Schwarzweiß Foto: Ein Mann im Anzug weint und wischt sich die Tränen aus einem Auge. Er ist traurig, weil er einen Kompromiss lebt.

Du lebst einen miesen Kompromiss. Nicht?

Hast du vor Veränderungen schiss, lebst du einen Kompromiss

Dein Leben plätschert vor sich hin? Alles entsteht mehr oder weniger zufällig? Veränderungen passen nicht in dein eingefahrenes Dasein? Du bist in einen Kompromiss getreten. Jetzt klebt er an dir wie Hundescheiße. 


Laut Wikipedia ist ein Kompromiss „die Lösung eines Konfliktes durch gegenseitige freiwillige Übereinkunft, unter beiderseitigem Verzicht auf Teile der jeweils gestellten Forderungen.“

Im Zusammenleben mit anderen Menschen ist ein Mittelweg der Garant, dass wir uns nicht permanent gegenseitig die Schädel einschlagen.

Meine wunderbare Freundin hat die für mich unverständliche Angewohnheit, mich ständig darauf hinzuweisen, wo der Platz für meine Leckereien im Kühlschrank ist. Als ob es um das Überleben des ganzen Planeten ginge.

Aber gut, ich folge den Anweisungen und schließe mit ihr den Kompromiss, künftig mehr darauf zu achten. Diese Schlacht kann ich nicht gewinnen, warum einen Krieg anzetteln?

Dein innerer Kompromiss

Lies die Wikipedia-Erklärung neuerlich. Allerdings mit dem Unterschied, dass keine andere Person im Spiel ist, mit der du einen Kompromiss schließt. Jetzt geht es um dich : gegen dich. Es steht 1 : 5 für dich. Starte deine Aufholjagd.

Jetzt mal unter uns, es hört eh niemand zu

Machst du dein Ding? Das, wovon du früher träumtest oder das, woran du regelmäßig denkst und du ein gutes Gefühl hast? Wenn du die Wahl hättest, du würdest dich erneut für dieses Leben entscheiden, das du jetzt führst?

Ja? Dann hör jetzt sofort auf diesen Artikel zu lesen und genieße dein wahrhaftiges Leben.

Oh, du bist noch hier

Kein Problem, du bist nicht alleine. Schau dir ein paar Facebook- oder Instagramaccounts deiner „Freunde“ an. Die tollen Sprüche die sie posten oder liken, von deren Realität sie so weit entfernt sind, wie Justin Bieber davon, ein guter Sänger zu sein.

Die Fotos, mit denen Menschen einen Augenblick ihrer heilen Welt zeigen. Was sie nicht zeigen ist der Zwiespalt, den sie vor und nach diesem Augenblick leben.

Menschen, die seit Jahren über große Ziele reden um anschließend darüber zu jammern, morgen in die verfluchte Arbeit gehen zu müssen.

Beziehungen, die derart am Ende sind, dass sie wie Atommüll zu entsorgen sind. Den guten alten Zeiten einen runterholen und ständig über andere Leute herziehen um von der eigenen Trostlosigkeit abzulenken.       

Ja, aber …

Verstehe, du hast dein Leben, deinen Job, deine Beziehung, deine Wohnung, deine Lebensversicherung, dein Auto, deinen Gartenschlauch, deinen Netflix-Account und morgen ist Champions-League und Germanys next Topmodel.

Klar, dass du keine Veränderungen herbei führen kannst. Finde es klasse, dass du dir deinen Kompromiss voll reinziehst.

Geh pinkeln

Kennst du das? Du liegst nachts in deinem Bett, schläfst den Schlaf der Gerechten. Plötzlich weckt dich dieser Druck in deiner Blase. Schlagartig sind Entspannung und Wohlbefinden weit entfernte Erinnerungen.

Selbstverständlich bleibst du im Bett liegen. Warum sich Erleichterung verschaffen? Dazu müsstest du aus dem Bett finden, zur Toilette kriechen, sitzend oder stehend deinem Bedürfnis freien Lauf lassen und anschließend den mühsamen Rückweg antreten.

Es ist gerade so bequem unbequem. Du hast dir alles eingerichtet, wie du es für richtig hieltest und hältst jetzt daran fest. Sonst wäre alles umsonst gewesen. Außerdem, es könnte noch schlimmer kommen.

Helden von heute

Falco* singt „Wir erfinden immer neue Spiele, Spiele gibt’s zu spielen viele.“ Welches ist dein Spiel, wo ist deine wahre Leidenschaft? Und was drückt dich, was du im Klo runterspülen könntest?

Welche verdammte Pisse hält dich davon ab, Veränderungen herbeizuführen und endlich das zu tun, was dich zu deinem eigenen Helden macht?

Denk nach, los, sei ehrlich zu dir

Wenn du verhindern möchtest, dass eines Tages auf deinem Grabstein steht „er lebte ein angepasstes Leben voller Kompromisse, weil er zu bequem war pinkeln zu gehen“, zieh dir folgendes rein:

Denke ein Jahr in die Zukunft und schau zurück auf das vergangene Jahr. Was hätte in diesem Jahr nicht alles passieren können?

Du hast alle Möglichkeiten der Welt und diese Vielfalt verunsichert dich. Die Entscheidung, die du heute triffst und morgen umsetzt, könnte übermorgen überholt sein. Nicht, wenn du dein Ding machst.

Wie viele Leben hast du und wie lange wirst du noch Leben?

Was denken* die Anderen, wenn du neue Wege gehst? Siehe: Druck und zur Toilette gehen.

Veränderungen im Leben sind viel zu anstrengend. Siehe: Grabstein.

Morgen beginnst du damit, spätestens nächste Woche. Werde endlich erwachsen und übernimm verdammt noch mal Verantwortung für dein Leben.

Das kannst du deiner Familie nicht antun. Klar, die haben lieber einen unglücklichen Menschen an ihrer Seite, als jemand der sein und das Leben seiner Liebsten zu etwas Echtem macht.

So schlecht ist dein Leben nicht. Warum liest du noch diesen Artikel?

Du hast Vieles probiert, du bist nicht der Typ der seinen Traum leben kann. Andere Ergebnisse mit dem gleichen Muster zu erwarten, ist nicht besonders clever. Erkenne  dein Muster und probiere einen anderen Weg.

Was hat das mit Burnout zu tun? Burnout, ein mieses, von Kompromissen bestimmtes Leben, Lungenkrebs … Willst du das alles erst erleiden, damit du merkst, wie schnell deine Zeit den Bach runter geht?

Was ist mit dir, Herr Gscheit, du Verfasser dieses Artikels, wie sieht es mit deinem kompromisslosen Leben aus? Okay, du hast mich erwischt, ich lebe noch lange nicht mein wahrhaftes Leben, ich stehe gerade am Beginn. Und, was hast du jetzt davon?

Dreihundertfünundsechzig

Du hängst in deinem Kompromiss fest, weil du dich unbewusst für diesen öden Mittelweg entschieden hast. Niemand sagt „ich lebe freiwillig dieses Leben, das mir im Grunde am Arsch geht“.

Von deinem wahren Leben bist du lediglich eine weitere Entscheidung entfernt. Du musst nicht alles sofort über den Haufen werfen, in kurzer Zeit spürbare Veränderungen erwarten oder unmittelbar wissen, was du mit deinem Leben Sinnvolles anstellen möchtest.

Sei geduldig, setze jeden Tag mindestens eine einzige Aktivität um, die dich deinem wahren Leben ein Stück näher bringen. In einem Jahr sind das 365 (ausgeschrieben: dreihundertfünfundsechzig!) Aktivitäten. Kannst du dir ansatzweise vorstellen, was 365 Aktivitäten in Bewegung setzen?

Am Ende provoziere ich dich neuerlich richtig frech: Willst du die Neben- oder die Hauptrolle in den restlichen paar Jahren deines Lebens spielen?

Einen Kompromiss leben, mit dem Druck im Bett liegen bleiben, oder aufstehen, es laufen lassen und leben, dass du am Ende sagen kannst: Ich habe es wenigstens versucht?

Dein Leben zu ändern ist möglich. Es ist erst zu spät dafür, wenn du das entscheidest. Lass‘ dich von diesem wunderbaren Buch inspirieren. Es ist kein religiöses Buch, wie der Titel vermuten lassen könnte. Es ist eine Geschichte aus der Mitte des Lebens – deines Lebens: Der Weg: Wenn Gott Dir eine zweite Chance gibt*


Titel des nächsten Artikels:

Was ich von meinem Burnout lernte


Konflikte liefern das rettende Gift für dein Wohlbefinden

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6 Gedanken zu “Du lebst einen miesen Kompromiss. Nicht?

  1. Hmm. Kompromisse müssen wir wohl jeden Tag schliessen um in einer Gemeinschaft zu leben. Wenn jedeR nur sein/ihr „Ding“ machen würde hält das eine Gruppe kaum aus bzw. besteht die Gruppe dann gar nicht mehr.
    Aber die Überlegung, wo ich faule Kompromisse in meinem Leben geschlossen habe. Wo ich damit mein Leben – oder auch von anderen – in eine Richtung gedrängt habe, die unbefriedigend ist … diese Überlegung sollte ich wohl auch öfters führen.

    Und manchmal … liege ich mit dem Druck auf der Blase wach da und habe endlich mal Zeit über anderes nachzudenken. Über Dinge, die ich tagsüber links liegen lasse. Dinge, die mitten in der Dunkelheit, Platz haben gedacht zu werden. Würde ich einfach aufstehen und pinkeln gehen, dann würde ich nicht darüber nachdenken.

    Die Frage ist: Brauchen wir einfach nur die Kompromisse beenden, einfach leben. Oder ist es nicht so einfach. Und wann ist eine Entscheidung eigentlich ein Kompromiss? Je nach Lebenslage würde ich manches aus der Vergangenheit aus heutiger Sicht ganz anders betrachten.

    Ach, es ist schwierig. Aber das nennt sich wohl Leben.

    1. Danke für deinen Kommentar Robert!

      Ja, so ist das Leben wohl … Ist nicht das Schlechteste, sich hin und wieder ein paar Gedanken zu machen. Und deine Gedanken finde ich sehr spannend!

      Beste Grüße
      Roland

  2. Hallo Roland, hallo Rolands-Blog-Leser,
    Nein, ich lebe kein Leben voller Kompromisse. Nicht mehr.Lange Zeit habe ich es getan, aufgegessen, obwohl ich mehr als satt war, Familienfeiern, auf die ich schon Wochen vorher nicht gehen wollte, besucht. Leute getröstet, die mir zutiefst zuwider waren (wird ja trotzdem von einem erwartet…), Fenstertage gearbeitet (Du hast ja keine Kinder auf die Du aufpassen musst), meine Urlaubszeiten an die Wünsche der Kollegen angepasst, etc… Immer nett, immer angepasst, immer höflich. Oft mit Stein im Magen, mit Widerwillen, verlogen.
    Irgendwann konnte ich das nicht mehr. 2 BurnOuts und lange Depressionen haben mich ehrlicher gemacht.

    Ehrlicher zu mir selbst. Schwieriger für mein Umfeld. Einige haben sich abgewandt, manche habe ich abgewürgt (im metaphorischen Sinn natürlich). Übrig sind mein Mann und ich – und sehr erfreuliche neue Bekanntschaften, die sich selten lange halten, dafür aber sehr angenehm sind und unser Leben abwechslungsreich machen. Durch diese „Kurzbeziehungen“ zu neuen Leuten hört man nicht die selbe Leier zum X-ten Mal, sondern neue, spannende Geschichten. Auch Geschichten die uns wichtig sind können wir immer wieder erzählen, ohne zu langweilen.

    Langjährige Freundschaften haben wir keine (mehr). Hat sich in unserem Leben scheinbar nicht bewährt. Auch wenn es mir um manche leid tut, so gut kann die Freundschaft nicht gewesen sein, sonst wäre sie noch aufrecht.

    Ich lebe ein Leben mit nahezu keinen Kompromissen, seit ich das aktiv und bewusst mache, geht es mir besser. Kein verlogenes „mach ich doch gerne“, keine falschen Komplimente, keine lähmenden und ungerechten Kollegen mehr. Komplett kompromisslos halte ich für unmöglich, aber wir sind nahe dran.

    Der Weg dorthin ist schmerzhaft und steinig, aber erstaunlich kurz – und er macht sich bezahlt!
    Liebe Grüsse & Kopf hoch euch Allen

    1. Liebe Astrid,

      vielen Dank für deinen tollen Kommentar! Dein umfangreicher und offener Einblick in die Art, wie du mit Kompromissen umgehst, ist sehr beeindruckend.

      Deine Geschichte ist ein absolutes Positivbeispiel, wie „man es machen sollte“ und wie du sagst, der Weg ist schmerzhaft und steinig, aber erstaunlich kurz – und er macht sich bezahlt!

      RESPEKT!

      Beste Grüße
      Roland

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