Vorsätze für das neue Jahr oder aktiv werden

Vorsätze für das neue Jahr haben nichts mit Aktivität zu tun


Ist es nicht so, dass Vorsätze für das neue Jahr meist unbedacht dahingesagt werden? Die allerdings Hinweise darauf geben, dass etwas nicht stimmig in meinem Leben ist? Aktiv werden jedoch die Wenigsten, obwohl Aktivität der einzige Schlüssel zur Veränderung ist.


Wie sieht deine Bilanz aus?

Ich verdiene Hunderttausend Euro im Jahr, fahre einen BMW SUV, mache dreimal wöchentlich Sport, rauche nicht mehr und habe ein Buch geschrieben.

Das ist ein Ausschnitt der Bilanz meiner Vorsätze der letzten fünfzehn Jahre. Nichts davon trat ein. Stattdessen brachte ich es zu einem ausgedehnten Burnout und bedingt lustigen Depressionen.

Keine schlechte Bilanz. Vor allem unter der Berücksichtigung, dass es immer noch schlimmer hätte kommen können. Okay, das war jetzt sarkastisch, Tschuldigung.


Einen guten Einblick in mein Burnout und meine Depressionen liefert dieses Interview, dass das Onlinemagazin BlickwinkelMensch Anfang Dezember 2017 mit mir führte.  


Vorsätze für das neue Jahr sind nicht ausnahmslos für’n Arsch

Gehörst du auch zur Spezies der Vorsatzgedemütigten? Diesen Begriff erfand ich eben bei einer Zigarette. Er beschreibt dich und mich, die wir immer wieder Vorsätze für das neue Jahr fassen und nach einigen Monaten gedemütigt feststellen, dass sie nicht nur für’n Arsch waren sondern darüber hinaus für’s Klo.

Ebenso könnte ich mir für das bevorstehende Jahr das Ziel setzen, den Klimawandel zu stoppen und mit den halblustigen Justin Bieber Metaphern aufzuhören. Sinnlos. Beides wird mir nicht gelingen.

Für das Jahr 2013 wäre der Vorsatz, meinen Abschiedsbrief zu schreiben, ein denkwürdiges Ereignis geworden. Das setzte ich tatsächlich um. Aber wer nimmt sich schon so einen Schwachsinn vor?

Ich sollte aktiv werden! Ja klar

Lasst uns mal den Finger in die Wunde legen und überprüfen, mit welchen Themen wir uns zur Jahreswende beschäftigen:

Jeder kennt sie. Die Menschen im direkten Umfeld, die total lieb sind, denen man alles Glück dieser Welt wünscht, die aber mehr oder weniger frustriert durch’s Leben gehen.

Die Sätze sagen, wie „ich bin übergewichtig“, „ich bin faul“, „mein Job ist scheiße“ oder „mein Sexleben ist so aufregend, wie der Verlauf der Schleimspur einer Nacktschnecke“.

Deren Vorsätze für das neue Jahr klingen dann in etwa wie folgt: „Ich sollte abnehmen“, „ich sollte mehr Sport machen“, „ich sollte meinem Chef die Kündigung in den Rachen stecken“ oder „ich sollte weniger Pornos im Internet schauen“. Okay, Letzteres wirst du nicht oft zu hören bekommen, aber du weißt was ich meine.

Aktivität klingt anders

Vorsätze sind die künftigen Narben, auf die wir blicken und denken „was ist los mit mir?“. Dieses „ich sollte“ ist das Messer, mit dem wir uns immer wieder Wunden zufügen.

Dieses Messer „ich sollte dieses und jenes ändern oder tun“ brachte mich erst auf diesen Pfad, auf dem ich eine Niederlage nach der anderen einstecken musste. Ein Weg voller Enttäuschungen, weil ich nicht tat was ich brauchte, sondern mir vornahm, was ich tun sollte, aber schließlich nicht umsetzte.

Der ständige Widerspruch von unstimmigen Vorsätzen einerseits und nicht vollendeter Vorhaben andererseits, spülte mich in einen Strudel, der mich immer schneller in sich reinzog und als Häufchen Elend ausspuckte.

Aus Vorsätzen werden Ausreden, aus Ausreden werden Niederlagen, aus Niederlagen werden neue Vorsätze. Willkommen im neuen Jahr!

Vorsätze sind der Tropfen ins vollen Fass

Mein „Vorsatz“ für das neue Jahr ist, keine Vorsätze für das neue Jahr mehr zu fassen. Es ist das gleiche Prinzip wie mit dem Rückblick auf das vergangene Jahr, nur anders herum.

In der Vergangenheit und in der Zukunft finde ich lediglich die Leere, von der du dir einmal von jemanden erzählen lassen solltest, der an Depressionen litt oder leidet.

Unser Hirn, unser Leben ist zu voll um noch etwas Zusätzliches hereinzuholen. Vorsätze sind der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt.

Die richtige Frage ist demnach: Womit muss ich aufhören, was muss ich aus meinem Leben entfernen? Jetzt. Erst dann ist der Raum da, in dem Neues, bzw. in dem das Richtige entstehen kann.

Was ist wirklich wichtig?

Es geht nicht um Vorsätze, es geht um den ersten konkreten Schritt. Die Klassiker, rauchen aufhören, abnehmen, mehr Sport machen usw. sind Nebendarsteller in einem Film voller Dramen, Konflikte und Widersprüche.

Okay, hör auf zu rauchen, nimm einige Kilos ab, lauf ein paar Kilometer. Mach das und dann geh die wirklich wichtigen Themen an!

Wir leben ein Leben voller Vorsätze. Es ist Zeit zu handeln. Ich sollte ist dabei kein besonders kluger Startschuss, der für eine nachhaltige Verbesserung meiner Lebensqualität sorgt.

Raus aus der Komfortzone und aktiv werden

Ich möchte niemandem zu nahe treten, aber eine Statistik über erfolgreich umgesetzte Vorsätze würde wohl noch erbärmlicher aussehen, als jene der gelungenen Versuche, mit dem Nachwuchs einer Eisbärin zu kuscheln.

Vorsätze für das neue Jahr fassen, ist das Vortäuschen von Aktivität. Eine unnötige Absichtserklärung, die dich in der heimtückischen Komfortzone verweilen lässt und mehr Schaden anrichtet als nützlich ist.

Neujahrsputz statt Vorsätze

Stell dir vor, du möchtest deinen Keller aufräumen. Seit geraumer Zeit überfordert dich nicht nur das über die Jahre entstandene Chaos, sondern auch der Gedanke daran, dass du nicht drumherum kommst, Ordnung zu schaffen.

Als ersten Schritt würdest du entrümpeln und das ganze Zeug entsorgen, das du nicht mehr brauchst, kaputt ist oder das du mal haben wolltest.

Danach wirst du vielleicht ein neues Regal anschaffen und beim einräumen des übrig gebliebenen Zeugs neuerlich darüber nachdenken, ob es Sinn macht, das Teil aufzuheben.

Damit wir uns richtig verstehen: Ich bin kein Therapeut, kein Profi für die Einrichtung eines Kellers und schon gar kein Schnösel, der anderen auf’s Ohr drücken möchte, was sie tun sollen.

Ich schreibe in diesem Blog über meine persönlichen Erfahrungen. Darüber, wie ich in die Scheiße fiel und mühsam wieder rausfand. Entrümpeln spielt dabei eine derart existenzielle Rolle, dass ich mich mittlerweile bremsen muss, nicht alles und jeden aus meinem Leben zu entsorgen.

Entrümpeln ist die erste und einzige Aktivität

Wir sollten aktiv werden, uns die Hände schmutzig machen, mal den Sprung ins kalte Wasser wagen, uns mit ein paar Leuten anlegen und den einen oder anderen Menschen ent-täuschen.

Was ich damit meine ist folgendes: Ist erst einmal das überflüssige, belastende, das zu viel aus meinem Leben entfernt, kommt das, was ich wirklich brauche, mehr oder weniger von alleine in mein Leben.

Diese Erfahrungen bezeichnete ich zu Beginn als Wunder. Später kapierte ich, dass es sich um eine Art Naturgesetz handelt, auf das ich mittlerweile vertraue.

Der Zufall begünstigt den Vorbereiteten

Vorsätze für das neue Jahr haben nichts mit Vorbereitung, einem Plan, mit Veränderung oder einem Ziel zu tun. Vorsätze sind der Stoff, aus dem Geschichten über Niederlagen entstehen.

Der Punkt ist der erste konkrete Schritt. Zum Beispiel eine Liste mit drei Themen, die mich seit längerem belasten. Daneben jeweils die Beantwortung der Frage Warum? (… belastet mich das), dann eine erste konkrete Maßnahme und ein Zeitpunkt in den nächsten Tagen, wann diese Maßnahme umgesetzt ist.

Der erste Stein muss fallen

Diese simple Methode rettete mir das Leben. Zum einen spürte ich bei der Beantwortung der Frage Warum? den Schmerz, der ausgelöst wurde, weil in meinem Leben vieles nicht passte. Dieser Schmerz war das Kerosin für die Aktivität, also für die Umsetzung der notwendigen Maßnahmen.

Zum anderen fand ich damit den Schlüssel zum aktiv werden. Aktiv werden in jenen Bereichen meines Lebens, die mich zu echtem Wohlbefinden führten. Es entstanden Räume, neue Wege und andere Sichtweisen, die durch allerhand wundersamer Zufälle begleitet wurden.

Vorsätze für das neue Jahr sind Schatten ihrer selbst. Aktivität bringt hingegen, wie das fallen von Dominosteinen, Bewegung in ein Leben, das gelebt und nicht hinter sich gebracht werden möchte. Los, gib dem ersten Stein einen Schubs.



Ein Buch, das schon viele Menschen in ein neues, erfolgreiches und glückliches Leben führte. Der Klassiker von Timothy Ferriss: Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben *


Titel des nächsten Artikels:

Gastartikel von Daniel Heinen: Ich stecke in einer verdammten Freakshow


Die Opferrolle und der Täter. Ein Kriminalfall

Buchempfehlungen


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2 Gedanken zu „Vorsätze für das neue Jahr oder aktiv werden&8220;

  1. Echt, authentisch und so wahrhaftig!
    Könnte, sollte, müsste funktioniert eh nicht und aktiv sein kann man das ganze Jahr über … wenn man es wirklich wirklich will 😉
    Das Ding mit den Vorsätzen zum Neujahr ist nix für mich.
    Mit dem Rauchen hab ich im Juni (2003) aufgehört. Das Laufen nahm ich nach über 20 Jahren in einem April wieder auf (2014).
    Chips esse ich weiterhin kiloweise 😉
    Also, wer etwas wirklich will, brauch dazu keinen 1. Januar, sondern Willen.

    In diesem Sinne:
    GUTEN RUTSCH in DEIN neues (aufregendes) Jahr 😃

    1. Danke für deinen Kommentar Sandra!

      Das mit dem „Chips essen“ gefällt mir. Einfach tun, ohne schlechtem Gewissen und sich stattdessen um die wirklich wichtigen Themen kümmern! 🙂

      Alles Gute für 2018!

      Liebe Grüße
      Roland

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