Perfektionismus treibt dich in den Wahnsinn

Perfektionismus und seine Folgen

PERFEKTIONISMUS? WIE DER BEFREIUNGSSCHLAG ZUM KÄFIG WIRD

Endlich ist es soweit! Wochenlange Vorfreude auf den langersehnten Urlaub in Schottland. Es ist eine Reise zu meinem 30. Geburtstag. Monate vorher habe ich die Route mit dem Mietauto festgelegt - Perfektionismus eben -  Unterkünfte gesucht und mich dabei so richtig gefreut. Als ob diese Reise ein Befreiungsschlag wäre.

Zur selben Zeit habe ich auch meinen Job gekündigt mit dem Wunsch mich nun endlich als Dipl. Shiatsu-Praktikerin und Coach selbstständig zu machen. Dieser Urlaub soll den Übergang symbolisieren. Ich habe auch einen Mann an meiner Seite, den ich mir immer schon gewünscht habe. Das Leben könnte nicht besser sein.

Die Angst bestimmt ab nun mein Leben

Warum muss ich immer so leiden? Wieso passiert mir das? Was habe ich falsch gemacht? Kaum in Schottland angekommen passiert es ….. Panikattacken! Seinem eigenen Körper hilflos ausgeliefert sein. Unkontrollierbare Übelkeit, zittern, Herzrasen, Schweißausbrüche, panische Angst zu sterben – plötzlich aus dem Nichts!

Das Fahren auf der Autobahn, ausgemachte Ausflugsziele, die Menschen im Flugzeug – alles wurde zum Marathon, den ich nicht stoppen konnte.

Das Schlimmste an diesen Zuständen ist für mich allerdings die Tatsache, dass die Menschen um mich herum alles mitbekommen! Schwäche, Hilflosigkeit – Opfer! Was denken die Anderen nun von mir, wie soll ich nun mit diesen unvorhersehbaren Zuständen umgehen? Meinen Alltag schaffen?

Die Botschaft der Panik könnte sein ...

Bereits seit meiner Jugend leide ich an chronischen Entzündungen und häufiger Übelkeit, ich kenne also meinen Körper größtenteils mit Schmerzen, die ich bis dato allerdings gut einschätzen und eindämmen konnte. „Eindämmen“ ist wohl das Stichwort.

Drei ganze Jahre mit so heftigen Tiefpunkten, Einschränkungen, Ängsten, ausgelebten Emotionen und Aufarbeitungen vergangener Themen, aber auch starken Erkenntnissen.

Heute empfinde ich die Panik nicht nur als Warnsignal, sondern auch als Retter in der Not, denn anstatt eines Herzinfarkts zu bekommen oder tot umzufallen – schüttelt mich dieser Zustand so heftig, dass in diesem Moment nichts mehr wichtiger ist als ICH selbst.

Plötzlich sind Meinungen und Gefühle anderer Menschen völlig egal. Alles reduziert sich auf die eigene Existenz mit dem Weckruf: „ÜBERLEBE, JETZT!“ Die eigenen Bedürfnisse sind essentiell.

Wie also kann ich es schaffen (ohne Panik) auf mich zu achten und meiner Vorstellung vom Leben folgen? Leichter gesagt, als getan. Ich glaube es ist mehr als notwendig eine grundlegende Veränderung anzustreben, weniger im Außen als vielmehr im Inneren, bei mir selbst.

Der Verstand herrscht noch über das Bauchgefühl

Meine bisherige Strategie des „Eindämmens“ ist wohl eher ungünstig gewählt, denn wie bei einer Überschwemmung tritt alles über das Ufer und sucht sich einen Weg, auch wenn man versucht es aufzuhalten.

Ich war als Kind schon sehr feinfühlig und bin oft als „sensibles, zartes Mädchen“ bezeichnet worden. Ich spüre, beobachte, analysiere und reflektiere viel. Meine Intuition ist stark ausgeprägt, aber auch mein Verstand. Dadurch entsteht in mir sehr oft ein innerer Kampf.

Ich glaube, dass wir Menschen uns in der Kindheit unbewusst bereits Rollen aneignen, die möglicherweise später hinderlich sein können. Eine meiner Rollen ist die der Perfektionistin. Sich verantwortlich fühlen für die Gefühle oder Probleme meiner Mitmenschen setzt mich unter Druck, ebenso wie den Erwartungen meiner Liebsten zu entsprechen.

Größer ist jedoch die Anforderung an mich selbst. Meinen eigenen Bedürfnissen jahrelang einen geringeren Stellenwert zu geben, als den mir nahestehenden Menschen führen mich soweit, dass ich oft nicht mehr genau spüren kann was ich brauche.

Perfektionismus dient als Deckmantel für die Angst vor dem Versagen

Wie groß meine Angst zu Versagen tatsächlich ist, zeigte sich erst im Laufe meiner Therapie. Nicht gut genug zu sein und immer mehr zu leisten, um ansatzweise dem eigenen perfekten Bild zu entsprechen. Doch es wird nie erfüllt.

Gerade in meinem Beruf als Coach und Therapeutin verstand ich mich erst dann als professionell, wenn meine Klienten nichts von meinen Schwächen wissen würden. Schwachsinnig, das weiß ich heute! Ganz im Gegenteil gerade da ist es wichtig authentisch und zu sein wer man ist.

In dieser Burnout-Phase entdeckte ich für mich den Begriff „Hochsensibilität“. Die Wahrnehmung von hochsensiblen Menschen ist intensiver. Wir nehmen in kurzer Zeit sehr viel wahr und sind daher auch schneller reizüberflutet. Es ist zwar ein angenehmes Gefühl zu wissen nicht alleine zu sein mit diesem Problem oder dieser Fähigkeit, doch ist es auch eine Herausforderung damit umgehen zu können.

Umso mehr ich lerne und akzeptiere welche Fähigkeiten sich aus meiner hochsensiblen Persönlichkeit ergeben, desto mehr Verständnis erlange ich mir selbst und vor allem meiner Vergangenheit gegenüber. Ich verstehe jetzt, wie und warum ich so bin, wie ich bin. Warum ich als Kind so gehandelt habe, wie ich es tat.

Mit dem Verständnis verschwindet auch immer mehr der Leistungsdruck, der Perfektionismus, da ich erkenne wie wichtig es ist keinem Ideal zu entsprechen, sondern dem eigenen Gefühl. Spüre ich, wenn sich etwas richtig und gut anfühlt, versuche ich diesem Impuls zu folgen.

In einer dunklen Stunde kann etwas Neues entstehen

In dieser heftigen Phase meines Lebens bin ich gleichzeitig so kreativ, wie noch nie zuvor. Ich spüre einen Lebensweg, der so anders ist, als mein Verstand es je zugelassen hätte. Die Idee zu einer eigenen Methode für Seminare entstand.

KEM -> körperlich, emotional & mental -> kreativ, erfinderisch & mutig nenne ich sie. Geboren aus den Erfahrungen in meinem eigenen Leben und meinem erlernten Wissen. Ich glaube an die menschliche Fähigkeit, mit ein bisschen Unterstützung, sich selbst helfen zu können.

Ist der Mut zur Veränderung da, können wir mit Techniken unsere festgefahrenen Gedankenmuster, Prägungen durch Eltern, Großeltern etc. sowie Konventionen auflösen und neue, positive Muster erschaffen. Wir können unsere Gefühle leben und erleben lernen, uns beginnen zu akzeptieren wie wir sind.

Unabhängig davon welche Geschichte jeder von uns hat sind wir in der Lage neue Fähigkeiten zu entdecken und sie zu entfalten. Statt zu „ertragen“ oder „flüchten“ aufmerksam hinhören und hinein spüren und sich für einen neuen Weg entscheiden.

Selbstkritik und Selbstzweifel weniger Energie zuwenden und sich stattdessen in Selbstakzeptanz und Selbstvertrauen üben.

Verliere nicht die Hoffnung, sondern baue darauf auf

Ich bin davon überzeugt, dass Menschen mit Panikattacken, Depressionen und Burnout, ob hochsensibel oder nicht, mehr denn je aufgefordert sind sich ihrer inneren Stärke bewusst zu werden und den Glauben an sich nicht zu verlieren! Es stecken so viele Möglichkeiten in uns, wenn wir sie zulassen.

Die Methodik meiner Seminare half mir, zu Beginn auch nur zu meiner eigenen Hilfe gedacht, die Lösungen zu finden. Sie liegt zwar individuell, aber immer in der Verbindung zwischen körperlicher, emotionaler und mentaler Ebene. Mit gezielten Techniken löse ich die Fäden, die durch alle drei Ebenen führen. (Schmerz – Gefühl – Gedanke)

Es ist wie das Abtragen einer Schicht nach der Anderen, um zum eigenen, inneren Kern -> mir selbst, zurückzukehren. Mein Zustand wird zwar von außen ausgelöst, hat aber seinen Ursprung im Inneren. Diese Selbstentdeckung macht mir so viel Freude und ich genieße es umso mehr zu spüren, dass es meinen Teilnehmern ebenso ergeht.

Ich stelle mir oft ein Bild von mir vor mit einer Porzellanhülle, zart besaitet, fast zerbrechlich, doch innerlich steckt eine kreative Löwin, die nach einem Weg sucht mit all ihren Fähigkeiten, in sich ruhend und mit ihrer wahren Stärke leben kann. Das ist meine Hoffnung!

In welcher Phase du auch immer gerade steckst, ja der Weg kann manchmal verdammt anstrengend, hart, aussichtslos, schmerzhaft, fast schon ein Höllentrip sein, aber bitte nimm Hilfe an (auch ich musste es lernen) und bleibe dran, es wird die Sonne zwischen den Wolken wieder durchscheinen.

Die Autorin stellt sich vor

Ich heiße Simone und bin 33 Jahre alt. Ich lebe in Wien und bin bereits seit meinem 20. Lebensjahr bewusst auf der Reise zu mir selbst. Genau da habe ich meine Ausbildung zur Shiatsu-Praktikerin begonnen. Auf der Suche nach Hilfe für meine körperlichen Schmerzen durfte ich auch erfahren wie es sich anfühlt wenn sich psychische Probleme dazu gesellen.

 

Vermutlich ist es die Selbsterfahrung, die meine kreative Ader zum Fließen bringt und dazu führt, dass ich jetzt eine eigene Methode zur Selbsthilfe entwickelt habe, die ich nun in Seminaren weitergebe.

Kontakt zu Simone


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Stefan
Gast

Danke für diesen Artikel. Er spricht mir aus der Seele, den der Weg zu sich selbst kann wirklich ein Höllentrip sein.
Dies als Signal zu sehen, an sich zu arbeiten, kann das ganze Leben verändern.
Ich kenne das aus eigener Erfahrung bzw. stecke gerade in so einer Transformation, die mir sehr viel Hoffnung macht.
Danke nochmal für den Input!
LG Stefan

Simone
Gast
Simone

Lieber Stefan,
Ich danke dir für deinen Kommentar! Ich schicke dir auf diesen Weg viel Kraft für deine Transformation ! Alles Liebe Simone

Isabelle
Gast
Isabelle

Liebe Simone, Danke für deine Offenheit und deinen Mut! Es tut gut zu wissen dass auch andere Menschen mit diesen Gefühlen u Zuständen leben. Und dass jeder einen Weg finden kann nicht nur zu lernen damit umzugehen sondern sogar seine eigenen (verborgenen) Stärken und Fähigkeiten zu entdecken und zu leben. Ich finde es ganz toll dass du auf deinem Weg eine Methode entwickelt hast und mit dieser Methode Menschen auf deren Weg begleiten und unterstützen kannst!! Ich durfte ja bereits in den Genuss kommen und ich danke dir für dein unglaubliches Feingefühl und deine Empathie! Mit dir kann man wirklich… Weiterlesen »

Simone
Gast
Simone

Liebe Isabelle,
ich danke dir für dein Kommentar und für deine lieben Worte. Es freut mich sehr, wie viel Vertrauen du mir bisher entgegen gebracht hast, damit wir gemeinsam die „Innen-Welten“ entdecken können ! Danke !
Alles Liebe Simone

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