Midlife Crisis. Krise zur Ordnung und zum Neubeginn

Es liegt in der Natur einer Krise, insbesondere einer Midlife Crisis, Ordnung zu schaffen und für einen Neubeginn zu sorgen


Stell’ dir vor es ist Krise und keiner geht hin. Niemand sorgt für Ordnung oder einen Neubeginn unter richtigen Rahmenbedingungen. Genau das passiert meist bei einer Midlife Crisis. Sie wird ignoriert und ausgesessen. Dabei ist der Zeitpunkt der Lebensmitte ideal um richtig durchzustarten.

Erfahre, was bei einer Midlife Crisis abgeht und wie du sie für dich nützen kannst um dir endlich das Leben zu gestalten, das zu dir passt. Auch für Angehörige von Menschen, die in eine Midlife Crisis rutschten ist einiges dabei.


Ich hab’s für mich getan

In der vielfach ausgezeichneten Fernsehserie „Breaking Bad“, mit dem fantastischen Bryan Cranston als Walter White in der Hauptrolle, erlebt dieser die Zäsur seines Lebens. Nachdem er die Diagnose Lungenkrebs erhält, beginnt er mit der Produktion erstklassiger Drogen. Damit möchte Mr. White die teure Krebsbehandlung finanzieren und eine Rücklage für seine Familie bilden, falls er trotz Behandlung nicht überlebt.

Wir sehen über zweiundsechzig Episoden diesen verzweifelten Mann, der durch fragwürdige Entscheidungen immer tiefer in seiner persönlichen Krise versinkt.

In der letzten Folge, kurz bevor er stirbt, sagt er in Bezug auf seine Karriere als Drogenbaron zu seiner Frau: „Ich habs für mich getan. Mir hat’s gefallen. Ich war darin sehr gut und ich habe dabei wirklich gelebt.“

Was für eine Aussage! Mit dem nahenden Tod vor Augen erfahren wir von Walter White, was ihn tatsächlich antrieb.

Schuldgefühle und Unzufriedenheit sind keine Krankheit

Irgendwann kommt jeder an diesen Punkt, an dem er mit seinem bisherigen Lebenslauf abrechnet. Üblicherweise wird darüber hinweggesehen, werden die Ergebnisse ignoriert, weil man sich diese Tragödie nicht auch noch bewusst reinziehen möchte.

Oder die Psyche reagiert, ob du willst oder nicht. Dann fühlt sich das Scheiße an. Die Midlife Crisis ist so eine Reaktion der Psyche.

Medizinisch betrachtet existiert sie nicht, sie gilt nicht einmal als Symptom. Nach einer intensiven Recherche zu diesem Artikel, fällt die Midlife Crisis am ehesten noch unter Verhaltensauffälligkeit.

Sie tritt wesentlich häufiger bei Männern als bei Frauen auf. Das wird darauf zurückgeführt, dass Männer kaum über ihre Gefühle sprechen. Schließlich kommt der ganze seelische Müll, der sich über Jahrzehnte ansammelte, meistens in der Lebensmitte, also in den Vierzigern auf einmal daher und zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Was sagen eigentlich Ärzte dazu?

Midlife Crisis ist nur ein anderes Wort für Burnout

Mein Arzt „diagnostizierte“ damals, als ich ihn erstmals wegen meiner psychischen Beschwerden konsultierte, eine Midlife Crisis. Da sie mit Begriffen wie Unzufriedenheit, Schuldgefühle, Pessimismus, Selbstzweifel und Stimmungsschwankungen in Verbindung gebracht wird, war sein Ansatz durchaus plausibel.

Diese Krise in der Lebensmitte gilt als Sinnkrise. Also medizinisch betrachtet nicht schlimm und nicht weiter beachtenswert. Eine Therapie gibt es nicht, sie unterliegt der Annahme, dass sich nach einigen Jahren alles einspielt und der Verhaltensauffällige wieder normal wird.

Wie bei einem Burnout, ist auch bei der Midlife Crisis der Wunsch und die Hoffnung der Menschen im eigenen Umfeld ausschlaggebend für die Einordnung dessen, was demjenigen fehlt, der auf einmal seine alte Lederjacke aus dem Keller kramt und jedem Hinterteil hinterhergafft, das in eine viel zu enge Jeans gequetscht wurde.

Die Veränderung desjenigen, der mit der Anschaffung eines Tattoos oder eines Porsches droht, werden von Freunden und Familienmitgliedern als Gefahr für deren eigene Normalität betrachtet.

Diese Normalität gilt es um jeden Preis zu verteidigen. Das Gewohnte in Frage stellen, von einer anderen Zukunft träumen oder sich gar mit Veränderungen auseinandersetzen – nein, damit wollen wir nicht belastet werden. Und die Konsequenz daraus ist:

Endlich kannst du den ganzen unnötigen Ballast loswerden

Selbstzweifel machen aggressiv

Also halten wir Männer die Klappe. Wir reden nicht, weil wir anderen nicht auf die Nerven gehen wollen. Weil wir seit Anbeginn der Menschheit stark sein mussten. Und wegen des verdammten George Clooney.

Clooney, dieser ach so smarte Mistkerl, ist der Inbegriff von Männlichkeit. Ihm würden es Frauen sogar verzeihen, ließe er sich von einer Ziege die Eier lecken.

Wir Männer sind mittlerweile derart angepasst, dass wir selbst dann noch die Klappe halten, wenn sich bereits Schimmel an den Unmengen unterdrückter Tränen bildet. Und platzt uns doch mal der Kragen, wehren wir uns mit einem aggressiven Gehabe, das an ein Kind auf ADHS erinnert. Es kommt noch schlimmer …

Midlife Crisis: Das Verhalten eines Pubertierenden

Die teils zutreffenden Klischees, die das Verhalten eines in der Krise seiner Lebensmitte befindlichen Typen beschreiben, sind dermaßen lächerlich, dass bei jedem erwachsenen Mann bei den geringsten Anzeichen die Alarmglocken schrillen müssten.

Jogging High wie in den Achtzigern, dazu ein fragwürdiges Hemd, wie es Dieter Bohlen seit Jahren als eine Art Tumor trägt. Eine Harley oder ein Porsches als Zeichen der Potenz und dazu eine fragwürdig junge Blondine, mit der Mann „es“ auf sensationelle siebeneinhalb Minuten bringt, anstatt der gewohnten Dreiminutenvierzig mit seiner ehelich Angetrauten.

Was soll das? Oder besser gefragt: Wohin soll dich dieser groteske „Neubeginn“ bringen, zu echtem Lebensglück?

Vor dem Neubeginn kommt die Ordnung

Fühlt sich das Leben wie ein Klumpen Kaugummi an, der seinen ursprünglich frischen und fruchtigen Geschmack längst verloren hat, besteht definitiv Handlungsbedarf. Aber muss es gleich ein schnittiges, heißes Gerät sein? Oder ein Porsche?

Mein Burnout lehrte mich zwei Punkte: Zum einen, dass ich in meinem Leben mal falsch abbog. Einen Weg einschlug, der Bequemlichkeit vermittelte und gleichzeitig gesellschaftlich anerkannt war und den Erwartungen, die Menschen in meinem Umfeld an mich stellten, entsprach.

Andererseits lernte ich auf schmerzhafte Weise, dass ich mein Glück, meinen Weg, meinen Sinn des Lebens oder wie immer du es nennen magst, nicht im Außen finden werde. Also nicht in irgendwelchem Zeug, Geld oder Status.

Ich musste zuerst für Ordnung in meinem Inneren sorgen, ehe ich an einen Neubeginn denken konnte. Oder anders formuliert: Um mich selbst zu finden, musste ich mich ist einmal verlieren. Was bedeutet das nun wieder?

Die Midlife Crisis als Anfang vom Ende

In Zusammenhang mit Midlife Crisis wird oftmals davon gesprochen, dass sich der Betroffene seiner Sterblichkeit bewusst wird. Die Krise bricht aus, wenn statistisch nur noch einige wenige Jahrzehnte vor einem liegen.

In der Hoffnung, die Lebensmitte als Startereignis nutzen zu können, legt der Leidtragende mit jugendlichem Esprit einen Neubeginn hin, der ihm die Jugend noch einmal zurückbringen soll.

Jetzt bin ich ungern der Überbringer schlechter Nachrichten, aber der Zug ist abgefahren. Da kannst du so viele Seitensprünge zu deinen sonstigen falschen Entscheidungen hinzufügen wie du aushältst.

Oder eine Harley und einen Porsche zu Schrott fahren, bis du erkennst, dass dich auch das nicht vor dem Sterben retten wird. Eher beschleunigst du damit dein Ableben.

Allerdings sollte die Angst vor dem Tod nicht das vordergründige Thema sein. Nie gelebt zu haben, das sollte dich hingegen in Angst und Schrecken versetzen. Es gibt aber auch eine gute Nachricht …

Deine Chance in der Midlife Crisis: Ordnung ist das halbe Leben

Sag’ „Hallo“ zu deiner Midlife Crisis, „schön, dass du dich endlich blicken lässt“. Stell’ dir vor, du würdest die existenziellen Hinweise in Bezug auf die Versäumnisse deines bisherigen Lebens erst erhalten, wenn dich statt der knackigen Blondine bereits ein ranziger Fäulnisgeruch umgibt.

Jetzt hast du die Chance, dein Leben in Ordnung zu bringen und eine perfekte Ausrede obendrauf: „Hey Leute, habt bitte Verständnis für meine Stimmungsschwankungen und mein eigenartiges Verhalten, aber ich hab mir eine Midlife Crisis eingefangen, ich arme Sau“.

Ein Neubeginn aufgrund deiner Midlife Crisis heißt nicht, alles über den Haufen zu werfen, deine Frau zurück auf den unlustigen Singlemarkt zu schicken und ins Kloster zu gehen. Schau dir deine folgenden Optionen an.

Es bleibt nur was zu dir passt und du wirklich benötigst

Was du tun kannst um deine Midlife Crisis für dich zu nützen

Die folgenden Punkte sind nicht nur für dich bedeutsam sondern auch für deine Angehörigen, die deine Midlife Crisis an die Decke gehen lässt:

– Hör auf, dich selbst und dein Umfeld anzulügen. Tu nicht so, als gäbe es keine Veränderungen an deinem gewohnten Verhalten. Glaub mir, du bist bereits durchschaut, demnach kommt dein Versteckspiel ziemlich lächerlich daher.

– Steh dazu! Die Menschen, denen du etwas bedeutest, werden auch weiterhin zu dir stehen. Wenn nicht, lass sie die Tür von außen schließen. Du bist erwachsen und ja, du darfst auch mal schwach sein. No Problem!

– Analysiere brutal ehrlich dein bisheriges Leben. Wovon träumtest du früher, in welche Situation bist du unbewusst reingestolpert und lebst deshalb einen miesen Kompromiss, was fühlt sich falsch in deinem Leben, was brauchst du und was nicht mehr?

– Geh’ es behutsam an. Rom wurde auch nicht an einem Tag abgefackelt. Du hattest einige Jahrzehnte Zeit um den ganzen Müll anzusammeln. Gib dir ein paar Monate, damit zu früheren schlechten Entscheidungen keine künftigen miesen Entscheidungen dazukommen. Verstehst du?

– Kümmere dich zuerst um jene Aspekte deines Lebens, die du nicht mehr benötigst, die zu viel und somit unnötig sind, ehe du etwas Neues schaffst. Meist ist es das zu Viel was uns fertig macht. Holst du Zusätzliches in dein Leben, wird alles nur noch schwerer.

Die Menschen in deiner Umgebung, deine Familie und Freunde, sollten dich unterstützen, dir vertrauen und ebenfalls geduldig sein, was die eine oder andere Veränderung betrifft. Spielen sie nicht mit, fordere vehement ihre Unterstützung ein. Umgekehrt haben deine Angehörigen das Recht dir klarzumachen, dass du gefälligst deinen Kram regelst.

Sprich über deine Midlife Crisis oder sei weiterhin feige

Mach’s dir nicht so schwer und sprich darüber was dich beschäftigt, was dich fertig macht. Ach ja, reden ist nicht dein Ding. Okay, dann leide weiter, kauf einen Porsche. In ein paar Jahren ist alles wieder gut und du lebst weiterhin dein gewohnt normales Leben.

Nein, jetzt mal ohne Scheiß: Über seine Gedanken und Gefühle zu sprechen ist Teil des erwachsen seins. Wenn sich dein Gegenüber das nicht anhören möchte, hast du bereits eine Erkenntnis gewonnen: Dein Gegenüber ist ein Arschloch und ein Stein auf dem Weg zu deinem wahren Selbst, den es schnellstens beiseite zu schieben gilt.

Ich lese täglich etwas über Menschen, die mit fiesen Lebensphasen oder psychischen Problemen zu kämpfen hatten. Glaub mir, bei jedem (!) führte die Besserung über viele Gespräche. Eine Sache noch zum Schluß:

Wir sollten alle Verhaltensauffällig werden

Die Midlife Crisis ist meiner Meinung nach, wie Burnout, eine Art Warnschuss, ein Weckruf. Deine Seele, deine innere Stimme oder was auch immer dir ständig die Rückmeldung gibt, wie du dich gerade fühlst, macht dich darauf aufmerksam, dass du von deinem Weg abgekommen bist.

Okay, nichts passiert. Nun, in deiner Lebensmitte, ist es aber an der Zeit, dieser Stimme zu folgen und auf eine positive Art verhaltensauffällig zu werden. Nämlich, in dem du dieses nagende Gefühl an die Oberfläche holst, es zulässt und herausfindest, was dahinter steckt.

Du brauchst nicht sofort eine Lösung. Hab Geduld, die Lösung findet von alleine ihren Weg. Gib ihr eine Bühne um sich zu entfalten. Das erreichst du, in dem du dich öffnest, über deine Gedanken und Gefühle sprichst, oder sie zumindest brutal ehrlich aufschreibst.

Mach das einige Zeit. Du wirst überrascht sein, welche Möglichkeiten sich auf einmal ergeben und darüber, was alles in dir steckt. Finde, was dir wirklich Freude bereitet und geh es an.

Wäre doch gewaltig, wenn du eines Tages mit vollster Überzeugung, und ohne irgendwelchen Blödsinn angestellt zu haben (Drogen produzieren wie Walter White, teuren Porsche kaufen oder einen Seitensprung durchzuziehen), auf dein Leben zurückblickst und sagst:   

„Ich habs für mich getan. Mir hat’s gefallen. Ich war darin sehr gut und ich habe dabei wirklich gelebt.“



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Titel des nächsten Artikels:

Gastartikel von Matthias: Als Papa erwachsen wurde


Burnout ist keine Schwäche. Ist das klar?

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Folge mir, ich würde mich freuen:

7 Gedanken zu „Midlife Crisis. Krise zur Ordnung und zum Neubeginn&8220;

    1. Hallo Peter!

      Danke für deinen Kommentar! Ja, irgendwann kommt jeder an den Punkt an dem er einsieht, dass Veränderungen notwendig sind. Nur Wenige schaffen es aber, tatsächlich etwas zu verändern.

      Deshalb ziehe ich den Hut vor dir und wünsche dir für deinen weiteren Weg alles erdenklich Gute!

      Beste Grüße
      Roland

  1. Sehr guter Kommentar!
    Viele Männer, aber auch einige Frauen trifft es und ihr Verhalten löst bei den Angehörigen nur Kopfschütteln aus.
    Ich glaube, dass die Midlife Crisis wichtig ist, um sein eigenes Leben zu überdenken und neu zu ordnen. Darum tritt sie auch in der Mitte des Lebens auf. Wenn man schon etwas geschaffen hat und irgendwo das Leben an einen vorbeiläuft.

    1. Danke Sonja!

      Bin voll deiner Meinung. Wir schaffen uns etwas und denken dann unterbewusst „okay, das war’s, mehr ist da nicht, mehr muss auch nicht sein“. Aber da spielt unser Innenleben nicht mit und wehrt sich gegen diese Einstellung. Das tut weh, ist aber eine Chance etwas zu verändern, zu entwickeln …

      Liebe Grüße
      Roland

  2. Sehr feiner Text, wie immer eigentlich! 🙂

    Und trotzdem MUSS (ja, ich weiß: Frauen und emotionale Dranggefühle – oh, und für alle Schlauberger unter uns: NA-HEIN, is weder Pleonasmus noch Tautologie, weil: soll ja so sein, dass Gefühle und Emotionen ganz was Unterschiedliches sind!… 🙂 ) ich doch auch nochmal nen kurzen den-eingangs-Textlob-bezüglichen Gedankenschwung ab- und hinterlassen…:

    Ich will zwar nicht grundsätzlich widersprechen – was die etwas kompromisslose Aussage angeht, dass es sinngemäß…nunja… nett formuliert: „nicht so RICHTIG sexy“ ist, wenn das Gegenüber keinen Bock hat, sich Deine/meine/desAnderen Gedanken und Gefühle reinzuziehen/anzuhören, und dass Übergefühlesprechen zum Erwachsensein gehören tät’…also, DA dann aber doch 🙂 zumindest in dieser AusSchließlichkeit (weiß grad nicht, ob Doppel-s oder ß…) 🙂

    Weil:

    GERADE, wenn man DAS auch findet, denkt, erwartet (besonders vom Gegenüber in der eigenen Partnerschaft), kann einem das in besagter Midlife-Burn-/Boreout-whatever-crisisKrise m.E. nach sogar echt ziemlich ordentlich dolle als der „Mega-Blei-Klopps oben drauf“ zu schaffen machen – und einen ggf noch weiter runter ziehen.

    Man stellt grad ja sowieso sich, die Welt, die Inkarnation, das biologische/spirituelle/materielle/metaphysische-Wasauchimmer-Sein und überhaupt ALLES und NOCH MEHR komplettestens infrage – und dann soll man zwar einerseits voll an Eigenverantwortung denken – dem entgegengesetzt soll aber (m)ein Gegenüber bitteschön für Gespräche zur Verfügung stehen – weil ICH das jetzt grad brauche (?!) 🙂 – Ausnahme: Fachpersonal, klar.

    Der im Eichhörnchenkostüm versteckte kleine Teufel hier allerdings:

    AN SICH SCHEINT ja exakt DAS ein Ausdruck aktiv wahrgenommener Eigenverantwortung zu sein – ABER „in echt“ (und mit ein bisschen ehrlicher Innenschau auf die eigene Motivlage) ist es doch auch so, dass ich da was erwarte, das der Andere zu geben, zu tun, zu sein hat, was er vllt gar nicht kann, will oder schlichtweg einfach ganz grundsätzlich nicht IST…!!! 🙂

    Ich persönlich kann natürlich wieimmer nur von MIR und für MICH sprechen – aber obwohl ich mich für halbwegs reflektiert halte, habe ich zB grad in der übelsten Dunkelheit meiner Burnout-Erschöpfungsdepressions-AngstPanikStörungsphasen tatsächlich irgendwo erwartet, dass doch der Mann, mit dem ich seit Jahren unter nicht gerade einfachen Umständen zusammen war und bin, „spätestens JETZT“ die Bereitschaft entwickeln müsste, „einsehen“ sollte, mit mir zu REDEN, mir bewusst, „aktiv“ und interessiert zu zu hören, bitte AUCH finden, dass das wichtig ist usw. – lange Rede, kurzer Sinn:

    Äh – nö. Voll falsch!

    Mein Gegenüber wirft mich in seinem So-Sein – dass er eben NICHT sprechen/reden will – und zwar NIE und über NICHTS, was mit mir oder uns zu tun hat, ganz simpel formuliert…:
    auf MICH SELBST zurück.

    *grummel*

    Er verbiegt sich nicht, damit ICH MEINE Bedürfnisse auf SEINE Kosten auslebe, sondern ist authentisch. Und damit noch lange kein „Arschloch“, nicht erwachsen, unsensibel (…) o.ä. Uncharmantes. 🙂

    Durch MEINE Krise, ALLES umwälzende Krise, bin ICH aufgefordert, zwar durchaus den fetten zugestaubten Krempelkarton mit dem Aufkleber „meine Bedürfnisse“ ausm tiefsten Keller zu wühlen und endlich trotz allen Widerwillens und mit zunächst wenig Motivation, zu öffnen und mich dem Inhalt zu stellen – aber daraus zu schließen, dass evtl zu kurz gekommene Bedürfnisse wie Reden/Austausch/Kommuniktaion üder für MICH Essentielles auch automatisch meinem jew. Gegenüber über zu stülpen, halte ich für so extrem blind wie gefährlich, fatal und …schlichtweg FALSCH…. 🙂

    Und da isse wieder, die nich so richtig cool gefundene, nervige Stiefschwester Eigenverantwortung.

    Und das Gegenüber, mit dem ich dringend ins Gespräch kommen UND dem ich keine Ausflucht aus diesem erlauben sollte – bin: ICH.

    Ich muss von MIR Antworten fordern – zB auf die Frage, WARUM glaube ich es zu brauchen, über MEINEN Kram zu reden mit anderen Menschen als denen, die dafür ausgebildet sind und ganz offiziell die Aufgabe haben, das zu tun?!

    Wenn Menschen in meinem privaten Umfeld dies zu tun bereit sind oder das zufällig auch als einen Wert haben: Jackpot, cool, Glück gehabt, super!
    Aber wenn nicht: hat es genauso okay zu sein.

    Liebe nächtliche Grüße,

    moe 🙂

    1. Hey Moe,

      hab dich schon vermisst! Wo steckst du immer? 😉

      Ich mag deine philosophische, teils hingerotzte Art, einen Text zu verfassen. Voll auf den Punkt, aus jenem Eck des Gehirns hervorgekramt, das keine Eitelkeit kennt, sondern nur die trockene Wahrheit. Fantastisch!

      Klar, aus einem Stein kannst du keinen Baum machen, wenn er ein Stein sein möchte. Ich mag Steine. Bäume auch. Wenn ich z.B. wo einbrechen möchte, hätte ich lieber einen Stein als einen Baum. Mit dem kann ich das Fenster einschlagen.

      Möchte ich aber meine eigenen Äpfel ernten, ist mir ein Baum lieber als ein Stein, weil ein Stein nun mal keine Äpfel produziert – dieser egoistische Mistkerl.

      Was ich damit sagen möchte: Bedürfnis sucht nach Lösung sucht nach Werkzeug. Steht nicht das richtige Werkzeug zur Verfügung, bin ich auf dem falschen Lösungsweg unterwegs oder meine Bedürfnisse sind nicht die Richtigen.

      Wie auch immer, wenn ich eines in meinen bald 45 Jahren lernte (Scheiße, ich war doch grad erst 15 … ), dann ist es die Tatsache, dass immer das in mein Leben kam, was ich gerade brauchte – ob mir das nun passte oder nicht.

      Wenn da also ein Mensch ist, der kein Baum sein möchte, dann will mir „das Universum“, oder was/wer auch immer mitteilen, dass es der Stein ist, den ich grad brauche.

      Aber hey, was weiß ich schon … 🙂

      Lass‘ mal wider von dir hören, sonst mach ich mir Sorgen!

      Best
      Roland

      1. Einen wunderprächtigen Guten Mittagsmorgen! 🙂

        Aaaach – Du bist so erleichternd diplomatisch! 🙂

        Hatte (abgesehen von meinen übersehenen Rechtschreibfehlern – AAAAAAaaahhhhh!!!) schon beim Einschlafen diese alten Ui-und-wenn-ich-nu-zu-dick-aufgetragen-hab-Gewissensbisse – aber wie cool, dass Du kein „Mädchen“ bist – und Dich durch ein paar „kantige“ Ergänzungsansichten nicht im mindesten „angegriffen“ fühlst – sondern auch diese schon wieder in was Weiterführend-Philosophisches verwandelst…!

        (…oh, und „Mädchen“ sollte an dieser Stelle natürlich nicht generell abwertend gemeint sein; da ich aber eins bin – wenn auch ein alterndes – denk ich, „darf“ ich das vllt so sagen – meine Geschlechtsgenossinnen finde ich da oftmals nicht „harmloser“ oder „bessser“ oder „weiter entwickelt“ als die Junx, über die sie sich hinsichtlich negativer Reaktionen in Kommunikationssituationen oftmals so gerne beschweren…)

        Das mit dem Baum und Stein undso findich als Bild sehr hübsch – und zutreffend!

        Ja, vllt geht’s gerade in solchen so persönlichen Krisenzeiten (auch wenn durchaus verführerisch!) gar nicht um diesen Rundumschlag, nach dem einem so oft immer wieder ist („Macht kaputt, was euch kaputt macht!“), wo alles radikal rausgeworfen wird, was einem nicht (mehr) „gut tut“ – aber ich find da den Gedanken an das kleine Wörtchen „Dankbarkeit“ ganz hilfreich – und ja, aus eigener laaaaanger Erfahrung weiss ich natürlich auch, dass dies im Zusammenhang mit „Achtsamkeit“ hie&da echt schon überstrapaziert wurde und wird – aber MEINER klitzewinzigbescheidenen Erfahrung nach
        ein ganz guter Wegweiser und Entscheidungshilfe sein kann, in diesem extrem heftigen Windstärke 5663728keineAhnungwas-MonstermegaJahrhundertsturm, der da in einem und um einen herum fegt (zumindest individuell subjektiv gefühlt) und einem den ganzen aufgewühlten Glibberdreck vom Meeresboden mit jeder neuen Welle literweise in die eh schon undichten Gummistiefel kippt, an wichtigen Stellen nicht ganz den Überblick zu verlieren.

        NICH ALLES gleich mit aufm Sperrmüll werfen, nur, weil grad die ganz große Lebensumsturzallesneumachen-Aktion ansteht – das/den/die ein oder andere doch lieber nochmal in die Hand nehmen, von allen Seiten bekuckn – und kurz überlegen, was vllt echt ganz gut daran ist oder sein könnte…

        …ich persönlich tue mich SOOOOO schwer mit Entscheidungen an sich, besonders was GROSSE angeht – aber in dieser Zeit ist bzw war just DIESE Schwäche auch wieder ganz gut (oder wurde mit nem neuen Kleidchen, frisch gekämmten Haaren und n bisschen Rouge auf den Bäckchen sogar schon fast ne Stärke?) – und möglicherweise geht’s ja dem/der ein oder anderen hier ähnlich…

        Klar hab ich mich auch (sogar für meine Verhältnisse) recht radikal von einigen Menschen und Umständen getrennt – was besonders doof ist, wenn man das Gefühl hat, so GAR keinen und wenn, dann lediglich schwankenden, matschig-moorigen Untergrund unter den eigenen (Lebens-)Füßchen zu haben – und eh alles und sich anzweifelt, weil irgendwie nix mehr funktioniert – oder es am „besten“ sogar rückblickend noch nie hat…

        (…und im schlimmsten – äh, MEINEM – Fall dann auch noch dazu neigt, sich an abermillioooonen Lebenshilfeschmökern, Fachbüchern usw so schlau zu lesen zur eignenen Situation und der „Weltansich“, dass einem noch mehr der Kopf platzt, dazu die Meinung von Therapeut/in, Beratern, Tagesklinik-/Reha-Mitarbeitern, bliblablubb… – und das Ding mit dem „richtigen“ Bauchgefühl nicht…hm…so ganz UNbedingt leichter wird…)

        …und dann steht man da, fragt sich, ob „das“ erwachsen ist, infantil, ob man erwachsener SEIN müsste und jemals wird – und natürlich, ob man mehr „erwachsene“ Leute um sich scharen müsste, damit es einem zukünftig sinnvoller und individuell passiger besser gehen kann…

        …und dabei kann’s dann janz fix mal passieren, dass man findet, dass sich so gar keiner um einen herum zu entwickeln scheint, dass nur man selbst jetzt den „Durchblick“ hätte (oder zumindest noch mehr als die Anderen – und zumindest die Erkenntnisbrille, dass irgendwie ALLES scheisse ist) – und dann Menschen vergrellt undoder sehr verletzt – nur, weil sie das alles nicht mit einem ausdiskutieren könenn oder wollen, ratlos daneben stehen und vllt keinen Schimmer haben, was sie tun sollen – und man selbst fühlt sich u.a. dadurch SO fern von denen, die man liebt, SO abgeschnitten in seinem beschissenen Glaskästchengefängnisdings, könnte, MÜSSTE doch eigentlich NUR laut schreien – und es kommt doch nix raus und würde auch nix ändern – und das, was man bräuchte, hat das Gegenüber grad nicht „auf Täsch“ – weils nicht IN ihm ist – was besonders schmerzhaft ist, weil man sie (Familie, Freunde, Partner/in, whoever…) doch so liebt – und selbst so sehr verletzlich ist, emotional total aufgeweicht und „totally devastated“ (GEILES Wort, findich!!! Hat immer der alte Poison-Sänger in dieser schlechten MTV-Dating-Serie „Rock of love“ benutzt – er war IMMER V-Ö-L-L-I-G „devastated“, wenn irgendne Tussi…äh..halt ne Tussi war :))) )…

        Naja – und abervielleicht ist es ja so, dass der, der halt „n Stein“ ist, damit auf seine Art sehr hilfreich sein kann – und tut, was ER kann… indem er vllt durch sein Steinsein etwas sehr Konstantes, Verlässliches hat; einen so „normal“ wie möglich behandelt, das Leben weitergehen lässt, wo für einen selbst jeder Atemzug eine zutiefst ermüdende Angelegenheit zu sein scheint; der für Optimismus sorgt, in dem er einfach AKZEPTIERT, dass man jetzt „so drauf“ ist, einen hier und da ermuntert – UND (VOLL geil!!!) einem glaubhaft versichert und das auch LEBT, dass er/sie einen TROTZDEM total toll findet – weiterhin und auch, wenn man sich radikal verändern sollte und ganz was Neues aus seinem Leben machen würde; der/die einfach er/sie selbst ist und halt hofft, am Ende dieser Phase und Entwicklung weiterhin Teil im Leben dessen zu sein, der in dieser tiefen Verzweiflungszeit steckt…

        Kann man noch dolle ergänzen – aber so dös denk ich dazu…

        Und – was nu GAR NIX damit zu tun hat:

        Ich finde es sehr (!) vorbildlich, dass Du Deinen Neuer-Blogtext-Rhythmus nun auf 14 Tage ausgedehnt zu haben scheinst (wenn ich das richtig interpretiert und verstanden habe) – passt zum Grundthema – und schadet auch keinem – und Du hast mehr Raum und Zeit und weniger „Druck“ (ICH zumindest hätte glaubich hier und da ein bisschen selbstgemachten Rest-Perfektionismus-Druck, jede Woche einen sinnigen, schicken, authentischen Text zu bringen – weil WAS, wenn sich einfach keine Ideen einstellen wollten…?! :OOOO ).

        Und ich bin nicht ganz sicher übrigens, ob das mit dem „mal melden, sonst tätst Du Dir Sorgen machen“ ironisch oder wörtlich gemeint ist – ich könnt schon verstehen, dass meine Unfähigkeit, meine Gedanken so komprimiert und kurz und dennoch aufn Punkt zu bringen, wie das irgendwie alle anderen Leute zu können scheinen, durchaus nervig sein kann – und das will man ja AUCH wieda nich…. :)))

        Aber ich werd dann und wann mal aktiv Laut geben – Deinen Blog verfolge ich in jedem Fall 🙂

        Hab einen erquicklichen, überraschenden, liebevollen Tag!

        moe

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