Magersucht: Zur Strafe verhungere ich jetzt

EIN BUCH ÜBER MEINEN WEG AUS DER ESSSTÖRUNG

Ja, ich habe es getan. Ich habe ein Buch geschrieben, das einen ganz tiefen, persönlichen Eindruck in mein eigenes Leben mit Magersucht gibt. Ich hatte Angst vor den Reaktionen meiner Mitmenschen. Aber Leute, es war fantastisch!

„PSYCHIATRIE stand da in großen Lettern über dem Eingang. „Jetzt bringen sie dich also in die Klapse“, dachte ich mir. „Auch egal.“ Auf meinen Handgelenken klebten zwei große, weiße Pflaster. Nun konnte also jeder sehen, dass ich versucht hatte, mir die Pulsadern aufzuschneiden. „Na ganz toll!…“

Zwei Schritte vorwärts, drei zurück

Mit 12 Jahren wurde ich magersüchtig, ich versuchte mir das Leben zu nehmen. Dann wurde ich mehrere Monate im Krankenhaus behandelt. Ich kam zurück nach Hause und es änderte sich… NICHTS! Erst da begriff ich, dass ich es war, die etwas verändern musste.

Es blieb weder bei dem einen Krankenhausaufenthalt, noch bei dem einen Suizidversuch. Von der Magersucht rutschte ich in die Bulimie ab. Mein Alltag war geprägt von Schuldgefühlen und Scham: Wieso tat ich nur solche furchtbaren Dinge? Was stimmte denn nur nicht mit mir?

Gleichzeitig fand ich aber ungeheuren Halt in der Psychotherapie. Ich rappelte mich immer wieder neu auf. Ich lernte, dass ich nicht perfekt sein musste, nicht „die Last der ganzen Welt“ auf meinen Schultern zu tragen hatte.

Und so fand ich Stück für Stück wieder ins Leben zurück. Ich fand neue Freunde, lernte meinen Ehemann kennen und bekam zwei wunderbare Töchter. Dafür bin ich sehr dankbar. Mein Leben ist heute bei Weitem nicht perfekt, aber ich liebe es und ich weiß, es hat sich gelohnt, dafür zu kämpfen.

Wie ist das eigentlich, wenn man Magersucht hat?

Aus heutiger Sicht ist es manchmal nicht leicht, einem Außenstehenden diese Krankheit zu erklären: Wenn ich mir bei den Lesungen selbst so zuhöre, kann ich selbst kaum glauben, dass das meine Geschichte ist.

Magersucht, das ist:

  • ANGST: zuzunehmen, zu versagen, meine Eltern zu enttäuschen, nicht dazuzugehören
  • HASS: auf mich selbst, auf meinen Körper, auf die Probleme in meiner Familie
  • BESTRAFUNG: ich darf nicht schon wieder hungrig sein, ich hab mir das Essen gar nicht verdient, wenn ich es nicht allen recht machen kann, dann hab ich auch kein Recht, dass es MIR gut geht.

Magersucht ist hinterhältig und gemein: Sie verspricht dir, dass alles gut werden wird, wenn du nur erst die „perfekte“ Figur hast. Aber sie verheimlicht dir, dass du deine wahren Probleme nur damit verschleierst. Und sie nimmt dir deine Freunde weg, Essen ist ja auch ein soziales Ereignis.

Ich wusste: Um meine Krankheit selber verstehen zu können, muss ich mich auf Spurensuche in meiner eigenen Familie begeben, ich muss dorthin gehen, wo es am meisten wehtut. Nur so viel vorweg: Ich habe mein „Familiengeheimnis“ gelöst.

Und so ist es mir gelungen, mich endlich von dieser Krankheit zu lösen. Ich habe mich immer gefragt, warum ich so traurig bin, heute weiß ich, dass unter anderem die Depressionen meiner Mutter und ihre eigene Erkrankung, die ich auch im Buch beschreibe und der damit verbundene Stress im Beziehungsleben meiner Eltern auch mich nicht kalt gelassen haben.

Ein Buch entsteht

Gesundwerden ist ein langer und steiniger Weg, der geprägt ist von Rückschlägen. Dennoch ist er es wert, ihn zu gehen und ich verspreche euch, es ist gar nicht so schwer, wenn man ihn Schritt für Schritt beschreitet, sich erlaubt zu scheitern und wieder neu zu beginnen. Erlaubt euch Schwächen und holt euch Hilfe.

Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich mir wünsche, anderen Menschen damit Mut zu machen. Und ich habe es auch geschrieben, um die psychosomatischen Krankheitsbilder aus ihrem Tabu zu heben.

Ich habe mich dazu entschieden, mein Buch auch an Schulen vorzustellen. Es ist immer wieder eine große Herausforderung für mich, über meine eigene Geschichte zu sprechen, aber ich merke, dass eben durch diese „Echtheit“ wirklich etwas bei den SchülerInnen ankommt. Und das bewegt mich tief und macht mich unendlich stolz und dankbar.

Ich hoffe, mit dem Buch Außenstehen ein bisschen was von dieser Krankheit vermitteln zu können. Und ich möchte auch Betroffenen von psychosomatischen Erkrankungen und deren Angehörigen meine Geschichte erzählen. Ich will Ihnen sagen: „Hey, ihr seid nicht allein!“

Endlich angekommen …

Heute bin ich wieder ganz gesund und denke eigentlich im Alltag gar nicht mehr an meine Krankheit zurück. Durch das Schreiben des Buches sind mir aber sehr viele Situationen von damals wieder eingefallen und ich kann bis heute manche Stellen nicht durchlesen, ohne dass mir selbst dabei die Tränen kommen.

Ich bin dankbar für die Hilfe, die ich seitens meiner Psychotherapeuten und Ärzte erfahren durfte.

Und ich freue mich, dass ich heute in der Lage bin, anderen Leuten Mut zuzusprechen. Meine Vergangenheit wird immer ein Teil meines Lebens sein, aber ich habe meinen Frieden damit gefunden.

Alles Liebe, Alexandra

Die Autorin stellt sich vor

Mein Name ist Alexandra! Mit 12 Jahren wog ich 39 kg und hatte meinen ersten Suizidversuch hinter mir. Ich war verzweifelt. Ich schlitterte in die Magersucht hinein und wusste nicht, wie ich es jemals wieder herausschaffen sollte. Aber ich habe jahrelang gekämpft und die Krankheit besiegt. In meinem Buch möchte ich euch meine Geschichte erzählen und anderen Menschen in Krisensituationen Mut machen…

Kontakt zu Alexandra

Auf meiner Homepage könnt ihr euch alles über meine Arbeit als Autorin durchlesen oder mir eine persönliche Nachricht schicken.

Buchempfehlung (Anzeige)

Zur Strafe verhungere ich jetzt

Mein Buch „Zur Strafe verhungere ich jetzt“ ISBN: 978-385253-567-8 ist im E.Weber Verlag erschienen. Es ist überall im Buchhandel sowie online um €10 erhältlich.

„Liebe geht durch den Magen“, heißt es. Aber wo geht Hass hin? Und ist Magersucht vielleicht nur eine Magenverstimmung? Dieses Buch erzählt die wahre Geschichte eines Mädchens, das losging, um seine heile Welt zu retten, mit einem reparierten Herzen zurückkehrte und endlich nach Hause fand.

Ein Buch über Magersucht

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich zu:
Melde dich jetzt für meinen Newsletter an!