Reden ist nicht immer das Beste

Reden ist Silber, Schweigen ist Scheiße

DU KANNST DICH IN DEN ABGRUND SCHWEIGEN ODER DICH MIT REDEN DARAUS BEFREIEN

Der Wert des Schweigens wird oft mit Gold bemessen. Die Vermeidung mancher Wortspenden wäre mir zusätzlich ein paar Gramm Platin wert. In Bezug auf deine wahre innere Stimme ist Schweigen hingegen wertlos. Reden wir.

Reden wir Klartext

Dem Titel folgend, werde ich direkt in das Thema einsteigen. Zu wichtig ist es, als um den heißen Brei herumzuschreiben. Geschwiegen wird ein andermal, heute reden wir Klartext.

Ohne dich zu kennen, unterstelle ich, dass du tausende Geheimnisse aus deinem Leben in dir trägst. Dazu kommen noch geschätzte zwanzigtausend Aussagen, die du in deinem bisherigen Lebensverlauf nicht aussprachst. Obwohl es auf der Zunge brannte, hast du schließlich doch darauf gebissen.

Klar, einem Polizisten, der dir ein Strafmandat wegen Falschparkens ausstellt, zu sagen, er soll sich den verdammten Beleg sonst wo reinstecken, ist nicht besonders klug. Auch wenn du das gerne tun würdest, der Zungenbiss schmerzt weniger, als das, was anschließend folgen würde.

Die guten alten Zeiten

Als ich in den 70ern und 80ern zu einem Typen heranwuchs, der eines Tages den Burnoutvirus und die Depressionen in sich tragen würde, galt die unausgesprochene Regel, nur Oberflächlichkeiten nach außen zu tragen.

„Was denken denn da die Nachbarn“, war ein Spruch, der zum Besten gegeben wurde, wenn ein nicht der Norm entsprechendes Problem am Tisch lag. Die Norm war, möglichst unauffällig sein Dasein zu fristen. Alles Andere wurde mit erstaunlicher Akribie für alle Zeiten unter den Teppich gekehrt.

Psychische Probleme, Depressionen, geschweige denn Verständnis dafür, waren praktisch nicht existent. Für die Trauer eines Verstorbenen gab es wenigstens den Leichenschmaus nach der Beerdigung, danach war das Thema gegessen. Ansonsten hieß es „was du immer hast, ein Indianer kennt keinen Schmerz“.

Verständnis kommt von verstehen

Am Höhepunkt meiner depressiven Phase war ich immer noch davon überzeugt, das Problem alleine aus der Welt schaffen zu müssen. Bloß nicht andere mit reinziehen, was würden die von mir denken …

Dazu kam, dass ich nicht in Worte fassen konnte, was in mir vorging. Wie sollte ich es anderen beschreiben und sie um Hilfe bitten? Verständnis zu erwarten, was ich selbst nicht verstehe, ist wie Fahrradfahren ohne Fahrrad. Es lohnt sich nicht einmal der Versuch.

Dennoch war mir klar, dass ich mich schnellstens darum kümmern musste. Die Selbstmordgedanken nahmen dramatisch zu.

Reden ist lebenswichtig
Mit wem kannst du über alles reden?

Reden ist das beste Abführmittel

Über meine Ängste zu sprechen hätte bedeutet, das Einzige was noch Sinn ergab, zu zerstören – meine Illusionen. Gerade deshalb hätte ich jemanden gebraucht, der das für mich erledigte.

Genau darin liegt der Wert dessen, was ich unter Burnoutside verstehe und was ich in diesem Blog beschreibe. Ich kehre mein Inneres nach außen, steige aus diesem selbst erzeugten Wahn, aus der Depression, aus.

Schweigen ist in diesem Zusammenhang tatsächlich Scheiße. Wer bereits an Verstopfung litt, weiß die nahende Erleichterung zu schätzen. Das „Produkt“ ist irrelevant. Die Erleichterung ist das Ziel.

Ich habe niemanden, dem ich vertraue

Falsch! Richtig ist, ich war zu feige, diesen inneren Abgrund jemandem anzuvertrauen („Was der sich denken könnte“).

Zwei der wichtigsten Erkenntnisse bezüglich Burnout und meiner Depressionen sind, dass Menschen wesentlich mehr ertragen als ich vermutete. Und, sie schaffen sich ihre eigene Methode, um einigermaßen zu verstehen, was in mir vorgeht.

Außerdem lernte ich Menschen dadurch erst richtig kennen. Wem kann ich wirklich vertrauen, wem bin ich wirklich wichtig, wer zeigt echtes Verständnis und wer will nicht nur etwas von mir, sondern geht mit mir durch dick und dünn.

Worüber wir nicht reden, bestimmt unser Leben

Es ist klug, mit Weisheiten und guten Ratschlägen sorgsam umzugehen. In Bezug auf reden steht für mich allerdings fest: Alles, und ich meine damit wirklich ALLES, was mich belastet und ich nicht ausspreche, beeinträchtigt meine Lebensqualität nachhaltig.

Schüttest du jemandem dein Herz aus, hast du – im schlimmsten Fall – diesen Menschen überfordert. Wahrscheinlich hast du einen Begleiter gefunden, der dir hilft, deine Last nicht alleine zu tragen. Im besten Fall verlierst du einen falschen „guten Freund“.

Mit reden alleine ist es natürlich noch nicht getan. Belastendes auszusprechen ist wie der Fall des ersten Dominosteins. Es kommt Bewegung in eine Sache, die bisher stillstand. Stillstand ist Abgrund, Bewegung ist Ausweg! Was hätte ich mir nicht alles erspart, hätte ich diese Erkenntnis bereits wesentlich früher gewonnen …

Das gilt nicht nur für Menschen mit einem Burnout oder mit Depressionen. Nein, das gilt auch für dich.

Aus sich herauszugehen, über seine Gefühle zu reden, braucht ein Verständnis für seine Gefühle und Bedürfnisse. Dieses Buch zeigt die notwendige Herangehensweise!

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Wie können Menschen Beziehungen miteinander aufnehmen, die alle Beteiligten tief gehend bereichern? Was befähigt sie, vertrauensvoll und vorwurfsfrei miteinander umzugehen? Der Schlüssel hierzu ist Selbst-Empathie, um für sich selbst genauso wie für andere Mitgefühl zu entwickeln.
Die Autorin, aus langjähriger psychotherapeutischer Praxis kommend, unterstützt die Leser und Leserinnen darin, offen zu werden für alle Erfahrungen des gegenwärtigen Augenblicks. Sie bietet praktische Hilfen an, um die eigenen Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse bewusst zu erkennen und liebevoll zu versorgen, selbst wenn das innere Erleben noch so turbulent ist. Viele lebensnahe Beispiele regen dazu an, eigene Möglichkeiten zu entwickeln, um den Kontakt mit sich und anderen so zu gestalten, dass sich die Schönheit des Lebens im alltäglichen Tun zeigen kann.
Dieses lebendig geschriebene Arbeitsbuch bietet einen roten Faden auf der Suche nach dem ersten Schritt zu einem wertschätzenden Miteinander.


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TineRolandPetra Neueste Kommentare von Autoren
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Petra
Gast

Hallo Roland,
Wieder ein extrem stimmiger Artikel von Dir…
Ich kenne das Gefühl jahrelang nicht auszusprechen, was in mir vorgeht, um andere nicht zu überfordern, bzw zu schützen, leider zu gut.
Einmal habe ich es so formuliert, und bekam interessanterweise die Antwort „und wer schützt Dich?“ Das war in gewisser Weise ein Augenöffner. Stimmt… mich schützt niemand, nicht einmal ich selbst. Seitdem begleitet mich das ein Stück… ich darf/kann /muss vor allem mich schützen, bzw mich um mich kümmern… und deutlich weniger um alle anderen, v a nicht um „Um Gottes Willen, was sagen da die Leute?“
Danke für deine Offenheit.
Viele Grüße
Petra

Tine
Gast
Tine

Sehr schön geschrieben und sooo wahr. Schweigen ist bestimmt in einigen Situationen sogar wichtig, aber was in dir brennt, muss raus. Schlimm ist, wenn du merkst, dass man dich gerne „mundtot“ machen möchte…. Oder das gegen eine Wand reden… Dann wird man wieder ruhig.. und schweigt am besten wieder…

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