Wann ist genug, genug?

Prioritäten setzen will gelernt sein?


Es ist 19:00 Uhr an einem Winterabend kurz vor Weihnachten. Mein Tag hat schon um 6:30 morgens Vollgas angefangen. Nach einem HIT Training habe ich mit meinem Mann ein gesundes Frühstück gegessen und bin ins Büro gefahren.

Mittlerweile habe ich schon ein Teammeeting, die Entwicklung eines neuen Konzeptes, Erklärung der Programme der neuen Arbeitskolleginnen, Beantwortung aller Emails, unzählige Telefonate mit Konsulenten und einige Stunden Pläne-Zeichnen hinter mir.

Ich könnte schon nachhause gehen, aber bei der Erstellung der To-Do Liste für morgen fällt mir ein, dass ich noch das Brandschutzkonzept für die kommende Besprechung vorbereiten könnte… Das mach ich noch. Dann ist morgen, um das weniger zu tun, oder? Und die anderen ArbeitskollegInnen sind ja schließlich auch noch da…

Als ich schlussendlich nachhause komme, ist es ca. 22:00 Uhr am Abend. Zum Essen gibt es dann doch nur schnelle Nudeln mit Pesto, anstatt des gesunden Gemüse-Woks, mein Mann ist schon am Schlafen und ich bin einfach irgendwie genervt.

Der nächste Tag, obwohl ich ja schon gestern vorgearbeitet habe, schaut leider nicht wirklich anders aus. Und der übernächste auch nicht… Bis ich eines Tages einfach nicht mehr ins Büro gehe. Der Arzt sagt mir, es ist ein Burnout… Nur, wie ist es bloß soweit gekommen?

Was hat mich dazu getrieben so viel zu machen, dass es irgendwann so viel zu viel war?


 

Die Autorin dieses Artikels stellt sich vor:

 

Während meiner jahrelangen Arbeit als Architektin, habe ich gelernt worauf es in der Planung und Umsetzung großer Projekte ankommt. Während meines Zusammenbruchs im letzten Jahr, habe ich angefangen zu lernen worauf es in meinem Leben ankommt.

 

Ich bin Natalia, 31 Jahre alt, und ich bin davon überzeugt, dass jeder das Potenzial hat, sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zu leben!


 

Was treibt uns dazu, so verdammt viel zu machen?

Wer ambitioniert ist, wer große Ziele hat, wer die „unmöglichen“ Visionen möglich machen möchte – der hat einfach viel zu tun. Ganz klar, ganz normal und auch ganz ok. Wer etwas erreichen möchte, der muss auch den notwendigen Einsatz bereit sein zu bringen. Und je größer das gesteckte Ziel, desto höher muss normalerweise der Einsatz sein.

Es waren aber nicht nur die großen Ziele, die mich die letzten Jahre meines Lebens so getrieben haben. Ich glaube, dass war zu einem großen Teil die Unzufriedenheit. Die Unzufriedenheit mit sich selbst und mit dem bis jetzt erreichten und dem geleisteten.

Woher kommt nur eine so starke Unzufriedenheit, die kombiniert mit hoher Ambition, eine hervorragende Burnout-Voraussetzung bildet?

 

Woher kommt die eigene Unzufriedenheit?

Manche Menschen sagen, stecke dir nicht zu hohe Ziele, träume nicht zu groß – dann wirst du auch zufrieden sein. Der ambitionierte Teil meines Ichs weigert sich gegen diese Aussage aber stark. Große Ziele an sich, sind nicht das Problem. Große Ziele sind dafür da, um uns anzutreiben und große Visionen braucht es, um überhaupt an Realisierung eigener Träume dranbleiben zu können.

Ich habe ein paar andere Gründe für meine Unzufriedenheit entdeckt. Und das, was mich in den Arbeitswahn so stark getrieben hat war:

 

Zu viele große Ziele auf einmal

Wenn man gleichzeitig die beste Architektin des Jahres werden möchte, an dem perfekten Fitnesskörper für Instagram arbeitet, einen professionellen Segel-Wetter-Wissens Blog plant und mit seinem Mann ein eigenes Business aufbauen möchte… das kann unter Umständen ein bisschen zu viel für ein Jahr für eine Person sein.

Auch wenn es oft sehr schwierig ist, man muss Prioritäten setzten lernen. Vielleicht reicht es, dass ich mich einfach gesund ernähre und ein paar Mal die Woche Sport treibe, der mir Spaß macht?

Professionelle Bodybuilderin zu sein ist schließlich ein Vollzeitjob x 2. Vielleicht reicht es Segeln als Hobby zu betreiben? Nicht alles muss gleich zu einem Business werden. Nicht überall und nicht immer muss man der beste der besten sein.

Und vielleicht ist auch die Zeit gekommen sich zu entscheiden, ob ich weiter als Architektin in Büros meine Erfahrungen sammeln möchte, oder ob es mir wichtiger ist mein eigenes Business aufzubauen? Und auch wenn die Entscheidungen nicht immer leichtfallen:

„Leichte Entscheidungen – hartes Leben. Harte Entscheidungen – leichtes Leben.“

 

Ich kann doch aber alles!?

Das habe ich auch sehr lange geglaubt. Und das stimmt, es gibt viele gute und energetische Phasen in unserem Leben. Phasen wo wir auch über eine längere Zeit viel und intensiv von uns geben können.

Aber auch dann müssen die Akkus regelmäßig geladen werden, um eine totale Leere zu verhindern. Und vor allem, auch dann gilt – der Tag hat 24 Stunden. Und auch wenn ich sehr schnell und sehr gut bin in einer bestimmten Tätigkeit, kann ich trotzdem nur so viel einplanen, wie viel der Tag erlaubt.

Ich habe mir oft viel zu viel vorgenommen, mit dem Gedanken, das geht schon irgendwie. Das hat nicht nur schlaflose Nächte und regelmäßige Arbeitswochenende mit sich gebracht. Das hat vor allem eine ständige Unzufriedenheit mit sich selbst gebracht. „Ich habe es schon wieder nicht geschafft…“ – waren meisten die am Ende des Tages die darauffolgenden Gedanken.

 

Das was mir jetzt hilft, diesen Fehler nicht nochmal zu begehen ist:

  • Ein wichtigstes Ziel pro Tag definieren – wenn ich diese eine Sache, die ich als die wichtigste für den Tag definiert habe, gemacht habe – dann kann ich auch beruhigt zufrieden sein 😊
  • Den Tag im Stundentakt durchdenken – Und nein, ich lebe nach keinem sturen Stundenplan. Ich schaue einfach, dass ich bei der Planung meiner täglichen Aufgaben auch mitbedenke, dass ich schlafen, essen, duschen und ja auch entspannen muss. 😊

Damit müsste ja eigentlich alles wieder gut sein. Prioritäten setzen und alles richtig einplanen. Da kann man ja nicht anders, als eigene Ziele Schritt für Schritt zu erreichen und total zufrieden zu sein 😊 Wenn da nur nicht die anderen wären…

 

Der ständige Vergleich…

Wir sind ständig und überall mit Bildern von anderen konfrontiert. Alle sind schlank, fit, reich, erfolgreich und glücklich. Alle habe viel Power, arbeiten die ganze Zeit an innovativsten Projekten der Welt, haben großartige Familien und ein ausgeprägtes soziales Leben. Nie haben sie schwache Tage, nie sind sie demotiviert, nie fehlt ihnen die Energie.

Kein Wunder, dass ich selber nichts auf die Reihe bringe, wenn ich mich dazu entschieden habe jeden Tag um 18:00 mit der Arbeit aufzuhören und an Wochenende tatsächlich immer wieder mit Keksen im Bett rumliege…

Ich weiß, dass alle anderen nicht so perfekt sind, wie sie zu sein scheinen, aber trotzdem: rationell zu verstehen, dass es so nicht ist und das eigene Gefühl der Unzufriedenheit abzuschalten – das sind zwei verschiedene Sachen.

Das erste was mir hier hilft ist tatsächlich weniger Medien zu konsumieren. Weniger bunte Magazine, weniger Fernseher, weniger Instagram…

 

Und wie der tolle Marlon Brando mal gesagt hat:

„Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden.“

Da kommen wir zurück zu den eigenen Zielen und Visionen, die uns einen Ausweg aus diesem Teufelskreis bieten können…

Mache dir ernsthaft Gedanken darüber, was du wirklich willst? Was sind deine Ziele? Was sind deine Vorstellungen, von einem guten, erfüllten Leben? Nicht die der anderen, nicht die der dir in Medien vorgespielten Bilder und auch nicht die deiner Eltern, Kinder oder Freude… Was sind deine Ziele? Was ist das, was du machen willst?

 

Wann ist also genug, genug?

Du entscheidest wann genug, genug ist. Ich weiß es oft genug selber nicht… Und ich kämpfe nach wie vor mit diesem Gefühl, dass es vielleicht doch nicht genug ist, was ich mache…

Es wird aber besser und die Tage an denen ich so richtig zufrieden bin, überwiegen bei weiten die, an denen ich verzweifelt bis in die späte Nacht arbeiten möchte 😊

 

Das, was mir auf jeden stark hilft ist:

  • Klare Prioritäten setzen
  • Für jeden Tag nur ein wichtigstes Ziel des Tages definieren
  • Fixe Arbeitszeit-Grenzen setzen
  • Das auch immer wieder zu genießen einen kuscheligen Tag mit den Keksen im Bett zu verbringen 😊 (nicht jeder Tag muss ein High-Performance Tag sein. Nicht jede Stunde muss zu 100% „sinnvoll“ genutzt werden.)

Und ganz wichtig – egal was man tut, immer wieder Pausen machen, kurz aufatmen… und der Körper und der Kopf sagen uns dann meistens schon, ob es genug ist. Man muss sie nur sprechen lassen. Man muss nur kurz anhalten und ihnen zuhören…

Alles Liebe und Gute für jeden Tag 😊

Deine Natalia

 


Hier erfährst du mehr über Natalia und das Projekt KraftFabrik, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann Alex, gestartet haben:

Website: https://kraftfabrik.com/
Facebook: https://www.facebook.com/growindependent/
Instagram: https://www.instagram.com/alex_and_natalia/

Mailadresse: office@kraftfabrik.com

 



Andy Holzer sieht die Berge nicht. Dass der von Geburt an blinde Kletterer dennoch alles wahrnimmt, beweist er auf seinen Expeditionen auf die höchsten Gipfel der Erde. Prioritäten setzen ist für ihn existenziell, sein Buch eine reine Inspiration: Balanceakt: Blind auf die Gipfel der Welt *


Titel des nächsten Artikels:

7 Grundsätze der Burnout Prävention


Was ist Burnout und was es dich lehrt

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