Entscheidungen treffen. Wohlstand oder Wohlbefinden?

Wir verwechseln Wohlstand mit Wohlbefinden und Entscheidungen treffen mit glücklichen Zufällen

Mein Burnout und die Depressionen waren die Folge davon, dass ich nicht in der Lage war, für mich richtige Entscheidungen treffen zu können. Anstatt nach Wohlbefinden und Glückseligkeit zu streben, begnügte ich mich im Alltag mit Zufriedenheit und verlangte nach Wohlstand und Reichtum.

Aber ist das überhaupt möglich? Wohlbefinden oder gar Glückseligkeit zu erreichen? Sind sie nicht die Folge von Wohlstand und Reichtum? Und überhaupt, warum andere Entscheidungen treffen, um bessere Ergebnisse zu erreichen?


Erwarte nichts Geringeres als Glückseligkeit

Kennst du den Begriff Glückseligkeit? Nicht dieses oberflächliche Gefühl, nachdem du einen Bic Mac verschlungen oder den letzten Tag vor deinem Urlaub hinter dich gebracht hast.

Auch nicht diese heimtückische Zufriedenheit die du empfindest, wenn’s eh einigermaßen läuft und keine Katastrophe in Sicht ist.

Was ich meine ist dieses Wohlbefinden, das gegenwärtig wie deine Atmung, verlässlich wie die allmorgendliche volle Blase und intensiv wie die tiefste Trauer ist, die du jemals empfandest. Nur umgekehrt, wohltuend.

Kennst du dieses Gefühl, Glückseligkeit? Nein? Willkommen im Club jener gefühlten 99% der Menschen, die damit ebenfalls nicht viel anfangen können.

Aus tiefster Überzeugung glaube ich, dass wir im Leben nichts Geringeres anstreben sollten, als genau dieses Gefühl der Glückseligkeit. Entscheidungen treffen, die uns zu diesem ultimativem Wohlbefinden führen, sind die Voraussetzung dafür.

Vergiss Wohlstand und vor allem Reichtum

Stattdessen überlassen wir unser Leben meist dem Zufall. Hoffen auf Wohlstand und meinen damit Reichtum. Wir denken in Kategorien wie Besitz und Luxus. Eine Orientierung an irgendwelchem Zeug das wir angeblich brauchen um unseren Status in der Gesellschaft zu erhöhen.

Das mit dem Wohlstand können wir allerdings abhaken, den haben wir längst erreicht. In der Gegend in der wir leben, muss niemand Angst davor haben, auf der Strasse zu landen, Hunger zu leiden oder um sein Leben fürchten.

Und Reichtum erscheint entweder als etwas Unerreichbares oder Sinnloses. Je nachdem ob du heute wenig besitzt, aber viel haben möchtest und diese Leere spürst, weil du dieses Zeug so schnell nicht haben wirst. Oder ob du bereits reich bist und dennoch diese unendliche Leere in dir empfindest.

Spricht ein Grieche über Geld

Aristoteles beschrieb vor 2.300 Jahren die Voraussetzungen für Glückseligkeit anhand von drei Punkten:

– Ein Leben der Lust und des Vergnügens,

– als freier und verantwortlicher Bürger,

– und ein Leben als Forscher und Philosoph (was ich neuzeitlich mit Neugierde, der Beschäftigung mit geistreichen Themen – leerreichen Büchern, keine Comics – und Tätigkeiten beschreiben würde, die für mich und die Allgemeinheit sinnvoll sind).

Mit keinem Wort erwähnt er Reichtum im materiellem Sinne oder dem Anhäufen von Geld. Entscheidend sei, dass der Mensch seine ganzen Fähigkeiten und Möglichkeiten entfalten könne.

Wie gelingt so ein Leben?

Vor Jahren, als es mir zunehmend schlechter ging, die Diagnose Burnout und Depression allerdings noch ausstand, besuchte ich regelmäßig einen Kinesiologen.

Dieser weise alte Mann brachte es fertig, diesen psychischen Pickel in mir aufzustechen und die Depressionen wie ekligen Eiter aus mir fließen zu lassen. Dafür bin ich ihm ewig dankbar.

Eines gab er mir für mein weiters Leben mit auf den Weg: Du musst bewusste Entscheidungen treffen. Alles im Leben passiert, weil du dich dazu entschieden hast, bewusst oder unbewusst.

Entscheidungen treffen für Anfänger

Also begann ich mit dem Entscheidungen treffen. Zuerst entschied ich, diese ganzen verdrängten, quälenden Gefühle und Gedanken zuzulassen.

Es folgte ein beschwerlicher Aufstieg in den Abgrund. Dort angekommen, stand ich meinen Depressionen wie eine verschreckte Maus einer hungrigen Katze gegenüber.

Am tiefsten Punkt angekommen, entschied ich mich für’s Leben und verwarf den Gedanken an Selbstmord. Ich nahm mir vor, meinen ganzen belastenden Scheiß zu regeln.

Im Rahmen meiner Möglichkeiten mistete ich Stück für Stück mein Leben aus. Trennte mich von negativen, unnützen Gedanken und begann mit der Klärung jener Bereiche, die mir im Weg standen (finanzielle Situation, Beziehung, Wohnort, Job usw.).

Zuerst muss der ganze Müll, das Schlechte und Unpassende in meinem Leben weggeräumt werden …

Skeptisch nahm ich gelegentliche Zufriedenheit wahr. Die kleinen Erfolge, die ich im Zuge meiner Aufräumarbeiten erzielte, motivierten mich, den Fokus auf die nächsten Baustellen meines Lebens zu richten.

Der wackelige Friede der Zufriedenheit

Gleichzeitig spürte ich, dass ich damit jenen Zustand erreichen werde, den ich aus der Zeit vor meinem Burnout kannte. Das machte mir Angst.

Schließlich war diese vergangene Zufriedenheit der Nährboden für die Illusion die ich Leben nannte und für all den Müll, der bald auf mich hereinbrechen würde.

Ein neues Fundament musste her, soviel war klar. Neue Entscheidungen treffen, auf deren Basis ein Leben entstehen kann, das zu einem bleibendem Wohlbefinden, also zu Glückseligkeit führt.

Mehr vom Gleichen ist weniger vom Neuen

Entscheidungen treffen fällt uns deshalb schwer, weil wir spüren, dass sie ohnehin zu nichts Besserem führen als zur Aufrechterhaltung des als unbefriedigend empfundenen Status Quo.

Beschäftige ich mich zum Beispiel damit meinen Job zu kündigend, weil er mir sowas von am Arsch geht, dann quält mich die anstehende Entscheidung, weil ich insgeheim weiß oder befürchte, dass der neue Job um nichts besser sein wird.

Klar, was soll sich ändern, verbessern, wenn ich stets im gleichen verdreckten Teich schwimme? Das immer gleiche Puzzleteil an den falschen Platz zu legen ist sinnlos, es wird nicht passen.

Logisch, dass ich andere, neue Entscheidungen treffen und das Teil an anderer Stelle platzieren oder ein Anderes in die Hand nehmen muss.

Für mich bedeutete das, eine Vision für mein künftiges Leben zu entwickeln, mich mit neuen Dingen zu beschäftigen, verrückte Träume zuzulassen und den Mut haben, das Gewohnte, das Unpassende hinter mir zu lassen.

Zuerst muss der Müll weg, damit Neues wachsen kann

Es kommt mir immer noch wie ein Wunder vor. Innerhalb weniger Jahre änderte sich mein Leben grundlegend. Ich hielt mich an jene Grundlagen, die mein Hausverstand nach Abzug des Mülls aus der Vergangenheit vorschlug:

– Akzeptieren, dass mich mein bisheriges Leben nicht dorthin brachte, wo ich hin wollte. Wie denn auch? Ich hatte keine Vorstellung von dem Leben, das ich führen wollte und konnte somit keine Entscheidungen treffen, die mich dorthin führten.

– Das Bewusstsein schaffen, dass ich alleine für alles was war, alles was ist und alles was sein wird verantwortlich bin.

– Die intensive Beschäftigung damit, wer ich sein und welches Leben ich führen möchte (aufschreiben!).

– Die Entscheidungen treffen, mir 1. dieses Leben zu schaffen und 2. dass ich alles alles dafür tun werde.

– Darauf vertrauen, dass ich es erreichen werde.

Es folgten konkrete Schritte, die ich im Rahmen meiner Möglichkeiten setzte.

Belastendes aufarbeiten, wegwerfen, beenden, verbrennen und aufhören, über Vergangenes nachzudenken.

Vom Wohlbefinden zur Glückseligkeit

Erste Erfolge stellten sich ein, die Zufriedenheit kam zurück. Ich war auf dem richtigen Weg.

Ich wurde mutiger, optimistischer und es passierten immer öfter wundersame Dinge, glückliche Gegebenheiten, die mir einen gewaltigen, zusätzlichen Schub gaben, mein neues Leben noch intensiver zu formen.

Wohlbefinden wurde zu einem natürlichen, permanenten Zustand. In diesem befinde ich mich aktuell, arbeite konsequent weiter * und empfinde gelegentlich Glückseligkeit.

Ich glaube fest daran, dass die Momente der Glückseligkeit häufiger und länger andauern werden.

Sollte ich eines Tages immer noch nach finanziellem und materiellem Reichtum streben wollen, bin ich davon überzeugt, dass sich dieser einstellen wird. Und wenn nicht? Völlig egal, ich bin längst in meinem wahren Leben angekommen.

Schenke dir selbst eine Rose

Die Rose im Titelbild ist für mich sowohl das Sinnbild für den Zustand, den ich erreichen werde, als auch die Metapher für den Weg dorthin. Sie ist edel, steht für Wohlstand und Reichtum. Ein Zeichen der Liebe, der Freude, der Glückseligkeit.

Gelegentlich wird eine Rose in ein Grab nachgeworfen, was ich mit Dankbarkeit für das Schöne in meinem früherem Leben (mit diesem Menschen, mit vergangenen Erlebnissen) verbinde.

Sie wird als Zeichen der Wertschätzung zum Abschied (was ich hinter mir lasse) und zur Begrüßung (was auf mich zukommt) verschenkt.

… damit Neues entstehen kann.

Entscheidungen treffen oder vom Zufall gefickt werden

Es liegt an mir, für welche Rose ich mich entscheide. Die verwelkte oder die frische, farbenfrohe Rose. Für vergänglichen Reichtum oder für Glückseligkeit.

Für die verseuchte Erde (meine Vergangenheit) oder der Suche nach einem neuen Feld, in dem ich den Grundstein für eine andere Version von mir lege.

Entscheidungen treffen heißt, mein Leben nicht dem Zufall zu überlassen. Das miese Jetzt zu akzeptieren oder wird schon irgendwie werden sind keine guten Lebenskonzepte.

Für mich ist klar, ein schönes Leben hat kaum etwas mit Geld, materiellem Besitz oder damit zu tun, meinen aktuellen Wohlstand aufrecht zu erhalten.

Ein schönes Leben ist das Streben nach Glückseligkeit. Alles Andere ist Zeitverschwendung und ein mutloses Zusehen wie die Zeit vergeht. Mutige Entscheidungen treffen, die mich dorthin führen wofür ich geschaffen wurde und nicht in dem immer gleichen Alltag herumstochern, der längst zu Tode geritten ist.

Mindfuck ist das, was wir täglich tun, wenn wir uns gedanklich selbst sabotieren. Wenn wir uns nicht trauen, obwohl wir wollen, wenn wir für andere funktionieren oder in Jobs und Beziehungen verharren, die uns schon lange nicht mehr guttun. Ein außergewöhnliches Buch: Mindfuck *


Titel des nächsten Artikels:

Burnout besiegen. Lasst uns Burnoutsider sein


Ich bin wie ich bin

Buchempfehlungen


*Anzeige

Schreibe mir eine E-Mail, wenn du magst:
Folge mir, ich würde mich freuen:

Kommentar verfassen