Diagnose: Ego

Unser Ego hat nichts mit der Realität zu tun

Sinnlos wie der Blinddarm. Aggressiv wie ein Tumor und heimtückisch wie ein Selbstmordattentäter. Das Ego.


Kevin ist ein Held. Er weint, wenn ihm danach ist, macht sich keine Sorgen, weil er keine Gedanken an die Zukunft verschwendet, oder sein Ego, ist leicht zu überraschen, weil er nichts erwartet. Er handelt intuitiv, er kann gar nicht anders, sagt was er denkt, weil er keine Konsequenzen fürchtet. Die Menschen in Kevin’s Leben lieben ihn wie er ist.

Er möchte niemandem Gefallen, achtet bei Anderen nicht auf das Äußere, das interessiert ihn nicht. Für Kevin ist das, womit er sich gerade beschäftigt, die Welt. Alles andere existiert für ihn nicht.

Kevin ist sieben Jahre alt. Also in einem Alter, in dem wir alle mal waren. Er ist kein besonderes Kind, manchmal wirft man ihm Verhaltensauffälligkeit vor. Weil er nicht weiß was das ist, lacht er. 

Kevin wird erwachsen

Bald wird sich Kevin einige schlimme Krankheiten einfangen. Er bekommt Erziehung, Sozialisation, gelegentlich Grippe und Durchfall. Und, Ego.

Fiese Glaubenssätze übernehmen seinen Verstand, wie Hyänen ein Stück vom verwesten Zebra. Mit zunehmendem Alter wird Konjunktitis dazukommen und ihn dazu bringen, nur noch in hätte, wäre, bräuchte, könnte, müsste zu denken, zu reden und zu handeln, also zu nichthandeln.

Der arme Kevin. Er wird wie wir. Erwachsen.

Die Definition von Ego

Wir wollen alle ein Kevin sein. Deshalb begab ich mich auf eine tagelange Recherche, um herauszufinden, was dieses Ego ist.

Um es kurz zu machen: Die ganze Sucherei führte zu keiner eindeutigen, auf den Punkt gebrachten Erklärung. Zu abstrakt sind die wissenschaftlichen Aussagen auf der einen und die spirituellen Weisheiten* auf der anderen Seite.

Bis hin zum Philosophen Descartes, der mit seinem coolen Spruch Cogito ergo sum, Ich denke, also bin ich, ebenfalls mehr Verwirrung stiftet, als einen Beitrag zum Verständnis von Ego liefert.

Kein Wunder, dass die Meisten von uns an Ego leiden. Es gibt schlicht kein Medikament dagegen. Die Wissenschaft hat keine Ahnung was uns da getroffen hat und redet deshalb verwirrendes Zeug.

Deine Realität, meine Realität. Ein einziger Gegensatz

Lass uns pragmatisch sein, halten wir uns an den Hausverstand. Jeder wird für sich wissen, was Ego ist. Meist erkennen wir es an unserer emotionalen Reaktion auf Kritik oder ein Kompliment. Also der Abweichung eines äußeren Zustands zur eigenen Realität.

Ist diese Abweichung groß, fühlen wir uns schlecht. Ist sie gering, fühlen wir uns gut. Beides ist Ego. Beides ist wie eine brüchige Mauer, die jederzeit eingerissen werden kann.

Jeder lebt in seiner eigenen Realität. Somit prallen ständig Gegensätze aufeinander und verursachen Leid. Einfach klingende Erkenntnis: Befreie ich mich vom Ego, befreie ich mich vom Schmerz.

Erkenntnis am Beispiel Authentizität

So einfach ist es natürlich nicht. Und doch wollen wir genau das. Keine Schmerzen, vor allem keine emotionalen Schmerzen.

Ich wollte immer als authentisch wahrgenommen werden. Gesellschaftliche Akzeptanz ist Befreiung von Schmerz. Ich dachte viel darüber nach, um das zu erreichen. Schließlich kam ich zu der Erkenntnis, dass es nicht darum ging etwas zu tun, sondern darum, etwas nicht zu tun.

Mein Ego verlangte bestimmte Meinungen zu übernehmen, bestimmte Kleidung zu tragen, bestimmte Dinge zu tun und bestimmten Konventionen zu entsprechen. Fuck you!

Kevin ist mein Vorbild

Ich muss das alles nicht denken, tragen, tun oder jemandem entsprechen. Ich will wie Kevin sein, bevor er sich Erziehung, Sozialisation und Ego einfing.

Heute ist mir egal wie andere über mich denken. Ein unbeschreiblicher Befreiungsschlag. Ich war getrieben von meinem Ego, heute bin ich kein Opfer mehr und weiß, dass ich selbst für mein Wohlbefinden verantwortlich bin.

Mach den Ego Selbsttest.

Einer, der aufgrund seines Berufes als Showmaster und seiner Erfolge ein gigantisches Ego haben müsste, holt sich selbst auf einer faszinierenden Wanderung zurück auf den Boden seines wahren Selbst. Hape Kerkeling und sein wunderbares Buch: Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg*


Titel des nächsten Artikels:

Die Entfernung zum Horizont ist konstant – unerreichbar


Der Weg aus dem Burnout war dramatisch. Ein Ziel gab es nicht.

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