Konflikte liefern das rettende Gift für dein Wohlbefinden

Konflikte mit Menschen führen dich zu dir selbst

Nichts zeigt mir besser, wie feige, stur, schwach und egoistisch ich bin, als meine Konflikte. Sie nicht zu lösen ist feige, stur, schwach und egoistisch.


Die Schlange im Titelbild hat euch hoffentlich nicht erschreckt. Wenn doch, schreibt mir bitte einen Kommentar oder eine E-Mail und wir klären das auf vernünftige Art und Weise. Es wäre absurd, würden deshalb Konflikte zwischen uns entstehen.

Missstimmungen resultieren unnötigerweise wegen derartiger Kleinigkeiten, also wegen nichts. Oftmals kennen wir nach einer Weile nicht einmal mehr den Auslöser für den Konflikt. Dennoch halten wir die unangenehme Situation am Laufen, schließlich wurde ich beleidigt, ungerecht behandelt oder nicht ernst genommen.

Ich meine nicht Konflikte im Sinne von körperlicher Gewalt, Kriege oder sonstige Bedrohungen mit Waffen. Das ist pathologisches Verhalten, dafür sind Ärzte zuständig.

Es gelingt uns selten, die wahre Natur eines Konflikts zu erkennen. Wir lassen uns von der eigenen Wut dominieren und akzeptieren dieses negative Gefühl als Ursache.

Konflikte machen aggressive Menschen

Sturheit ist ein Grund dafür, dass wir die Situation nicht klären, sondern beginnen, unsere Wut auf den Anderen vor uns selbst zu rechtfertigen. Dass der Andere in den meisten Fällen ich selbst bin, spielt keine Rolle.

Ich war nie ein streitsüchtiger Mensch. Noch Jahre von meiner Diagnose Burnout und Depressionen entfernt, häuften sich allerdings die Situationen, in denen ich bei einer Diskussion diesen unangenehmen Druck in meinem Bauch spürte.

Verlief ein Gespräch nicht nach meiner Vorstellung oder war ich einer Kritik, einem Vorwurf oder dergleichen ausgesetzt, empfand ich diesen Schmerz. Meine Reaktion war Angriff. Ich wehrte mich, wurde verbal ausfällig, zog mich schmollend zurück und begegnete meinem Umfeld mit einer aggressiven Körperhaltung und Rhetorik.

Ich bin der Richter, der Henker und das Opfer

Tage- und nächtelang beschäftigten mich diese Konflikte. Ein Gedanke an eine Person, mit der ich mich aus meiner Sicht in einem Konflikt befand, genügte, dass sich dieser Druck in meinem Bauch breit machte.

Mein Verstand schmiedete Rachepläne, suchte nach Rechtfertigungen für mein Verhalten und nach Beweisen für die alleinige Schuld meines Kontrahenten. Dieses Gift breitete sich in mir aus, führte zu Kopfschmerzen, Verspannungen und hinderte mich, schöne Dinge zu tun.

Ich war das Opfer und kostete diese Rolle in vollen Zügen aus. Mein Leiden wurde stärker und die Wut auf denjenigen heftiger, den ich als Täter verurteilte und gedanklich qualvoll bestrafte.

Burnout ist ein Konflikt

Wie bereits mehrmals erwähnt, es war nicht die eine Sache, die mich in ein Burnout abdriften ließ. Meine Konflikte waren ein Teil davon. Oder, um es von einer anderen Seite zu betrachten: Burnout ist ein Konflikt.

Ein innerer Konflikt zwischen dem was sein sollte, was ist und was ich bei diesem Widerspruch empfinde. Je mehr ich mich von meinen Gefühlen dominieren lasse, desto aggressiver gehe ich in eine Auseinandersetzung, trage also meine eigene, innere Zerrissenheit nach außen. Im schlimmsten Fall schmeiße ich all meinen Frust auf jemand anderen.

Karten auf den Tisch

Es erscheint heute eigenartig, dass ich mir meiner Konflikte, und dem damit einhergehenden Leiden, bewusst war, jedoch nichts dagegen unternahm.

Ich wusste, wer mich verärgerte, wie diese Auseinandersetzungen entstanden und wie ich sie hätte klären können – tat es aber nicht. Stattdessen führte ich Selbstgespräche* und suchte nach Argumenten die meine Haltung untermauerten, bis ich mich im Recht fühlte.

Es machte keinen Unterschied, ob es sich um einen Disput mit einem anderen Menschen handelte oder um einen Konflikt mit mir selbst. Am Ende stand ich immer als Sieger da. Alleine.

An diesem Punkt wurde mir die Absurdität meines Verhaltens bewusst. Ich bin alleine mit all der Wut und Aggressivität, treffe mich selbst, werde schwach. Ich lasse meinem Egoismus freien Lauf, in dem ich mich in die Opferrolle begebe und ein schleimiges Bad darin nehme.

Mit meinem Gegner zusammenarbeiten

Mittlerweile gehe ich völlig anders damit um. Ich befreie mich von meiner Sturheit und biete ein vernünftiges, klärendes Gespräch an. Von Angesicht zu Angesicht, nicht in einem Chat oder einer ähnlichen Mauer, hinter der sich mein Gegenüber oder ich mich verstecken kann. 

Meine Feigheit hielt mich früher davon ab, auf diesen Menschen zuzugehen und mich dem Disput zu stellen. Einfach ist es immer noch nicht, aber mich mutig dem Konflikt zu stellen, fühlt sich richtig an, macht mich selbstbewusster und befreit mich von dieser Belastung.

Ein voller Mülleimer muss früher oder später entleert werden, abgefahrene Reifen gehören gewechselt, eine infizierte Wunde behandelt, eine kaputte Waschmaschine repariert und ein Konflikt geklärt.

Die Situation wird ansonsten noch schlimmer. Nicht nur die Beziehung zu diesem Menschen, auch mein innerer Druck, mein Leiden. Die Klärung vor mir herzuschieben ist sinnlos und feige.

Das Leben ist zu kurz für Konflikte

Willigt mein Gegenüber nicht ein oder ist bei dem Gespräch auf Streit aus, lasse ich die Sache vorerst auf sich beruhen und starte zu einem späteren Zeitpunkt einen neuerlichen Versuch.

Kommt es weiterhin zu keinem vernünftigen Austausch, ist die Sache für mich erledigt. Mein vermeintlicher Kontrahent stellt sich nicht seinem eigenen Konflikt. Dafür halte ich nicht meinen Kopf hin. Dafür bin ich nicht verantwortlich.

Das mag egoistisch, hart oder überheblich klingen. Von mir aus. Ich sehe mein Verhalten als Selbstschutz und lasse nicht zu, dass mir jemand seinen eigenen Konflikt umhängt. Ich bin keine Zielscheibe, keine Mülltonne und kein Sandsack, auf dem jemand seinen Frust ablädt.

Die falsche Schlange mit ihrem eigenen Gift besiegen

Bei meinen eigenen, inneren Konflikten bin ich noch am üben. Spüre ich Wut, Hass oder Aggression in mir aufsteigen, erkenne ich sofort, dass es meine Wut, mein Hass und meine Aggression ist. Das hilft mir, nicht sofort in den Angriffmodus zu schalten, mich zu beruhigen und zu überprüfen, was hinter diesen negativen Emotionen steckt. In einem anderen Artikel führte ich bereits aus, alle meine Gefühle anzuschauen.

So giftig Konflikte und die damit verbunden Emotionen sind, so wertvolle Hinweise liefern sie, wo all diese Wut in mir und meinem Leben herkommt. Bin ich mir darüber erst einmal im Klaren, habe ich die Möglichkeit mich mit dieser Wut zu beschäftigen.

Mein Leben wurde entspannter. Konflikte zeigten mir meine emotionalen Schwachstellen, machten mich achtsamer, mutiger und umgänglicher.

Deshalb verwende ich heute mit ruhigem Gewissen eine Schlange als Titelbild. Es steckt keine böse Absicht, keine Provokation dahinter. Führt mein Verhalten dennoch zu einem Konflikt, habe ich ein funktionierendes Werkzeug, mit dem wir beide die Sache vernünftig aus der Welt schaffen und weiterhin unser Wohlbefinden genießen können.

Wie gehst du in deinem Leben mit Konflikten um?

Dieses Buch liefert einen Ausweg aus den sich ständig wiederholenden Konflikten. Erkenne darin das Muster von Beziehungen und Konflikten: Spiele der Erwachsenen *: Psychologie der menschlichen Beziehungen


Titel des nächsten Artikels:

Burnout live: Ein Rückfall


Burnout auf Drogen macht auch keinen Spaß

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10 Gedanken zu “Konflikte liefern das rettende Gift für dein Wohlbefinden

  1. Ein sehr offener Beitrag, da gebe ich dir Recht – Burnout ist ein Konflikt ich zähle ihn zu der Gruppe Konflikte mit sich selbst! Finde deine Offenheit genial!

  2. SÜÜÜÜÜÜÜsses Tierchen, superschickes Kleidchen hat ’se an – und so’n freundliches Grinsen noch dazu…!!! Also: Nö, Schlange kein Konfliktfall – aber wir sollten ja was dazu sagen, sachste 🙂
    Aaaalleraberdings:

    WIE machst Du das mit dem „Sache für mich erledigt“, wenn Dein (gefühlter) Kontrahent bzw wenig harmonie-absichtiges Gegenüber das von Dir beschriebene Verhalten zeigt, sprich: Streitlust/-absicht, auch bei wiederholten Klärungsversuchen abblockt, offensichtlich mehr an „Gewinnen“ und Projektion/Abwertungs-Mustern interessiert bzw von selbigen getrieben scheint/ist?!????… So ja leider bei (in manchen Fällen dringlichst zu vermutender) NPS oder „wenigstens“ ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitsanteilen der Fall?
    Und wie handelst Du das innerlich, wenn so jemand vllt noch zu Deinen wichtigsten (Familien-)Menschen gehört, diese Konflikte bereits lebenslang existieren – und das eigene (Selbst-)Heilungsbestreben hinsichtlich des Burnouts nicht nur wennmanganzehrlichzusichselbstist bedingen und behindern?
    *grübel*
    Tust Du das dann ganz rational als „Hirnfurz“ für Dich ab, dass Dich Manches eben so sehr tangiert, dass sich das nicht mit „Themaerldigt“-Entscheidungen (rational-gedanklich versus seelisch-emotional) „erledigt“ – und dann IST es auch erledigt?!
    Klingt halt so einfach bei Dir.
    Wie: „musste halt bloß entscheiden, und dann isses weg und gut.“
    Wie löst das/Du die damit einhergehenden körperlichen Beeinträchtigungen, Blockaden, etc.pp.?
    Ich persönlich bin auch definitiv überzeugte Anhängerin der Eigenverantwortungstheorie – aber bei manchen von uns (outgeburnten) hat ja oft auch GERADE DAS massiv mit zu unserer Krise beigetragen:
    dass wir schon von Kleinauf dazu hingepresst, es in unsere Hirne, unsere Seelen und ganzes SEIN gedrillt wurde, dass WIR verantwortlich sind:
    und GERADE für alle Konflikte, für Gelingen oder Scheitern selbiger und damit zusammen hängend Gedeih oder Verderb von Beziehungen jeglicher Art und Couleur; und später haben wir diesen Drill schön brav und automatisiert weitergeführt – und nehmen uns alles zu Herzen, versuchen, mit immer NOCH MEHR Engagement, Leistung, Selbstreflexion, An-uns-Arbeiten (Eigenverantwortung ist ja für uns DAS Mantra!) usw usf zu erkennen, zu lösen, zu ent-blockieren…
    …bis nichts mehr geht – und dann… sind auch wieder WIR dafür verantwortlich.
    Und die zaghaft aufkeimenden Überlegungen zu: Bin ich vllt selbst auch Opfer gewesen im Leben, haben Andere vllt auch Eigenverantwortung (der sie aber nicht nachkommen) usw sind dann aber auch wieder zu verteufeln – weil: wäre ja bösesböses „Selbstmitleid“ oder „Gejammer“.
    🙁
    🙂
    Weisst Du, was ich meine?
    Ich fühle mich LEIDER!!! auch immer gleich „selbstmitleidig“, wie Du es beschreibst – aber was hälst Du von der Idee des SelbstmitGEFÜHLS?
    Also Anerkennen des Faktums, dass uns Ausgebrannten durchaus Ungutes angetan wurde und zu unserem Zustand beigetragen hat?
    Dass ein bisschen Abgabe von Verantwortung(sgefühl für alles und jeden) heilsam sein könnte und nichts per se Negatives ist?
    Im systemischen Sinne?
    Klar: die Dosis macht das Gift, alles immer schön in Balance, Deine Wahrnehmung bestimmt Deine Realität, Gesetz der Anziehung/Resonanz etc… – aber dieses „Feigesein“ bzgl Konflikten und ihrer Lösung kann irgendwann auch bedeuten, dass man einfach nur absolut OHNMÄCHTIG ist, dass man manchmal vllt (?) erkennen sollte, dass Konflikte eben – auch aus Gründen von Krankheitswert seitens des Gegenübers – NICHT immer durch „Mut“ und die Flucht nach vorne aufgelöst werden können – und schon der Versuch wider besseres vorheriges Wissen einen eher noch kränker machen kann – weil man nur wieder und wieder sein Scheitern erlebt – plus Megastress, Vorwürfe, noch mehr Depression, Ängste, psychosomatische Beeinträchtigungen, Leere und gefühlte Sinnlosigkeit…
    Excuse-moi, ich weiss, sehr viel Worte zu Deinen Gedanken 🙂
    Aber die Schlange ist total süß.
    Wie gesagt.

    Alles Gute Dir! Toller Blog!

    1. Hey Moe!

      Sensationeller Kommentar, danke! Ich lese ihn immer wieder, muss lachen, nachdenken und entscheiden, ob ich dir ein Angebot als Texter für meinen Blog machen soll.

      In jedem Fall hast du den, zwar materiell/finanziell völlig wertlosen, aber ehrenvollen, Preis für den längsten Kommentar auf meinem Blog gewonnen. Gratuliere! 😉

      Das Wichtigste zuerst: Du hängst in einem Burnout – ich fühle mit dir! Nein echt, das wird oftmals nicht ernst genug genommen und bei all dem Zeug, mit dem sich Betroffene beschäftigen und den vielen „guten“ Ratschlägen, die auf einen einprasseln, geht es mir darum, einfach mal zu sagen: Hey, ich fühle mit dir, du bist nicht alleine!

      Moe, du kommst daher wie die Selbstreflexion in Person. Machst dir viele Gedanken, ha? Suchst einen Weg raus aus dieser Scheiße und findest doch nur immer neue Abzweigungen, Wege, Richtungen, Sackgassen und Einbahnen? Alles klar, kenne ich!

      Im Grunde gibst du dir sämtliche Antworten auf deine Fragen in diesem Kommentar selbst. Ich will jetzt nicht auf Therapeut oder so machen, denn das bin ich nicht, aber dein wacher Verstand weiß bereits, was zu tun ist.

      Diese „Sache für mich erledigt“ Sache ist im Grunde ganz einfach. Wie erledigt man eine „Sache“ am Besten? Indem du sie beendest! Stopp sagst! Deinen eigenen, egoistischen Weg gehst wie ein verdammter Mistkerl!

      Wenn ich mit jemandem seit Jahren einen Konflikt habe, dieser jemand mir nur noch auf’n Sack geht, mich provoziert und Blockaden in mir auslöst, tja, dann sag ihm: Nimm dir auf deinem Weg ein paar Gummibärchen mit und schließ die Tür zu, von außen und wirf den Schlüssel weg!

      Ist hart, nicht? Nein, ist es nicht. Hart ist, diesen quälenden Konflikt mit dir rumzuschleppen. Klar, wenn das ein enges Familienmitglied ist, ein „guter“ Freund oder so, kannst den ja nicht vor die Tür setzen. Doch kannst du!

      Wir tun es nur nicht, weil es sich nicht gehört, weil wir anders erzogen wurden, dass das Leben nun einmal hart ist und wir uns auch was gefallen lassen müssen.

      Eine Frage zwischendurch: Wie viele Leben hast du? Jetzt rein statistisch, wissenschaftlich, realistisch? 3, 2, 1, 1/2 noch?

      Selbstmitgefühl, wie du es so toll nennst, ist das Wichtigste überhaupt. Das ist es, wie ich Egoismus definiere! Aber, Verantwortung abgeben? Nö, nicht cool. Vertrauen in jemanden haben (können), genial! Aber die Verantwortung gebe ich nicht her, die ist meins! Da kommt sonst noch jemand und erledigt für mich Dinge, denen ich mich längst stellen sollte – na soweit kommt’s noch!

      Moe, es klingt bei mir nur deshalb so einfach, weil ich es mir Jahrzehnte schwer gemacht und es mir in meinem Leid bequem eingerichtet habe. Ich wollte, nein, ich konnte nicht mehr.

      Ja, und ich mach’s mir auch ein wenig leicht, weil mein Zeug sonst niemand liest (das bleibt aber jetzt unter uns, cool?).

      Du kennst deinen Weg raus, Moe, mach’s dir auch leicht, gehe diesen/DEINEN Weg und werde ein Burnoutsider!

      Beste Grüße
      Roland

  3. Uuuuuiiiiiiiiiiiii… ein Preis, ein Preis, YaaaaaaaaaaaaaaaaaaaYyyyyyyyyyyyYYYYYYY…!!! :)))

    (…und was ist schon Geld?! Letztlich ja doch bloß eine in spezieller Zusammenrottung winzeligster Atommolekülwhateverteilchen befindliche Form, also Materie, der wieder anders zusammengehäufte Atommolekül……, halt wir Menschlein, eine grotesk-traurig-fragwürdig
    überhöhte Bedeutung beimessen, findich)

    Daaankeschön – den letzten Preis gab’s glaubich ’86 in der Dritten bei den (bekloppten, ick vasteh den Sinn davon bis heute nich…!) Bundesjugendspielen – war allerdings nur ’ne Urkunde.
    Aber – auch hier „glaubich“ – immerhin 918 Punkte (von keineAhnung bestimmt 20x so vielen).
    Aber eben auch nur ne Teilnehmer-Urkunde (was soviel heisst wie „naguuut – zumindest erschienen und nicht per mütterlichem Entschuldigungsschreiben der öffentlichen Demütigung in zu engem weiss-roten vom promovierten Onkel geschenkten Kindersportdress ferngeblieben und hinsichtlich der persönlichen Trauma-Ratingskala einem weiteren feige entgangen. Mit frdl. Grüßen.“

    Hm.

    Nein, echt, dolle Danke – vor allem, dass man Dich mit ein paar seiner wirren Gedankenspaghettoni (so wie diese AntiDemenzAlteLeuteRätsel in Apothekenzeitschriften, wo man durch so nen Haufen Fadenknäuelgewirrs irgendwie die Maus zum Käse bringen soll und drei von vier Fäden immer blöd ins ziellose Nix führen 🙂 ) punktuell aufgeheitert gekriegt hat – dösisja immer gesund, heisst es, fördert die Durchblutung – und das kannn man ja immer gebrauchen im Leben.

    Hmhm.

    „Selbstreflexion in Person“ werte ich jetzt mal ganz mutig nicht als augenzwinkernd-ironisch-sarkastischen Hinweis auf einen – wenndann – wirklich UNbeabsichtigten arroganten Nachgeschmack meiner Ausführungen und sage mal:

    Joa. Doch. Watwillmamachen.
    Fluch wie Segen. Klingt auch schon wieder arrogant…

    Nein, man bemüht sich. Mix aus Anlage und Erziehung, schätzich. HSP-Standardmacke 🙂
    Ich mag zwar keine Schubladen, aber manchmal erleichtert es doch ein inhaltlich-gedankliches zusammenkommen und Verstehen, wenn man dem jeweiligen Kind einen Namen geben kann.

    So wie „Burnout“ als Schlagwort, obwohl das SOOOOOOOOOOOOOOOOOOOooooooooooooOOOOoo Vieles ist und sein kann und nach Ansicht Mancher ja sogar auch wieder Nix.

    Aber ich glaub, völlig ungeachtet, wo das nun „her is“ mitm Gedankenmachen, dass man zu den „Hochsensiblen“ gehört, prädestiniert qua Grund-Formatierung der eigenen Festplatte eben ganz pragmatisch und nüchtern formuliert zu gesteigerter Hirnaktivität ( nicht immer gut, schon gar nicht für einen selbst), permanenter, fast eigenständiger Selbstreflexion (warum,weshalb,wieso,werwiewannwoherwohin…AAAAAaahhhh…!!! *g* – AUCHnicht immer gut für einen selbst und dolle anstrengend), nur schwer in der Intensität beeinflussbarer Wahrnehmung sämtlicher Sinnesreize und deren Verwertung im Innen und Außen –

    UUUND eben in der Folge auch für ein schickesfettes Burnout (wie hier ja alle wissen: am AAAAAALLERwenigsten gut für einen selbst).

    Aber klar ist man trotzdem dafür verantwortlich, irgendwann mal wieder Kapitän aufm eigenen Kahn zu werden und da nich die ganze Besatzung plan- und zügesllos nur noch wild rumfeiern zu lassen, dass sich der Kap’tein so viel gefallen und ihnen durchgehen lässt (Gedanken- und Emotionenkontrolle), während die olle Jolle führerlos durch die stürmischsten Untiefen, äääh Meere, Wasser, schippert.

    Wozu ich noch loswerden mag, dass ich fürchte, mich hinsichtlich der „Abgabe von Verantwortung“ missverständlich ausgedrückt zu haben:

    Ich meinte das natürlich nicht im Drücken vor selbiger für sich und das eigene Leben.
    Aber wohl so, wie mich eine Therapeutin in der Tagesklinik Anfang des Jahres (zu recht? Zu re cht!) fragte:

    „Frau *** – wenn Sie mir erzählen, dass Sie mit der Maxime leben, immer zu 100 Prozent für das, was Ihnen widerfährt und andere mit Ihnen machen, verantwortlich und allein Schuld zu sein – was halten Sie denn da rein rechnerisch für wahrscheinlich, wie hoch der prozentuale Anteile bei Ihrem jeweiligen Gegenüber ist? Wenn Sie ja schon 100 Prozent verantworten?“

    Ich muss sagen, das hat mich – ketzt der Innere Kritiker, der alte Pis***, auch sein Dauerlied von „Aha, glaub der Tante kein Wort, die will dich nur verführen, anzunehmen, dass du besser als du denkst bist und doch nicht immer Schuld sein sollst, das wär‘ ja Selbstverarsche!“ – wenn auch nicht überzeugt, wohl aber nachdenklich (haha) gemacht.

    Weil, bei aller Eigenverantwortung, eben auch von Manchen gnadenlos ausgenutzt und geschickt getriggert wird, seine Fähigkeiten immer und ständig Anderen zur Verfügung zu stellen;

    „mit gutem Beispiel voran zu gehen“, wenn das ja schon so viele Mitleute nicht tun, wollen oder können, jedenfalls nicht tun und in Konflikten der einlenkende und Dauer-Verständnis-Part zu sein;

    individuell als schlimm bewertete Konsequenzen angedroht werden, sollte man nicht (mehr) bereit sein, für alles und jeden jederzeit auf der Matte und gerade stehen zu wollen;

    U.V.M.

    Und DAS meine ich mit „Abgabe von ein bisschen Verantwortung“:

    Dass mein Ggü eben AUCH diese Eigenverantwortung hat – ob er sie nutzt und zu ihr steht, ist ja ne ganz andere Sache.

    Ich find, in manchen Situationen gestaltet sich die Definition dieses Begriffes eben auch mal dahingehend, dass sie rein darin bestehen kann, dass ich akzeptiere, dass es Umstände gibt (Krankheiten, Traumatisierungen, Schicksalsschläge im landläufigen Sinn, also jedwede als „höhere Gewalt“ erlebte/empfundene Situation), die implizieren, dass ich erstmal ausgebremst oder gehindert werde, für wirklich uneingeschränkt ALLES verantwortlich zu sein; sprich zB Introjekte, die mächtiger sind als bewusstes, rationales Wollen – und sich (was ich noch wichtiger finde im Lösungszusammenhang und der Suche nach dem individuellen diesbezüglichen Weg) – eben leider durch alles rationale (Entscheidungen und „egoistisch“ sein zu wollen usw rein durch Worte und klaren Menschenverstand nicht auflösen lassen.

    Da sitzt ganz viel im limbischen System (wenn ich nicht grad totalen Mist „rede“!), welches ja auch die psychovegetativen Vorgange regelt (?man verbessere mich bitte ggf!!!), ebenso Steuerungsvorgänge des Körpers – wo alles mit irgendwelchen Emotionen gekoppelt gespeichert ist – und quasi vereinfacht gesagt auch nur oder wenigstens vorrangig über Methoden, die über die körpertherapeutische Ebene arbeiten, auflösbar sein sollen (angeblich).

    Was widerum ein wichtiger Gesundungs-Aspekt im Burnout ist, sich da nicht auch noch zu zerfleischen, weil man nicht so recht voran kommt (oder das zumindest glaubt – wir neigen ja immer gern zur naiven Kurzsichtigkeit und schrumpfen in unserer Vorstellung die Zeit, die wir uns zum Gesundwerden zugestehen – so vage die auch ist – mal eben Ursache-Wirkung-Änderungs-technisch so unrealistisch putzig klein zusammen, wie das nichtmal Doc Brown mitm Flugskompensator in „Zurück in die Zukunft“ schaffen würde.

    UND verzweifeln denne an uns, weil wir mal eben hübsch übersehen, wie lange wir gebraucht haben, uns uns selbst immer effektiver und nachhaltiger und sehr beeindruckend zu entfremden (vgl. auch individuelle BO-Symptome!) und uns runter zu wirtschaften.

    UND das KörperGeistundSeele vllt zu recht auch erstmal so hundemutt und kapüde (Wortschöpfung meines besten Freundes Peter! :*) wie beleidigt sind – und ersma mucksch und voll keinen Bock mehr haben, mit uns zu spielen, weil wir ihnen ggf jahrelang nur das Schäufelchen um die Ohren geballert haben, anstatt sie ihnen mal zu leihen.

    Würdich auch nicht an deren Stelle.

    Weiss ich JETZT und HEUTE und tut mir mir selbst ggü aufrichtig und heftigstdolle Leid!!!
    Und ich geb mir ganz viel Mühe seit knapp zehn Monaten, ihnen die Beulen zu kühlen und rauszufinden, was sie gerne hätten und womit ich sie mir wieder vertraut machen kann und sie mir irgwann verzeihen.

    Aber eben auch: War offensichtlich mein Weg – und so gruselig und ermüdend, kräftezehrend und verf***tkackscheissbeschissen manche Phasen auch waren und manche Tage immer noch sind:

    es hat mich auch gezwungen, meine Trägheit mir selbst ggü zu überwinden und – geht bei uns Klugscheissern putzigerweise erkenntnismäßig oft erst, wenn wir ganz unten sind gefühlt und nüx mehr geht – ganzganz viel Neues auszuprobieren, was mir helfen könnte.

    Gibt immer noch fette Blockaden, grad was Gefühle angeht (und huuuuiiii, ich hab da ernsthaft NIE drüber nachgedacht, was ich so fühlen könnte – weil, man ist ja schon n Mädchen, und DAS Problem dürften doch wohl nur die Junx haben – wie schönbescheuert und spektakulär hintern goldenen Brett vorm Kopp sich selbst ggü versteckt, voll coole Glanzleistung!), Panik, Angst und die kotzebekackten diffusen Unruhezustände.

    Aber chemisch runterfahren und leicht „wegdröhnen“ kommt für MICH (KEINE !!! grdstzl. Ab-Wertung von Psychopharmaka an sich) grad nicht so infrage.

    Man muss echt wieder lernen, sich selbst zu vertrauen. Und ggf die ein oder andere unpopuläre Entscheidung treffen.

    Wozu auch klar der von Dir benannte Egoismus gehört – und ich erinnere mich gut, wie eindrücklich das auch in dem Wandel-Kongress-Interview von Dir rüber kam.

    Haste recht. Nur sind das individuell gesunde und „angebrachte“ Ausmaß sowie die jeweilige Definition dessen bisweilen ordentlich unterverschiedlich;

    Deine klingt mir „radikaler“ – auch hinsichtlich Konflikten – GERADE, weil man nur EIN (bewusstes) Leben hat/zu haben scheint, soweit der aktuell akzeptierte Stand der Wissenschaft -, als ich es mir/mich wohl trauen/erlauben würde.
    Ich definiere mich (leider?) einfach zu sehr auch über die paar wichtigen Menschen in meinem Leben, als dass ich es riskieren könnte (gefühlt), einen davon zu verlieren (und ja, ich weiss, spirituell betrachtet ist Anhaftung reine Illusion).
    (Naja, und in meinem Berufsbereich – Altenpflege – steht Egoismus, jdf der GESUNDE, sowieso unter Dich in der beruflichen Szene vernichtender Höchststrafe.)

    Was aber auf jeden Fall bei Konflikten hilft, ist, wie Du im grdstzl. BO-Zusammenhang sagst und ich genauso sehe, ein/e verlässliche/r Partner/in(, gute (!) Freunde oder andere wichtige Menschen).

    Der/die dann auch gar nix „Besonderes“ machen muss. Find ICH.

    Da sein, er/sie SELBST sein, einfach eben verständnisvoll, aber auch nicht bemitleidend (!!!); er/sie muss sich auch gar nicht besonders für die Thematik BO interessieren über das Maß hinaus, dass er/sie braucht, um verständnisvoll sein zu können.
    Mir hilft es zB sehr und total, dass ich ganz normal (!!!) behandelt werde, eben ab und an auch mal sagen kann, was mir heut zu viel ist – und v.a.:

    mit dem/der ich auch mal über meinen Zustand „ablästern“ kann, mit dem/der ich mich gemeinsam über die ganzen großen und kleinen Absonderlichkeiten meines BOs amüsieren kann – wie zB das mir bis dato nicht bekannt gewesene Faktum, dass man ab dem 6. Monat AU wegen psychischer Erkrankung (zumindest in Deutschland) offiziell als „seelisch behindert“ gilt.

    Womit Partnerschaft ja dann irgendwie zu nem Inklusions-Projekt wird.

    (Cool, das Bild gefällt mir *freu*)

    Und ich dann doppelt dankbar und froh bin, dass ich zumindest noch gerade laufen, und allein essen und auf Klo kann :)))

    Is doch auch was. Achtsam und dankbar auf Sachen kucken (jaa, ich weiss, aber ich mag das Wort nicht mitm „g“…), eben „Ressourcen-orientiert“.

    Und – ich will hier ja keine Werbung machen, aber – was MIR persönlich geholfen hat und wo ich dran bin und bleibe im Selbstversuch sind zB JinShinJiutsu und Ohrakupunktur, seeeehr spannend!!!!

    Hey cool, es regnet (finde ich grad in depressiven Phasen sehr schön und beruhigend sowieso)…:)

    ___________________________________

    Oooookayokay… JETZE aber ohne Abendbrot ins Bett (bzw ohne Frühstyk aus Bett raus) – den armen fremden Menschen so endlos zugetextet!
    Aber ich hatte eben geschaut, ob Du meinen Kommentar kommentiert hast – und tadaaaaaaa!!!:
    Tatsächlich 🙂

    Was ich schon nicht selbstverständlich, aber umso ehrenvoller und schöner und total „lieb“ finde, dass Du Dir da immer die Mühe zu machen scheinst, die Leute persönlich an zu sprechen, das hat echt Stil – und ist eben nicht alltäglich (aber okay, wann lese ich auch schon mal nen Blog normalerweise?!.. 🙂 )

    Ich wollte hier jdf nicht Deinen Kommentarbereich zuspammen, und Du kannst es ja auch einfach sofort wieder löschen – aber ich wollte Dir einfach gerne antworten, hab aber keine Kontakt-e-mailAdresse gefunden.

    Und wünsche Dir jetzt einen im Wortsinne Guten (!) Tag, nette Leute oder auch ganz viel Ruhe – halt, dass Du bei DIR sein kannst und es Dir wohl ergehen möge!

    Beste Grüße zurück!

    Moe

    1. Hey Moe!

      Natürlich werde ich deinen Kommentar nicht löschen! Im Gegenteil, ich bin dir sehr dankbar dafür, dass du dir die Zeit nimmst und deine spannenden Gedanken mit uns teilst!

      Und noch was: Du bist sicher nicht „seelisch behindert“. Schon gar nicht, weil das eine Behörde so klassifiziert. Die sollen sich ihre Bewertungen sonst wohin stecken … Was ist normal, was ist der Standard und wer definiert das, verdammt nochmal?

      Du bist anders, einzigartig – und was du daraus machst – oder auch nicht – das macht dich als Menschen aus!

      Ich gehe noch einen Schritt weiter: Seelisch behindert ist das neue Normal! Rock ’n‘ Roll, Baby 🙂

      Liebe Grüße
      Roland

  4. Da sagste was!… :)))

    Wie ein sehr netter, aber noch unsicherer Mit-Patient („Patient“ hat irgwie immer diesen Kack-Beigeschmack von „Klappe halten, wer sich nich auskennt – und WÜRDSTE dich auskennen, wärste ja nich HIER!?“) damals in der Tagesklinik sagte, als ich sinngemäß dasselbe in den Raum geworfen hatte, nämlich dass wir Betroffenen so krank (krank?) sind, weil das eigentlich ne gesunde Rest-Reaktion unserer Körper und Seelen ist:

    „Hä?! Willst du etwa sagen…die da DRAUSSEN und die Gesellschaft sind die Kranken…?! Und WIR eigentlich die Normalen?! SOWAS darfste aber niemals laut sagen hier!“…

    Ich hab damals gelacht – aber später fand ich’s voll traurig… weil sich sowas „Revolutionäres“ (m.E. eher NAHEliegendes!!!) irgwie keiner zu denken, zu sagen, geschweige denn zu glauben bzw zu ERKENNEN traut…

    Rock’n Roll is gut!!! Yaaayyy…!!!

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