Ich bin wie ich bin

Erkenntnisse aus meinem Burnout

Arroganz ist mit das Schlimmste, was du mir vorwerfen kannst. Allerdings, ist es mein Problem, dass du die Bedeutungen von Aufrichtigkeit, Authentizität und Ehrlichkeit nicht verstehst? Ich bin wie ich bin. Verstehst du?


In meinem letzten Artikel beschrieb ich die Basics, mit denen ich mein Burnout überwand und die ich als festen Bestandteil in mein Leben integrierte. Mit Ich bin wie ich bin werde ich die zweiteilige Serie komplettieren.

Heute möchte ich ausführen, was das aus mir machte und zu welcher Persönlichkeit ich mich durch diesen überstandenen Abgrund entwickle.

Ich bin wie ich bin ist Authentizität pur

Dieser Spruch ist keine Ausrede dafür, zu faul zu sein, um an meinen Schwächen zu arbeiten. Es ist auch kein theatralisches Verhalten, um als maximal Selbstbewusst wahrgenommen zu werden.

Ich bin wie ich bin ist ein Statement gegenüber mir selbst. Etwas, das ich eines Tages mit einer entspannten Überzeugung zu mir selbst sagen möchte.

Die folgenden Punkte beschreiben das Erkennen eines Musters. Ich war das Gegenteil dessen, was du hier liest. Durch mein Burnout erkannte ich dieses Muster und begann es zu ändern. Was für eine glückliche Fügung des Schicksals.

Bond, James Bond. Was für ein Vollidiot

Einer der wichtigsten Tage meines Lebens war, als ich begann, mit meiner Familie und meinen Freunden über mein Burnout zu sprechen.

Dieser Schritt der Einsicht war hart und ich schob ihn lange vor mir her. Rückblickend war diese Geheimniskrämerei, und mich alleine gegen den Rest der Welt zu stellen, absolut stumpfsinnig.

Mit den Gesprächen über meine Ängste und psychischen Störungen begann der Weg raus aus diesem Abgrund namens Burnout und Depression. Über seine miesen Gefühle zu sprechen ist Burnoutside pur.

Ob mein Gegenüber dem gewachsen ist was ich ihm mitteile, ist eine ganz andere Geschichte. Wenn du möchtest, dass unsere Freundschaft auf Ehrlichkeit und Authentizität beruhen, dann finde einen Weg, wie du damit klar kommst.

Das Gegenteil würde bedeuten, dass wir uns weiterhin was vormachen, uns anlügen und eine Freundschaft pflegen, die derart seicht, wie ein Rinnsal inmitten einer Wüste ist.

Du Arschloch! Okay

Egal was ich mache oder nicht mache, was ich sage oder nicht sage, wem ich gegen das Schienbein trete oder wen ich umarme – es wird immer Leute geben, deren Erwartungen ich nicht erfülle.

Somit kann ich gleich tun, was ich für richtig halte. Was Andere von mir denken, wie sie über mich reden … es ist mir egal.

Du schimpfst mich ein Arschloch, einen elenden Mistkerl oder du behauptest, Arroganz sei mein Problem – okay, was gibt’s sonst?

Ich bin wie ich bin. Wenn das nicht reicht, Herrgott, was erwartest du? Mich deinen Vorstellungen, die du von mir hast, anzupassen, damit ich in deinen Augen kein Arschloch bin? Nochmal: Ich soll mich deinen Vorstellungen, die du von mir hast, anpassen?

Los, verändere deine Vergangenheit

Fehler, Scham, Schuldgefühle, falsche Entscheidungen usw. Das alles ist geschehen. Unwiderruflich. Ich brauchte lange, mich von vergangenen Ereignissen zu lösen und hielt mein Leiden aufrecht.

Klar, einiges musste ich klären, mich entschuldigen, Schulden begleichen und Fehler eingestehen. Jetzt ist es genug, die Vergangenheit kann mich mal.

Willst du eine andere, härtere, stets coole und künstliche Version von mir? Gehe zurück in meine Vergangenheit. Ich wünsche dir viel Spaß mit meinem früheren Ich.

Du möchtest streiten? Komm, lass’ uns lachen

Stolz ist eine Eigenschaft, die mein Burnout ebenfalls wegspülte. Aus diesem Grund ist es schwierig mit mir zu streiten. Dieses ganze Drama um Dinge, die völlig unbedeutend sind, Konflikte, die zu 99,99% auf Missverständnissen zurückzuführen sind … nein, das habe ich hinter mir.

Stattdessen verbringe ich meine Zeit lieber mit Menschen, die Spaß am Leben haben, die gerne lachen und die bereit sind, Missverständnisse in einem vernünftigen Gespräch zu klären.

Aufrichtigkeit ist das neue Stolz. Ich stehe aufrecht zu meinen Meinungen, moralischen Werten und Überzeugungen. Diese in einem vernünftigen, entspannten Rahmen zu diskutieren, unterschiedliche Standpunkte zu respektieren – das ist es, wie sich erwachsene Menschen verhalten.

Freunde sind auch nur Menschen

Das führt unweigerlich dazu, dass es manche Menschen nicht mehr in meinem Leben gibt. Und das ist gut, für beide Seiten.

Andererseits kristallisieren sich wahre Freundschaften heraus. Menschen, die zuhören und nicht nur reden; die bedingungslos helfen und die mich davon überzeugten, deren Hilfe anzunehmen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Freunde, die auch mal Fehler machen. Die ich dafür nicht verurteile, sondern loyal zu ihnen stehe und die auf mich zählen können.

Ich bin wie ich bin heißt, dich zu akzeptieren und respektieren, wie du bist. Mit all deinen Schwächen, schlechten Tagen und Macken, die mich zum Wahnsinn treiben.

Aber mit all deiner Authentizität, die ich an dir erleben möchte und die der Grund ist, warum du mein Freund für’s Leben bist.

Ein Leben = ein Weg

Mein Burnout nahm mir mein Selbstbewusstsein und gab es mir wieder zurück als ich endlich kapierte, dass ich nur dieses eine Leben haben werde.

Ich verstand, dass ich Zufriedenheit erfahren werde, wenn ich mein Ding mache. Also einen Weg der Aufrichtigkeit einschlage, der meinem Gefühl folgt.

Wenn es auch Rückschläge gibt, ich bin geduldig, verbiege mich nicht mehr um den Erwartungen Anderer zu entsprechen und vertraue darauf, dass alles gut gehen wird.

Lauf, Forrest, lauf!

Stress habe ich keinen mehr. Manchmal habe ich viel zu tun und hin und wieder muss ich mich beeilen. Allerdings nur noch für Dinge, die ich gerne mache.

Ich arbeite nicht mehr für die Verwirklichung der Träume eines Anderen. Darum muss sich derjenige selbst kümmern.

Ich engagiere mich für meine Träume. Dafür, was ich brauche, was mir wichtig ist und bei dem mir mein Gefühl sagt, wie sehr ich mich dafür reinknie.

Ich bin mir darüber bewusst, dass diese Aussage vor Arroganz tropft. Lies den Artikel bitte noch einmal von vorne, wenn mein Standpunkt für dich nicht nachvollziehbar ist.

Schwach ist das neue Stark

Nachdem ich als kleiner Junge stets hörte „ein Indianer kennt keinen Schmerz“, bin ich mittlerweile zu einem erwachsenen Mann gereift, der zu seinen Gefühlen steht und diese auch zeigt.

Nicht als Schauspielerei oder weil es mancherorts in ist. Nein, ich bin wie ich bin. Authentizität ist wie atmen; wehre ich mich dagegen, ersticke ich an den runter geschluckten Gefühlen.

Während meiner schlimmsten Depressionen nahm ich diese unfassbar starke Energie wahr, die hinter diesen mächtigen Gefühlen, hinter dieser abgründigen Schwäche stand.

Diese Energie versuche ich für etwas einzusetzen, was mich weiterbringt. Ich weiß heute, dass ich nicht nur vorwärts komme, wenn ich mich stark fühle. Der Erkenntnisgewinn durch meine Schwächen sagt mir wesentlich direkter, wo ich ansetzen sollte. Ich muss nur zuhören.

Der Verstand lügt, das Gefühl ent-täuscht

Endlich erkannte ich die Täuschung in meinem Leben, für die ich selbst verantwortlich war. Mein Gefühl befreite mich davon und meine Authentizität kehrte zurück.

Enttäuschung, das Wort beinhaltet alles was ich benötige, um mich und meine wahren Bedürfnisse kennen zu lernen. Werde ich enttäuscht, bin ich nicht mehr traurig.

Ich bin dankbar, meiner Wirklichkeit wieder ein Stück näher gekommen zu sein, dem Verstand ein Schnippchen geschlagen zu haben und meiner Persönlichkeit ein weiteres Stück Aufrichtigkeit hinzugefügt zu haben.   

Ich bin noch lange nicht am Ende

Es gibt kein Ende. Alle die hier angeführten Punkte werden mich ein Leben lang begleiten. Ich bin dadurch kein besserer Mensch, kein coolerer Hund und auch kein selbstbewusster, vor Arroganz strotzender Mistkerl wie Charly Sheen*.

Nein, ich bin wie ich bin. Das zu erkennen, das zu akzeptieren und mich bewusster mit diesem „Ich“ auseinanderzusetzen, das gibt mir ein völlig neues, intensives Gefühl von Authentizität, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit gegenüber mir selbst.

Die Erwartung, dass sich eine Katze meinen Vorstellungen entsprechend verhält, wäre ziemlich idiotisch. Sie ist wie sie ist, ihr Eigensinn ist Teil ihres Wesens und wir lieben genau das an Katzen. Warum machen wir aus uns etwas anderes, als das, was wir nun einmal sind?

Mich interessiert eure Meinung dazu! Empfindet ihr meine Haltung als Arroganz oder als Aufrichtigkeit? Schreibt mir eure Meinungen als Kommentar.

Ein Mensch, der Zeit seines Lebens viele Feinde hatte, sich ständig Arroganz vorwerfen lassen musste, als nicht gerade umgänglicher Zeitgenosse galt und doch Unfassbares leistete, ist Steve Jobs. Seine Biografie ist ein exzellentes Beispiel eines Menschen, der aus Erfahrungen lernte und gnadenlos seinen Weg ging: Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers*


Titel des nächsten Artikels:

Individualität. Der Verstand macht Werbung


Stress führt zu Burnout. Aber was führt zu Stress?

Buchempfehlungen


*Anzeige

Schreibe mir eine E-Mail, wenn du magst:
Folge mir, ich würde mich freuen:

8 Gedanken zu “Ich bin wie ich bin

  1. Ich denke, deine Haltung ist Aufrichtigkeit und Authentizität. Aufrichtigkeit und Authentizität vor Allem, dir gegenüber. Weil ich glaube, dass gerade Menschen, wie du einer warst, angepasst und den Vorgaben entsprechend, versucht zu leben, eben auf das „ich bin, wie ich bin“ vergessen und mehr wie „ich bin, wie ihr wollt“ lebt. Und in dieser Lebensweise sehe ich wenig Aufrichtigkeit, sich selber gegenüber, und damit kaum Authentizität dem Umfeld gegebnüber.
    Warum ich dieser Meinung bin? Ich bin selber daran mein „ich bin wie ich bin“ neu zu entdecken und zu leben. Deine Zeilen sind mir dabei oft Unterstützung oder ein Beleg, dass ich Ähnliches nicht alleine erlebe und auch meine Gefühle nicht einzigartig oder abstrakt sind.
    Danke, Silvia

    1. Liebe Silvia!

      DANKE für deinen Kommentar! Es freut mich, dass dich meine Zeilen ein wenig auf deinem Weg unterstützen. Du bist ganz bestimmt nicht alleine – wir schaffen das!

      Beste Grüße
      Roland

  2. Hallo
    Du schreibst ich bin wie ich bin als titel,und weiter in einem satz ich wünsche dir viel spass mit meinem füheren ich ,das warst aber auch du damals.Ist das, ich bin, für dich dan immer der aktuelle entwicklungsstand deiner Persönlichkeit oder ein ereichtes Ziel ?
    Ich bin wie Ich bin ,klingt für mich so als ob es nichts mehr in frage zu stellen gibt über mich für mich selbst und weiter zu entwickeln.
    Norbert

    1. Hallo Norbert,

      du spricht in deinem Kommentar zwei sehr wichtige Aspekte an, ich danke dir dafür!

      1. „Ich bin wie ich bin“ ist für mich weder ein aktueller Entwicklungsstand, noch ein erreichtes Ziel. Ich denke, dass wir alle so etwas wie eine fundamentale Persönlichkeit haben. Eigenschaften, die zu uns gehören wie unser Gehirn, unser Herz oder unser linker kleiner Zeh. 🙂

      Diese Eigenschaften zu akzeptieren und NICHT dagegen anzukämpfen, NICHT daran herumzuschrauben, halte ich für maßgeblich, um ein aufrichtiges Leben zu führen. Es soll mir niemand sagen, dass mein linker kleiner Zeh falsch ist, ich ihn an die Vorstellung anderer anpassen soll oder mich für ihn schämen soll. Er gehört einfach zu mir. Ich bin wie ich bin.

      2. Erst seitdem ich meine Persönlichkeit, meine fundamentalen Eigenschaften akzeptiere, gelingt es mir, mich weiter zu entwickeln. Ich weiß, wie viele PS ich habe, was ich kann und was ich brauche, kenne meine Schwächen und weiß, was zu mir passt.

      Ich muss mich nicht in Frage stellen, ich achte auf mein Gefühl. Dieses „sagt“ mir sehr genau, woran ich an mir arbeiten sollte, damit ich stetig der Persönlichkeit näher komme, die ich bin.

      Beide Punkte haben sehr viel mit Natürlichkeit zu tun. Ein Baum ist ein Baum, ein See ist ein See, ich bin wie ich bin. Weißt, was ich meine?

      Beste Grüße
      Roland

  3. Super beschrieben , ich stehe noch ziemlich am Anfang aber ich sage immer der weg ist das Ziel. Dank deiner Zeilen lerne ich sehr viel und über mich.
    Dankeschön

    1. Das freut mich sehr für dich, liebe Anna, dass du bereits auf (d)einem Weg bist! Niemals aufgeben, niemals! Dein Burnout möchte dir etwas mitteilen … hör‘ darauf!

      Ich wünsche dir alles Gute!

      Beste Grüße
      Roland

Kommentar verfassen