgl. des Sohnes. Sie hatte ihm stets den Rücken freigehalten. Jetzt bemerkte er, wie sehr sie ihn vermisst hatte. Und wie sehr er sie vermisst hatte, ohne sich dessen bewusst zu sein. Er zog sie vermehrt ins Vertrauen, ließ sie Teilhabe an seinen Sorgen, seiner inneren Einsamkeit, seinen Gefühlen von Überforderung, seinen Ängsten zu versagen. Im Paargespräch war ihm dies überdeutlich klar geworden, und er nahm den intimen Dialog zu ihr wieder auf.

Nachdem Urlaub für ihn lange eine lästige Unterbrechung seiner Arbeit gewesen war, er sich für unabkömmlich gehalten hatte, strukturierte er um. Er plante häufigere Kurzurlaube und auch einen zweiwöchigen alleine mit seiner Frau ein. Zuvor hatten sie sich an Urlaubsorten mit Geschäftsfreunden oder anderen guten Bekannten getroffen gehabt. Ihre Zweisamkeit wurde ihm wichtig. Er entdeckte Lust auf Neues, auf gemeinsames spazieren Gehen und Museumsbesuche, auf „Lustwandeln“.

Er entdeckte seine Liebe zur Musik wieder, hörte mit Genuss klassische Musik, alleine mit Kopfhörer und auch gemeinsam mit seiner Frau. Sie unterhielten sich viel über die Einsamkeit, die sie beide empfunden haben, die Leere und Entfernung zueinander und das Bedürfnis nach neuer Zweisamkeit. Sie erlebten Sexualität miteinander viel intensiver als lange Zeit zuvor und machten sich gemeinsam auf den Weg nach einem neuen Lebensrhythmus. Hierin eingeschlossen wurden auch ihre Freunde, zu denen sie wieder Kontakt aufgenommen hatten. Mit gestärktem emotionalen Rückhalt hat er seine Arbeit wieder erfolgreich aufgenommen.

Was ich als tue, wenn jemand ausgebrannt ist?
Das seiner emotionalen Ressourcen fokussieren!

Dr. Wolfgang Hagemann
Psychotherapeut

Zusammenfassung

Die erfolgreiche Behandlung eines Burnouts im Endstadium bedarf größten Aufwandes und ausreichender Zeit:

  • Seine Lebensfreude absichern durch Verschiebung des Fokus von der Arbeit auf Familie und Freundeskreis;
  • Selbstverleugnung aufgeben und wieder all seine eigenen Emotionen spüren, Lebensfreude empfinden wollen durch Steigerung der Selbstachtsamkeit
  • das nicht Wahrnehmen eigener Bedürfnisse ersetzen durch eine neue Balance der vier Grundbedürfnisse
  • Den intimen Dialog in Familie und Freundeskreis beleben
  • die Vernachlässigung insbesondere emotionaler Ressourcen durch die Notwendigkeit, zum Schutz und zur Stärkung der Persönlichkeit stets alle vier Säulen seiner Persönlichkeit im Blick haben

Die hierfür erforderliche Haltungsänderung zu erlangen beginnt bestenfalls im Schutz einer guten therapeutischen Gemeinschaft mit intensiven einzel- und gruppentherapeutischen Gesprächen. Nach der klinischen und ggfs. tagesklinischen Arbeit sollte diese unbedingt ambulant fortgesetzt werden, um die neuen Erfahrungen in den Alltag zu integrieren, abzusichern und die eigene Achtsamkeit wach zu halten.

Über den Autor

Dr. Wolfgang Hagemann

Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Arzt für Psychotherapeutische Medizin

Dr. Wolfgang Hagemann gründete 1996 mit seiner Frau Anette Hagemann die Röher Parkklinik.

Die Röher Parkklinik ist eine Private Akutklinik und Tagesklinik für Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie.

Gemeinsam haben Sie 6 Kinder und 14 Enkelkinder.

Dr. Hagemann ist Autor des Buches Burnout bei Lehrern, was in 2. Auflage im Beck Verlag erschienen ist.

Nach der Übergabe der ärztlichen Leitung an seinen Sohn Dr. Andreas Hagemann Anfang des Jahres 2018, ist Dr. Hagemann verstärkt als Referent und Blogger beschäftigt.

Kontakt zu Herrn Dr. Hagemann und der Röher Parkklinik


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