Coole Spiritualität im Alltag durch Bewusstheit

Spiritualität im Alltag ist pure Lebendigkeit

Das Thema Spiritualität im Alltag schiebe ich schon lange vor mir her. Ich fürchtete die Reaktionen von euch Lesern, dass ihr mich zum Spinner erklärt, wenn ich euch mit Begriffen wie Gegenwärtigkeit, Bewusstheit oder Lebendigkeit komme.

Allerdings zeigt der Artikel, dass Spiritualität ein wesentlicher Teil meines Weges war, der mich aus meinem Burnout und den Depressionen führte. Somit gehe ich dieses Thema mit jener Offenherzigkeit an, die ich zum Grundsatz für meinen Blog erklärt habe.


Bewusstheit, was?

Wann hast du dich das letzte Mal richtig lebendig gefühlt? Keine Ahnung, eine Gänsehaut bewusst wahrgenommen. Bei einer berührenden Szene in einem Film diesen eigenartigen Druck im Bauch gespürt, der dir Tränen aus den Augen drückte. Oder du das Gefühl von Angst zugelassen und nicht beiseite geschoben hast.

Also wann hast du das letzte Mal deinem Gehirn die Kontrolle entzogen und dich darauf eingelassen, was dich plötzlich, im jetzigen Moment überwältigte?

Glückwunsch, du hast Bewusstheit und somit Spiritualität im Alltag erlebt. Klar, nur kurz, weil dein Verstand sofort eingriff und wieder die Kontrolle übernahm. Aber immerhin, wir sind auf der richtigen Spur.

Der miese Ruf von Spiritualität

Viele Menschen können mit Spiritualität nichts anfangen. Nicht nur das. Sie halten sie für dumm, religiösen Unfug oder esoterischen Größenwahn. Menschen, die sich in Sekten zusammenschließen, nackt ein Lamm schlachten und sich mit dessen Blut gegenseitig okkulte Zeichen auf den Popo malen.

Gut, mag vorkommen. Aber wer behauptet, Spiritualität sei lächerlich oder was für Spinner, der nimmt sich die Chance auf eine Erfahrung, die ich nur mit wahrhaftiger Lebendigkeit beschreiben kann.

Allerdings ist diese Ablehnung nachvollziehbar. Ich war auch so. Ein Typ, der die ganze Welt mit seinem Verstand durchleuchtete und was dieser nicht erklären konnte, existierte nicht.

Heute ärgert es mich, derart kopfgesteuert durchs Leben getorkelt zu sein und Vieles nicht wahrnahm, was offensichtlich vor mir lag.

Lebendigkeit ist mehr als am Leben zu sein

Der Begriff Spiritualität macht Vielen zu schaffen, weil er etwas Außergewöhnliches, schwer Erreichbares oder etwas Abstraktes impliziert. Etwas, wozu ich mich zuerst monatelang in ein Kloster einsperren muss, um Techniken wie Yoga und Meditation zu erlernen.

Aus eigner Erfahrung sage ich: Was für ein Bullshit!

Eine spirituelle Erfahrung ist nichts Besonderes. Im Gegenteil. Das, was gemeinhin als spirituell bezeichnet wird, ist das wahre Leben, ist Lebendigkeit. Alles Andere, was wir sehen, hören, riechen und daraufhin denken und tun, ist lediglich die Inszenierung unseres Alltags.

Wie oft kommt es vor, dass wir einen wiederkehrenden Gedanken zur Seite schieben? Warum biegen wir ein Fehlverhalten zurecht, obwohl wir insgeheim wissen, dass es falsch war?

Wieso machst du dir Gedanken über die Zukunft und die Vergangenheit, obwohl die einzige Zeit, in der du etwas bewegen oder verändern kannst, jetzt ist?

Das alles macht unser Verstand. Und wir lassen ihn. Das bedeutet nicht, dass unser Gehirn eine unnütze, breiige Masse ist, die wir nur deshalb rumschleppen, damit unser Kopf nicht wie eine verkümmerte Kartoffel aussieht.

Die Bestandteile von Spiritualität im Alltag

Das bedeutet, dass wir unser Gehirn falsch einsetzen. Wir glauben tatsächlich, dass wir uns die Welt denken können. Was für eine unfassbare Verschwendung dieses gigantischen Körperteils!

Spiritualität im Alltag nutzt die volle Kapazität des Gehirns durch die bewusste Wahrnehmung dessen was ist. Klingt abgefahren? Na dann zieh dir folgendes rein: Das Einzige was du in deinem Leben hast, ist der jetzige Moment. Alles andere ist eine Illusion.

Wir reden also von Begriffen und Formulierungen wie Bewusstheit, was ist, jetzt und das Gegenteil von all dem, die Illusion. Schauen wir uns das genauer an.

Bewusstheit

Du siehst einen Regenbogen und blickst, ohne einen Gedanken an etwas Anderes, auf dieses wunderbare Naturereignis. Du spürst die dadurch hervorgerufenen Gefühle, nimmst sie wahr ohne sie zu interpretieren. Das ist Bewusstheit.

Interpretation ist Unbewusstheit. Gedanken wie „der schönste Regenbogen, den ich je sah“, „die Natur ist schon ein Wahnsinn“ oder „oje, bald ist er wieder weg“. Ebenso unbewusst ist, nebenbei einen Kaffee zu trinken oder ein Foto vom Regenbogen für Facebook zu machen

Als Nächstes zerlegen wir Was ist jetzt in seine Bestandteile:

Was

Gedanken, Gefühle, Worte, Bilder, Klänge, Gerüche

Ist

Die Wahrnehmung des Was („Ich habe diesen Gedanken“, „ich sehe diesen Regenbogen“, „ich rieche das frisch gebackene Brot“).

Jetzt

Der unmittelbare, aktuelle Moment. Jetzt, in dieser Sekunde. Und jetzt, in dieser Sekunde. Und jetzt schon wieder usw.

Illusion

Ist alles, was du dir in der Zukunft ausmalst, aus der Vergangenheit hervorholst oder du mittels deines Verstandes in deiner Vorstellung erschaffst.

Probier mal folgendes: Schließe die Augen, stell’ dir die Frage Was ist jetzt? und nimm alles wahr was du denkst, spürst, riechst und hörst, ohne all das was daherkommt zu bewerten oder zu interpretieren. Das, mein Freund, ist Spiritualität.

Cool, und was habe ich davon?

Ein buddhistischer Mönch * würde auf diese Frage eine verblüffende Antwort geben: Nichts! Lebst du permanent im absolut gegenwärtigen Moment, ist da nichts mehr. Keine Erwartungen, keine Ängste, keine Wünsche, Hoffnungen, Verluste, Sehnsüchte oder Ziele.

Das geht mir allerdings zu weit und hat mit Spiritualität im Alltag, insbesondere in der westlichen Welt, wenig zu tun.

Die Vorteile von Spiritualität, einem Leben in Bewusstheit, Gegenwärtigkeit und somit in der ultimativen Lebendigkeit, möchte ich mit folgenden Punkten beschreiben:

– Ich fühle mich lebendiger als jemals zuvor. Die Welt erscheint bunter, echter und vollkommener, weil die Ablenkungen weg sind.

– Ärger, Wut und Zorn empfinde ich nur noch selten. Ich erkenne sofort, dass mich diese Gefühle nicht weiterbringen, dass sie unnütz sind und mir die Energie für den ersten Punkt nehmen.

– Angst habe ich keine mehr. Ebenso keine Sorgen oder ein schlechtes Gefühl in Bezug auf meine Zukunft. Ich erkenne, dass ich jetzt Möglichkeiten habe, die ich jetzt umsetzen kann. Alles Weitere wird sich ergeben.

– Ich erlebe Gefühle um das Vielfache intensiver als früher. Ich bin nachgerade süchtig danach, tief in Gefühle einzusteigen.

– Ich erkenne, was in meinem Leben falsch läuft, weil ich negative Gefühle und Gedanken zulasse und sie nicht zur Seite schiebe, weil sie gerade unangenehm sind.

– Vergangene Erlebnisse offenbaren sich mir unmittelbar als das was sie sind – vergangen. Sie richten keinen Schaden mehr an und blockieren mich nicht in meiner jetzigen Lebensgestaltung.

– Mein Leben beruht nicht mehr auf Hoffnung, Optimismus oder Zufall. Ich bin Herr über das was geschieht, was ich beeinflussen kann. Alles Andere nehme ich emotionslos zur Kenntnis.

Ohne Gegenwärtigkeit ist alles nichts

All das ist natürlich eine Frage der Übung. Das Tolle ist, dass ich jederzeit üben kann. Jetzt bewusst wahrnehmen was ist, das geht immer. Klar, nicht wenn ich schlafe.

Allerdings, mache ich das nicht, befinde ich mich in einer Art Schlafzustand. In einer von Gedanken vernebelten Illusion, die Sorgen wälzt, Ängste schürt, Vergangenes bewältigt, Künftiges konstruiert und Hoffnungen sucht.   

Mein Burnout und die damit einhergehenden Depressionen waren eine Folge dieses Schlafzustandes, dieser Illusion. Mein jahrelanges, kopfgesteuertes Verhalten brachte mich in eine Phase des Lebens, in der alles aus den Fugen geriet.

Spiritualität = Gegenwärtigkeit = Lebendigkeit

Und dann versuchte ich mit Hilfe des gleichen Verstandes aus diesem Abgrund rauszukommen. Das funktionierte nicht und machte alles noch schlimmer.

Erst als ich dieses Prinzip von Gegenwärtigkeit und Bewusstheit verstand, diese Spiritualität im Alltag zuließ und übte, verbesserte sich mein Wohlbefinden.

Mittlerweile wird diese bewusste Lebensweise zu einem immer festeren Bestandteil meines Lebens und das ist richtig cool. Und nein, ich bin kein Spinner der nackt ein Lamm schlachtet und mit dessen Blut okkulte Zeichen auf Popos malt.   

Ein Buch stand am Beginn all meiner Erkenntnis. Zugegeben, es kostete mich damals einige Überwindung, mich darauf einzulassen. Aber es hat sich mehr als gelohnt. Der Titel sagt bereits alles: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart * von Eckhart Tolle 


Titel des nächsten Artikels:

Burnout ist keine Schwäche. Ist das klar?


Individualität. Der Verstand macht Werbung

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4 Gedanken zu “Coole Spiritualität im Alltag durch Bewusstheit

  1. Toll geschriebener Text. Ich selber habe auch einen Yoga & Lifestyleblog http://www.ganzwunderbar.com, auf dem ich auch über „Spirituelles“ schreibe. Vielleicht ist das Wort einfach heutzutage überholt und man muss dem Kind einen neuen Namen geben. Ich selber höre immer wieder, dass Yoga dich irgend so ein esotherischer Kram sei, bei dem man nur OHHMMMMMS in die Luft pustet. Dann erzähle ich immer, dass sie einmal eine Stunde Ashtanga Yoga machen sollen, um dann ihre Meinung nochmal zu überdenken. Vielleicht magst du mal rüberhüpfen uund wir starten eine coole Kooperation!

    1. Hallo Melanie,

      danke für deinen Kommentar!

      Viele Menschen lehnen so lange ab, was nicht in ihr 3 – 8eckiges Hirn passt, bis sie es dann doch mal ausprobieren und die wunderbarsten Erfahrungen damit machen. Naja, bei Vielen ist das Leiden noch nicht schlimm genug … 😉

      Dein Seite ist großartig, mit viel Liebe zum Detail und sehr informativ!

      Liebe Grüße
      Roland

  2. Hallo Roland,

    sehr inspirierender Artikel – danke dafür! Ich bin selbst ein spirituell interessierter Mensch, bin jetzt jedoch seit kurzem in einer Psychotherapie, weil ich entdeckt habe, dass ich teilweis „Spiritual Bypassing“ (Buch v. V. Rationi) betrieben habe: ich habe da wohl einige Kindheitsthemen verdrängt, indem ich immer nur über Spiritualität geredet und nachgedacht habe …

    Vielleicht könnte auf diesem Blog dieses Thema auch einmal aufgegriffen werden?

    Beste Grüße, Helene

    1. Liebe Helene,

      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Ganz ehrlich, von „Spiritual Bypassing“ habe ich bisher noch nie etwas gehört. Aus diesem Grund kann ich selbst nicht darüber schreiben, das wäre unglaubwürdig.

      Allerdings, wie wäre es, wenn du einen Gastartikel auf meinem Blog darüber verfasst? Falls notwendig, würde ich dich dabei in jeder Hinsicht unterstützen!

      Schreib mir bitte eine E-Mail an hello@burnoutside.com, wenn du dir das zumindest vorstellen könntest. Ich würde mich sehr freuen!

      Liebe Grüße
      Roland

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