Eine giftige Schlange, sie steht symbolisch für Konflikte, kriecht auf Ästen und hält Ausschau nach Beute

Konflikte liefern das rettende Gift für dein Wohlbefinden

Konflikte mit Menschen führen dich zu dir selbst

Nichts zeigt mir besser, wie feige, stur, schwach und egoistisch ich bin, als meine Konflikte. Sie nicht zu lösen ist feige, stur, schwach und egoistisch.


Die Schlange im Titelbild hat euch hoffentlich nicht erschreckt. Wenn doch, schreibt mir bitte einen Kommentar oder eine E-Mail und wir klären das auf vernünftige Art und Weise. Es wäre absurd, würden deshalb Konflikte zwischen uns entstehen.

Missstimmungen resultieren unnötigerweise wegen derartiger Kleinigkeiten, also wegen nichts. Oftmals kennen wir nach einer Weile nicht einmal mehr den Auslöser für den Konflikt. Dennoch halten wir die unangenehme Situation am Laufen, schließlich wurde ich beleidigt, ungerecht behandelt oder nicht ernst genommen.

Ich meine nicht Konflikte im Sinne von körperlicher Gewalt, Kriege oder sonstige Bedrohungen mit Waffen. Das ist pathologisches Verhalten, dafür sind Ärzte zuständig.

Es gelingt uns selten, die wahre Natur eines Konflikts zu erkennen. Wir lassen uns von der eigenen Wut dominieren und akzeptieren dieses negative Gefühl als Ursache.

Konflikte machen aggressive Menschen

Sturheit ist ein Grund dafür, dass wir die Situation nicht klären, sondern beginnen, unsere Wut auf den Anderen vor uns selbst zu rechtfertigen. Dass der Andere in den meisten Fällen ich selbst bin, spielt keine Rolle.

Ich war nie ein streitsüchtiger Mensch. Noch Jahre von meiner Diagnose Burnout und Depressionen entfernt, häuften sich allerdings die Situationen, in denen ich bei einer Diskussion diesen unangenehmen Druck in meinem Bauch spürte.

Verlief ein Gespräch nicht nach meiner Vorstellung oder war ich einer Kritik, einem Vorwurf oder dergleichen ausgesetzt, empfand ich diesen Schmerz. Meine Reaktion war Angriff. Ich wehrte mich, wurde verbal ausfällig, zog mich schmollend zurück und begegnete meinem Umfeld mit einer aggressiven Körperhaltung und Rhetorik.

Ich bin der Richter, der Henker und das Opfer

Tage- und nächtelang beschäftigten mich diese Konflikte. Ein Gedanke an eine Person, mit der ich mich aus meiner Sicht in einem Konflikt befand, genügte, dass sich dieser Druck in meinem Bauch breit machte.

Mein Verstand schmiedete Rachepläne, suchte nach Rechtfertigungen für mein Verhalten und nach Beweisen für die alleinige Schuld meines Kontrahenten. Dieses Gift breitete sich in mir aus, führte zu Kopfschmerzen, Verspannungen und hinderte mich, schöne Dinge zu tun.

Ich war das Opfer und kostete diese Rolle in vollen Zügen aus. Mein Leiden wurde stärker und die Wut auf denjenigen heftiger, den ich als Täter verurteilte und gedanklich qualvoll bestrafte.

Burnout ist ein Konflikt

Wie bereits mehrmals erwähnt, es war nicht die eine Sache, die mich in ein Burnout abdriften ließ. Meine Konflikte waren ein Teil davon. Oder, um es von einer anderen Seite zu betrachten: Burnout ist ein Konflikt.

Ein innerer Konflikt zwischen dem was sein sollte, was ist und was ich bei diesem Widerspruch empfinde. Je mehr ich mich von meinen Gefühlen dominieren lasse, desto aggressiver gehe ich in eine Auseinandersetzung, trage also meine eigene, innere Zerrissenheit nach außen. Im schlimmsten Fall schmeiße ich all meinen Frust auf jemand anderen.

Karten auf den Tisch

Es erscheint heute eigenartig, dass ich mir meiner Konflikte, und dem damit einhergehenden Leiden, bewusst war, jedoch nichts dagegen unternahm.

Ich wusste, wer mich verärgerte, wie diese Auseinandersetzungen entstanden und wie ich sie hätte klären können – tat es aber nicht. Stattdessen führte ich Selbstgespräche* und suchte nach Argumenten die meine Haltung untermauerten, bis ich mich im Recht fühlte.

Es machte keinen Unterschied, ob es sich um einen Disput mit einem anderen Menschen handelte oder um einen Konflikt mit mir selbst. Am Ende stand ich immer als Sieger da. Alleine.

An diesem Punkt wurde mir die Absurdität meines Verhaltens bewusst. Ich bin alleine mit all der Wut und Aggressivität, treffe mich selbst, werde schwach. Ich lasse meinem Egoismus freien Lauf, in dem ich mich in die Opferrolle begebe und ein schleimiges Bad darin nehme.

Mit meinem Gegner zusammenarbeiten

Mittlerweile gehe ich völlig anders damit um. Ich befreie mich von meiner Sturheit und biete ein vernünftiges, klärendes Gespräch an. Von Angesicht zu Angesicht, nicht in einem Chat oder einer ähnlichen Mauer, hinter der sich mein Gegenüber oder ich mich verstecken kann. 

Meine Feigheit hielt mich früher davon ab, auf diesen Menschen zuzugehen und mich dem Disput zu stellen. Einfach ist es immer noch nicht, aber mich mutig dem Konflikt zu stellen, fühlt sich richtig an, macht mich selbstbewusster und befreit mich von dieser Belastung.

Ein voller Mülleimer muss früher oder später entleert werden, abgefahrene Reifen gehören gewechselt, eine infizierte Wunde behandelt, eine kaputte Waschmaschine repariert und ein Konflikt geklärt.

Die Situation wird ansonsten noch schlimmer. Nicht nur die Beziehung zu diesem Menschen, auch mein innerer Druck, mein Leiden. Die Klärung vor mir herzuschieben ist sinnlos und feige.

Das Leben ist zu kurz für Konflikte

Willigt mein Gegenüber nicht ein oder ist bei dem Gespräch auf Streit aus, lasse ich die Sache vorerst auf sich beruhen und starte zu einem späteren Zeitpunkt einen neuerlichen Versuch.

Kommt es weiterhin zu keinem vernünftigen Austausch, ist die Sache für mich erledigt. Mein vermeintlicher Kontrahent stellt sich nicht seinem eigenen Konflikt. Dafür halte ich nicht meinen Kopf hin. Dafür bin ich nicht verantwortlich.

Das mag egoistisch, hart oder überheblich klingen. Von mir aus. Ich sehe mein Verhalten als Selbstschutz und lasse nicht zu, dass mir jemand seinen eigenen Konflikt umhängt. Ich bin keine Zielscheibe, keine Mülltonne und kein Sandsack, auf dem jemand seinen Frust ablädt.

Die falsche Schlange mit ihrem eigenen Gift besiegen

Bei meinen eigenen, inneren Konflikten bin ich noch am üben. Spüre ich Wut, Hass oder Aggression in mir aufsteigen, erkenne ich sofort, dass es meine Wut, mein Hass und meine Aggression ist. Das hilft mir, nicht sofort in den Angriffmodus zu schalten, mich zu beruhigen und zu überprüfen, was hinter diesen negativen Emotionen steckt. In einem anderen Artikel führte ich bereits aus, alle meine Gefühle anzuschauen.

So giftig Konflikte und die damit verbunden Emotionen sind, so wertvolle Hinweise liefern sie, wo all diese Wut in mir und meinem Leben herkommt. Bin ich mir darüber erst einmal im Klaren, habe ich die Möglichkeit mich mit dieser Wut zu beschäftigen.

Mein Leben wurde entspannter. Konflikte zeigten mir meine emotionalen Schwachstellen, machten mich achtsamer, mutiger und umgänglicher.

Deshalb verwende ich heute mit ruhigem Gewissen eine Schlange als Titelbild. Es steckt keine böse Absicht, keine Provokation dahinter. Führt mein Verhalten dennoch zu einem Konflikt, habe ich ein funktionierendes Werkzeug, mit dem wir beide die Sache vernünftig aus der Welt schaffen und weiterhin unser Wohlbefinden genießen können.

Wie gehst du in deinem Leben mit Konflikten um?

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Titel des nächsten Artikels:

Burnout live: Ein Rückfall


Burnout auf Drogen macht auch keinen Spaß

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3 Gedanken zu “Konflikte liefern das rettende Gift für dein Wohlbefinden

  1. Ein sehr offener Beitrag, da gebe ich dir Recht – Burnout ist ein Konflikt ich zähle ihn zu der Gruppe Konflikte mit sich selbst! Finde deine Offenheit genial!

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