Ein Mann steht mit dem Rücken zur Kamera an einem Ausgang einer U-Bahn und lässt die Vergangenheit hinter sich. Die Sonne strahlt auf ihn herein.

Inside Burnout: Schatten der Vergangenheit

Die verdammte Vergangenheit ist gegenwärtig

Vor mir liegt mein Leben. In meiner Vergangenheit einige Bruchbuden, die große Schatten werfen. Deshalb hat mein Selbstvertrauen kein Selbstbewusstsein und ich komme nicht vorwärts. Burnout pur.


Der etwas dramatisch klingende Titel lässt darauf schließen, dass der Autor jetzt richtig losjammert. Über sein Burnout, seine furchtbare Vergangenheit, vielleicht seine ach so schlimme Kindheit und das viele Pech das ihm widerfahren ist.

Klar, ein Blog über Burnout bringt ein gewisses Maß an Egomanie, Selbstmitleid und Jammerei mit sich. Wer anderes erwartet, möge sich weiterhin die zahlreichen pseudo-motivierenden Sprüche auf Facebook reinziehen: Lebe jeden Tag als sei es dein Letzter. Geh bitte.

Diese verdammten Kerben

Über seine Vergangenheit, die eigene Kindheit oder das viele Pech zu jammern, ist wie Fett absaugen zu lassen und weiterfressen. Ebenso sinnlos ist es, sich sein Leben schön zu reden, obwohl es sich anfühlt wie die Wartezeit auf eine Wurzelbehandlung.

Die kleine taube Stelle an der Kuppe meines linken Zeigefingers erinnert mich daran, dass ich vor fünfunddreißig Jahren in die Brotschneidemaschine griff. Was für eine Sauerei. Überall Blut, ein Teil des Fingers hängt unmotiviert an einem Fetzen Haut. Meine fassungslosen Eltern reagierten zeitversetzt, aber immerhin.

Das Teil wurde am nächsten Tag angenäht, dicker Verband drauf, einige Tage Ruhe, fertig. Herrlich, solche Verletzungen.

Physische Narben können immer noch als Heldentum verkauft werden. Psychische Narben hingegen sind nicht heldenhaft. Sie sind der zurückgebliebene, stinkende Schlamm eines katastrophalen Hochwassers. Eine Kerbe, dessen Ursache längst behoben ist, die sich tief in sämtliche Zellen des Körpers einbrannte.

Wir haben alle unsere Leichen im Keller

Falsche Entscheidungen, gescheiterte Beziehungen, harte Schicksalsschläge, verlorene Konflikte, ungenutzte Chancen, vertane Gelegenheiten, peinliche Situationen, berufliche Misserfolge, erlittene Kränkungen, fiese Lügen, faule Ausreden, verweigerte Liebe, überraschende Enttäuschungen.

Manche schaffen es, diese Schatten der Vergangenheit zu ignorieren oder noch besser, sie als das zu sehen was sie sind: vergangen. Mir fahren diese Schatten wie eine Überdosis Schmerzmittel, als Zäpfchen, rektal verabreicht.

Mein Scheitern, meine Fehler und Niederlagen sind vergleichbar mit Bruchbuden. Die Schatten die sie werfen sind jedoch groß. Wie jene der eingestürzten Türme des World Trade Centers.

Der quälende Widerspruch

Wie ich den Herzschlag nach einem hundert Meter Sprint spüre, genauso spüre ich, dass etwas auf mich wartet. Jedoch, wie die wochenlang getragenen Socken eines Kanalreinigers, stinkt meine Mutlosigkeit.

Meine vergangenen Niederlagen werfen ihren Schatten auf meine Zukunft. Mein Selbstvertrauen zittert im dunkelsten Eck vor sich hin und sucht sein Selbstbewusstsein. Was ich auch versuche, die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns begleitet mich wie ein Trauerzug, der einem Sarg hinterherstolpert.

Dieser Widerspruch quält mich. Ich werde von einem Verlangen angetrieben, das dem Gefühl entspricht, als würde ich bereits das für mich passende Leben führen. Gleichzeitig hält mich eine Kraft zurück, eine alte Kraft aus der Vergangenheit, die unbezwingbar scheint.

Dieses eine Leben will gelebt werden

Ich schreibe diesen Blog unter anderem, weil ich vielleicht dadurch diese verdammte Blockade lösen kann und weil ich spüre, dass es vielen Menschen ebenso geht. Menschen, die unmotiviert vor sich hin leben, längst aufgegeben und sich ihrem mehr oder weniger trostlosem Schicksal ergaben.

Ich akzeptiere das nicht. Das Leben will gelebt und *. Es geht nicht um mehr, schneller, besser oder reicher. Es geht um passend, sinnvoll, harmonisch und authentisch.

Ich spüre, dass dieses Leben auf mich wartet. Ich will und ich werde diesem Impuls weiterhin folgen. Den Tag, an dem ich damit aufhöre, werde ich leben als wäre es mein Letzter. Weil er es dann sein wird.

Ein Buch, das mir sehr dabei geholfen hat, mich nicht ständig mit der unsinnigen Vergangenheit oder der ungewissen Zukunft zu beschäftigen ist
Jetzt! Die Kraft der Gegenwart*


Titel des nächsten Artikels:

Eifersucht sucht Liebe


Du lebst einen miesen Kompromiss. Nicht?

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4 Gedanken zu “Inside Burnout: Schatten der Vergangenheit

  1. Lieber Roland,

    bin gerade über deinen Blog gestolpert und hab jetzt mehrere Artikel gelesen. DANKE! Sehr schöne Texte.

    Hab vor einigen Jahren selbst am Burnout gekratzt und bin nochmal gut rausgekommen. Finde es toll, dass Du diesen Blog machst.

    1. Danke für den netten Kommentar Michael, das freut mich sehr!

      Noch mehr freue ich mich darüber, dass du dem Burnout noch einmal entkommen bist. Darf ich fragen, was bei dir der entscheidende dafür Faktor war?

      Beste Grüße
      Roland

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